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Montag, 4.9.2006
Enduro mit Stephen
Auf den Tarcu sollte es heute gehen, mit dem verrückten Stephen (the fast and the furious) Palmer, einem bezahlten Tourguide. Aber es kam dann doch ganz
anders als geplant.
Morgens geht es nach dem Frühstück los, Steffen Ahlbrecht schließt sich uns an (man beachte, "Steffen" ungleich "Stephen" ;-), um auch mal ein wenig neue Strecken
kennenzulernen und wir fahren auf einem uns völlig unbekannten und wunderschönem, abwechslungsreichen Weg nach Slatina Timis, um unsere Spritvorräte aufzustocken. Wir stellen fest, daß wir den Zettel für die
Punktewertung nicht dabei haben und sind nicht sonderlich betrübt, da wir hauptsächlich Spaß haben wollen und keine Lust auf Punktejagd haben. Vor der Stadt geht's eine kleine Nebenstrecke von Poiana Mare runter,
die kaum jemand kennt und am Ende in einem sehr steilen und steinigen Weg endet, den wir runterfahren müssen. Stephen erklärt uns, wie man steile schwierige Abwärtspassagen fährt: Hinstellen, das Mopped mit den
Knien einklemmen und die Arme so weit es geht entlasten, erster Gang rein und nur vorn bremsen. Dann kann man auch entspannt die steilsten Hänge runterfahren ohne daß die Arme müde werden.
Nach dem Tanken geht's auf der E70 einen Kilometer südlich nach
Sadova Noua, wo wir nach einem kurzen Nahrungsmittel-Einkauf nach Osten in die Berge stechen. Auf kurvigen, steilen und interessant zu fahrenden Wegen geht's auf eine Anhöhe, wo man einen tollen
Blick auf Armenis hat, ein Dorf, wo wir bestimmt schon zehnmal in den vergangenen Jahren durchgebraust sind, aber nie diese Aussicht hatten. Steffen macht ein Team-Foto von uns.
Beim Weg zurück fahren die KTM-Jungs schon mal vornweg, während Silvio und ich ganz gebannt Steffen bewundern, wie er ein ca. 400m langes Wheelie hinlegt, ohne dabei schneller zu werden.
Dabei verliert seine 520er EXC einen kräftigen Strahl Benzin auf die Kette, keine Ahnung, wo das herkommt. Als der Grat mit der glatten Wiese und damit auch das Wheelie zuende ist, schauen wir
uns um und finden unsere Jungs nicht mehr. Keiner von uns hat auf den Rest des Teams geachtet, die dem Guide gefolgt sind, und so haben wir sie verloren. ;-) Es dauert ca. 5 Minuten, bis diese den
Verlust bemerken und zurück kommen, damit wir ihnen wieder folgen können. Wir fahren von dem Berg eine Wiese runter, die so steil ist, daß ich dachte, das sei unmöglich, dort runter zu kommen,
aber es geht problemlos, wenn man weiß, wie. Wir fransen uns irgendwie weiter und landen letztendlich am Kontrollpunkt Submargine Top, einem der schönsten Punkte der Enduromania, wenn
ich das nicht bereits irgendwo vorher sagte. ;-)
Hier rasten wir und machen
Lunch, packen unsere mitgebrachten Butterstullen aus und speisen fürstlich. Während wir die Aussicht genießen, entdecken wir das zunehmen schlechte Wetter rund um den Tarcu und mittlerweile auch im
Tal und auf dem Grat, wo wir saßen. Nach wenigen Minuten beginnt es zu regnen, hört aber nach einer Viertelstunde wieder auf. Man kann zusehen, wie das Regengebiet abzieht und blauestem Himmel mit
Sonnenschein Platz macht.
Die Regensachen landen nach
kurzer Benutzung wieder im Gepäck. Wir versuchen, in das Plopu-Tal runterzukommen, scheitern aber kurz vor Ende an einem heftigen Erdrutsch. Man könnte die Moppeds dran vorbei seilen, aber das wäre zuviel
Mühe mit den sechs Kisten und würde uns zulange aufhalten, daher fahren wir wieder zurück, den Berg rauf.
Oben angekommen ändern wir erneut die Strategie, denn das Wetter am Tarcu ist sichtbar
schlecht, der Berg hüllt sich in Wolken, die auch bestimmt Regen mit sich bringen, und ohne Aussicht lohnt sich der mühsame Aufstieg unseres Erachtens nicht. So disponieren wir also um und
Stephen führt uns über erneut unbekannte Wege wieder in's Tal herunter. Wir tanken erneut, rasten für eine Cola am Hotel Silvia in Slatina Timis und kreuzen die E70 bis zur Schotterstraße nach Golet. Dort
angekommen fahren wir auf kleinen und kleinsten Wegen nach Westen den Berg rauf. Mittendrin versammelt Stephen uns und warnt uns vor den dicken Steinen, an denen wir uns nicht den Motor aufschlagen sollen.
Nacheinander fahren wir in die Sektion und kommen an eine
Stelle, an der der Weg in Stufen über eine wahre Gesteinstreppe führt, er sieht unfahrbar aus, aber mit ein wenig Hilfe und Bastelei gelingt es allen, das Hindernis zu überwinden.
Es erfordert schon einiges Geschick, dort überhaupt
durchzukommen und ich würge die Kickstarter-XR einmal mittendrin ab, aber bekomme sie gut wieder an und kann die Passage ohne fremde Hilfe beenden. ;-)
Wir hangeln uns von Hügel zu Hügel, immer auf Hochwiesen mit prächtiger Aussicht bleibend, eine echte Freude. Später fahren wir steile Abstiege über griffige Wiesenböden, durchqueren Bäche,
schrauben uns wieder über lange Waldanstiege nach oben, einfach genial. Stephen kennt Stellen und Wege, die wir sonst nie gefunden hätten. Ich verliere völlig die Orientierung und genieße es, einfach
mal nur hinterherzufahren und nicht verantwortlich zu sein für die Navigation. Zwischendurch gelangen wir an Stellen, wo ich schon mal war, aber wir verlassen sie meist wieder schnell, da an folgenden
Abzweigungen anders abgebogen wird.
Wir gelangen an eine Stelle, die Stephen als "Every Man for Himself" Route ankündigt. Eine längere
steile Steigung im Wald, die so steil ist, daß man dort nicht vernünftig helfen kann. Entweder man schafft sie in einem Zug, oder man scheitert unterwegs und muß umdrehen und sie noch mal von vorn
angehen. Jedenfalls ist das Anfahren im Berg quasi unmöglich, da er einfach zu steil ist. Wir fahren nacheinander ohne Probleme hoch und haben eine Menge Spaß, da wir jetzt ja alle vernünftige Reifen
drauf haben, gibt's auch genug Grip. Die kleine XR400 fährt wie eine Zahnradbahn da hoch, die Reifen greifen gut in den saftigen Waldboden und es macht wirklich Spaß, so schwierige Stellen zu
meistern. Auch die Jungs haben keine Probleme und kommen locker oben an.
Zum Schluß ruft Stephen uns zusammen und fragt, ob wir nun flott nach Brebu zurück wollen oder nochmal eine nette Abfahrt verbunden mit einer anschließenden schwierigen
Steigung machen wollen. Wir entscheiden uns für die zweite Variante und fahren runter nach Zloaba. Dort angekommen fahren wir ein Stückchen einen Weg hoch, der anschließend in einer heftigen Auswaschung
endet, die wir mit Hilfe von Stephen auch der Reihe nach meistern, es werden fleißig Videos gedreht und Bilder gemacht. Weiter oben folgen wir für einige hundert Meter einem Fluß und
biegen dann in eine lange und steile Waldauffahrt ab, die oben auf der Hochwiese hinter dem Dorf Brebu Nou endet, so daß wir schon fast wieder angekommen sind. Beim lockeren Cruisen über die
Wiese finden wir einen Kleinlaster, schwer beladen mit Holz, der sich in einem kleinen Schlammloch festgefahren hat. Wir steigen alle ab und schieben ihn kurz an, worauf die Einheimischen sehr dankbar
sind und wir ein Bier in der Bar von Garana gut haben. ;-) Wir fahren weiter und erreichen nach wenigen Minuten die Schule, wo wir erstmal das übliche Tour-Abschlußbier trinken.
Anschließend beginnt das normale Vorabendprogramm: Mopped-Service, Öl
nachschauen (die XR400 hat einen halben Liter Öl gefressen, das wäre recht viel. Muß ich mal beobachten), Kette spannen (wieder zwei Kerben auf dem Exenter, seit heute kann ich sie
auch ein wenig abheben am Kettenrad, hoffentlich hält sich noch die Woche), alle Hebel ein wenig ölen, die KTMs haben schon 20 Betriebsstunden und müssen einen Ölwechsel haben (der eigentlich
alle 15 Stunden fällig ist)… Die dreckigen Klamotten wollen ausgezogen und die geschundenen Knochen geduscht werden. So gegen acht Uhr sind wir alle fertig, alle Beruhigungsanrufe zuhause sind gemacht und wir
trollen uns zum Abendessen in die Schule, wo es erstmal ein leckeres Abschlußbierchen mit den Tourguides gibt.
Beim Überqueren der Straße bemerken wir den tollen feuerroten Sonnenuntergang und schauen ihn uns fasziniert an. Auf der Campingwiese steht Reinhard, der mit seiner Querschnittlähmung ein
modifiziertes Yamaha Sportquad mit elektromagnetischem Antrieb für den Schalthebel fährt, und wir quatschen ein wenig mit ihm. Er ist mit Ottmar Königsdorfer (ebenfalls querschnittgelähmt) und einem
Bruder da, alle mit schnellen Sport-Quads unterwegs, und zwar so schnell, daß der zweite schottische Guide Dougie McLean seine Schwierigkeiten hat, dranzubleiben. Dougie ist als sehr guter Fahrer
bekannt, fährt eine EXC450 und war bei der letzten Ausgabe des RedBull Romaniacs Events für die Streckenführung verantwortlich, die er in monatelanger Kleinarbeit und nach tausenden
Offroad-Kilometern bestimmt hat. Die Quad-Jungs sind also recht stramm unterwegs, Respekt!
Der restliche Abend vergeht mit dem üblichen Programm: Bilder und Fotos herunterladen und anschauen, Tracks sichern und der Besprechung das Erlebte und
der Planung für das Kommende. Morgen wollen wir mit Steffen Ahlbrecht einen entspannten Enduro-Tag verbringen, die geplante Route kombiniert sich aus seiner ContiRomania Trophy Route und einigen Elementen, die
wir kennen. Schauen wir mal, was draus wird. |