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Mittwoch, 30.9.2006
Wittmann by Car
Wieder regnet es Katzen und
Hunde. Ich wache mehrfach auf und drehe mich wieder um. So gegen elf Uhr kommt mehr Leben in die Bude und ich mache mich widerwillig in die Klamotten und wir starten das gemeinsame Frühstück, was wie immer bei
Mistwetter etwas ausgedehnt wird. Nachdem wir wirklich nicht mehr "papp" sagen können, trollen wir uns ein wenig raus in den Hof und beginnen, ein wenig an den Kisten zu schrauben. Bei
Walters KTM ist das Rücklicht komplett defekt (Bremslicht und Standlicht) genau wie bei der Honda von Sergio und Silvio. Bei seiner XR600 ist auch das vordere
Licht komplett ausgefallen. So nach und nach beheben wir alle Defekte, meist sind nur Birnchen kaputt oder irgendwelche kleineren Masseprobleme zu beheben. Bei allen Kisten außer bei meiner
Africa Twin müssen die Motoren angeworfen werden, damit man das Licht ausprobieren kann, womit wir bei meinem Hauptproblem von heute wären: ;-)
Mit der XR400 werde ich ja in der zweiten Woche fahren, wenn Doro nicht mehr da ist, so daß ich unbedingt üben muß, den Hobel auch selbst anzuschmeißen, denn sie hat keinen E-Starter. Dazu muß
der Choke genau in der richtigen von drei Stellungen stehen (kalt, mittel, warm) und mit Deko-Hebel der obere Totpunkt des Zylinders gesucht werden. Dann gibt man einen kurzen Gasstoß (aber auch
nur einmal, sonst säuft dir Fuhre ab) und dann wird der kleine Einzylinder mit einem beherzten Tritt auf dem Kickstarter angeworfen. So sollte das im Idealfall sein. Silvio demoralisiert mich erst ein wenig,
als er die Kiste nach wenigen Tritten anbekommt, wo ich erstmal gescheitert bin. Ich schaue aber einige Tricks ab (z.B. nach einigen vergeblichen Versuchen das Durchdrehen mit gezogenem
Deko-Hebel, um den Brennraum leerzupumpen). Nach verschiedenen Versuchen ist mir das auch
dann irgendwann gelungen, wobei sie mir dann einige Male ausgegangen ist, weil ich nicht rechtzeitig den Choke wieder zurückgeschoben habe. Ich beschließe, sie solange immer wieder
anzukicken, bis ich das wirklich raus habe und sie dann erst dann ausgeht, wenn ich das will. ;-) Ich fahre eine kleine Runde im Hof und lehne sie wieder an die Wand, lasse sie ein wenig tuckern
und stelle sie dann ab, stolz wie Oskar. Eigentlich wollte ich nie ein Kickstartermopped fahren und habe auch immer kräftig drüber abgelästert, wenn Teamgefährten so was besaßen und damit ihre
Schwierigkeiten hatten, tja und jetzt habe ich selbst so eins. Ich muß mir unbedingt angewöhnen, damit richtig umzugehen und bin gespannt, wie mir das so gelingt. Der erste Tag
wird sicherlich hart werden. Schauen wir mal. Die Oma von Mia schaut uns bei unserem Treiben zu und denkt sich vermutlich ihren Teil zu den Bekloppten, die extra den weiten Weg fahren, um
dann bei Regenwetter im Dreck rumzufahren. ;-)
Nach ca. einer Stunde ist das gemeinsame Schrauben vorbei und wir sitzen wieder in der Küche und
überlegen, was wir mit dem angefangenen Tag machen sollen. Eine Option ist, nach Baile Herculane zu fahren, um dort die öffentlichen Thermalquellen zu besuchen, was ich vor Jahren schon mal
gemacht habe. Aber da bei einigen weiblichen Team-Mitgliedern keine Badeklamotten vorhanden sind (wir wollen keine Namen nennen, hehe) wird der Vorschlag verworfen. Wir beschließen, im
Geländewagen zu Wittmann's Hütte nach Rusca zu fahren, da wir das ja schon vor einigen Tagen mit den Moppeds vor hatten, aber wegen des schlechten Wetters abgebrochen haben. Silvio setzt sich
von uns ab, um den Nachmittag mit Joanna aus dem Dorf zu verbringen, so daß auf der Rückbank von Walters Mercedes richtig Platz ist. ;-) In flotter Fahrt geht's nach Rusca, wo wir auf dem Weg
dorthin an der Tankstelle in Slatina Timis einige RangeRover und den Cherokee von Ian Buss sichten, der gerade mit seinem Team die Fahrzeuge für die ContiRomania Veranstaltung fertigmacht, die
morgen starten soll. Unser Freund Steffen ist heute bei dem Mistwetter mit der KTM unterwegs, um Wege zu finden, die dann in den nächsten zwei Tagen mit den Conti-Leuten gefahren werden können,
ohne daß die RangeRovers absaufen. Er war wohl ziemlich am Fluchen, daß er los muß, aber das ist das Business. ;-). Der Regen ist seit Tagen sehr heftig und die Wege sind oft sehr verschlammt und die
Spurrillen alle voll Wasser, die Fahrzeuge haben keine Winde und bleiben schnell stecken bei den Verhältnissen. Wir wünschen den Jungs viel Glück und eine gute Veranstaltung und machen uns dann wieder auf die Piste.
Bei Rusca geht's links in das Tal
hoch und an der Brücke über den Fluß entscheiden wir uns für den linken, kleineren und geschotterten Weg, da er eine bessere Aussicht auf die Staumauer bietet. Oben an der Baustelle besichtigen wir im
dicken Regen kurz die Baustelle und treffen einige Bauarbeiter, die dort in ärmlichsten Verhältnissen in einer kleinen Wellblechhütte hausen und das Ende des Regens abwarten. Sie warnen uns, daß
man auf der Straße nicht weiterfahren könne, aber wir wollen das erstmal selbst ausprobieren. Naja, etwas weiter oben ist dann Ende der Straße, da steht
schweres Baugerät im Weg und es wird ein ca. 100m langes Stück an einem Steilabhang frisch betoniert. Also drehen wir um und fahren den kompletten Weg wieder zurück, um unten den Fluß zu
überqueren und auf der anderen Seite die Betonstraße hochzufahren. Weiter hinten überqueren wir die Furt und fahren zur Hütte hoch und werden von Evelyn Wittmann begrüßt.
Da es schon 16 Uhr ist und wir bald in Turnu
Abendessen haben werden, bestellen wir uns nur einen Kaffee und unterhalten uns angeregt, bringen uns bezüglich der Familienverhältnisse auf Stand und quatschen über dies und das. Wir haben das
Gerücht gehört, daß es demnächst wieder eine Enduromania Veranstaltung bei den Wittmanns geben soll, und Evelyn verneint zumindest nicht. ;-) Immerhin ist dort dieses Jahr wieder ein
offizieller Kontrollpunkt, die schwelenden Differenzen zwischen Sergio und den Wittmanns scheinen also ausgeräumt zu sein. Währenddessen regnet es ununterbrochen weiter, die umliegenden
Berge haben sich in dichte Wolken gehüllt und die tolle Aussicht von der Terrasse ist nicht wirklich zu genießen, aber wir schauen den Katzen- und Hundewelpen beim Spielen zu und genießen die
unschuldige Anhänglichkeit der jungen Tiere, auch wenn sie einen recht stechenden Geruch in Doros Pullover hinterlassen. ;-)
Nach einer halben Stunde verabschieden wir uns und treffen beim Abschied noch kurz H. Wittmann jr., der gerade eine Behandlung beendet hat und uns noch alles Gute wünscht. Er ist Heilpraktiker,
praktiziert in Deutschland und ist wie jedes Jahr im Sommer bei seinem Vater in Rumänien auf dem Anwesen in Urlaub und hat auch im Urlaub immer wieder mal eine Behandlung, wo er Mitmenschen
hilft. Er hatte auch Anke mal geholfen, als sie einige Jahre vorher ein Problem am Knie hatte und er dann mit einer halbstündigen Akupunkturbehandlung die Beschwerden vollständig entfernt hatte. Wie
immer zieht mich seine Ausstrahlung in den Bann, er ist ein außergewöhnlicher Mensch, das steht mal fest.
Der Rückweg verläuft unspektakulär und wir kommen in strömendem Regen pünktlich um sechs Uhr
spätnachmittags wieder bei den Jigorias an, wo es dann auch prompt Abendessen gibt. Der Regen gibt sich keine Blöße, es schüttet in einem durch, es ist einfach unglaublich. Manchmal wird er so
stark, daß im Innenhof der Boden komplett mit Wasser bedeckt ist, da der viele Regen nicht schnell genug durch den Kies absickern kann. Beim Gedanken daran, was das Wasser an Zerstörungen in
der Natur anrichtet und wie die Bodenverhältnisse auf unseren Tracks in den folgenden Tagen aussehen werden, wird mir ganz anders. Mit einem mulmigen Gefühl denken wir an die folgenden
Tage, wobei es ja ab morgen besser werden soll mit dem Wetter.
Der Abend vergeht mit einigen Videos, die wir mitgebracht haben und dem alltäglichen Schreiben des
Berichtes hier. Da ich noch nicht richtig müde bin, arbeite ich noch einige Stellen der vergangenen Tage nach. So gegen halb eins kommt Silvio auf einmal schlaftrunken an, er hat Durchfall und ist froh,
daß er aufgewacht ist. ;-)) Gemeinsam sitzen wir nachher noch zusammen und fummeln was an den Notebooks rum, bis wir endlich hundemüde in die Betten fallen. |