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Mittwoch, 6.9.2006
Teregova Discovery
Heute wollen wir nach den Strapazen der vergangenen Tage eine relaxte Runde drehen und vor allem ausschlafen. So gegen 9 Uhr ist soviel Leben in der Bude, daß an Schlaf nicht mehr zu
denken ist und ich stehe dann also doch mal auf. Nach dem Frühstück startet der Moppedservice und wir lassen uns alle Zeit der Welt. Das Wetter ist jedoch einfach wunderschön (blauester
Himmel) und ich überlege allen Ernstes, einfach einen Tag am See zu liegen. Aber wir sind dann ja doch letztendlich wegen des Moppedfahrens hier und wir beschließen, eine lockere Runde zu drehen.
Sergio fängt uns allerdings ab und fragt danach, ob wir mal sein neues Haus ansehen wollen, daß derzeit noch im Bau ist und nächstes Jahr fertig werden soll. Wir gehen gern hin und Frank, der
von Beruf Bauingenieur ist, stellt direkt gravierende statische Mängel fest, die dazu geführt hätten, daß im Winter bei Schneelast das Dach sicher eingestürzt wäre. Eine kostengünstige Lösung ist jedoch
schnell bei der Hand und so ist die Geschichte nochmal glimpflich ausgegangen. Wir sind begeistert über das, was da entsteht. Ca. 20 Gästebetten, zwei Wohnungen (eine für Michi und Vali, die
Betreuer des Anwesens und eine für Sergio selbst), ein Gesellschaftsraum, eine Großküche, ein Sanitärbereich mit sechs Duschen und verschiedenen WCs, eine große Sonnenterrasse, oben noch
weitere Zimmer und ein Seminarraum, eine tolle Geschichte. Das Grundstück dahinter ist riesengroß und das Ganze wird mal ein perfektes Enduromania Basislager werden und die Schule vollständig ersetzen können.
Über die Bau-Begehung ist es dann doch ein Uhr geworden und
wir wollen nun mal endlich in die Pötte kommen. Wir packen uns auf die Moppeds und fahren erstmal die schöne Waldauffahrt nach Poiana Radcoasa hoch, die wir früher in der Woche schon
mal gefahren sind. Diesmal klappt es ohne Probleme. ;-)
Wir fahren zum Kontrollpunkt und nach einer kurzen Rast folgen wir einer Discovery-Route nach Südwesten und gelangen auf eine
ziemlich steile und unbenutzte Abfahrt, die immer dichter zugewachsen ist und wo wir nicht wissen, wo sie endet. Es geht aber immer weiter und auf einmal brechen wir durch ein Dickicht auf einen Holzplatz mit einer
freundlichen kleinen Hütte und einer darunterliegenden breiten Forststraße. Wir folgen ihr immer weiter und landen nach endlosen 12 Kilometern in Mehadica,
genau dort, wo wir auch hinwollten. Wir fahren in's Zentrum zum Gemischtwarenladen und kaufen uns Räucherwurst und Eis und machen erstmal mit den mitgebrachten Stullenpaketen ein fettes Lunch im
Schatten auf den Treppen gegenüber und schauen uns dabei das Dorftreiben an. Wir verschenken an einige Dorfkinder die mitgebrachten Plüschtiere und ernten große Augen, viel Dankbarkeit und
Kinderlächeln. Das ist das schönste, wenn man sieht, wie man diesen armen rumänischen Kindern eine Freude machen konnte. Mit dem Herzen der Kinder erobert man auch die Herzen der Eltern, das steht mal fest.
Wir haben nach dem Eis noch nicht genug und kaufen noch
welches, und auch dann wieder noch welches. ;-) Das Vierte verkneifen wir uns dann allerdings doch noch. ;-) Wir schwingen uns dickgefuttert wieder auf die Moppeds und brummen über die
mittlerweile geteerte Straße nach Luncavita, wo es eine Tankstelle gibt. Auf dem Weg dorthin überholen wir zwei hübsche Rumäninnen, die sich zu Fuß auf dem Weg zwischen den Dörfern befinden und ich frage Silvio
kurz, ob wir sie mitnehmen sollen, aber er hat Bedenken und deswegen machen wir das dann nicht. Wer weiß, was los ist, wenn die sich auf den Moppeds ohne Fußrasten hinten verletzen.
In Luncavita kommen wir direkt an der Container-Tankstelle aus
und stellen die Moppeds erstmal ab. Einen Tankwart sehen wir nicht, aber einen Bauern, der mit seinem Traktor und einem mit Heu beladenen Anhänger des Wegs kommt und bedeuten ihm, daß wir Sprit brauchen. Er ruft
einen der Straßenjungen herbei und schickt ihn, den Tankwart zu holen. Wir bedanken uns und warten kurz, bis eine Dame in Gummistiefeln (offensichtlich von der Feldarbeit weggeholt) auftaucht und uns die Tankstelle
aufschließt und in Betrieb nimmt. Wir betanken die Moppeds, bezahlen und bedanken uns und fahren anschließend auf der ebenfalls asphaltierten Straße nach Teregova weiter.
Hier angekommen wollen wir über die Kontrollpunkte Teregova Top und Armenis Top
nach Poiana Mare gelangen, um dann nach Brebu abzubiegen. Dummerweise folgen wir nicht einem vorgeladenen Track, sondern wir biegen "frei Schnautze" auf einen Bergweg in der richtigen Richtung ein, leider
ist das aber ein Hügel zu weit westlich. Wir fahren erstmal weiter, ohne das zu erkennen und genießen die tolle Aussicht auf das Dorf vom Hang aus. Die Sonne steht schon tief und wir
dürfen jetzt bei der Navigation keine Fehler machen, wenn wir nicht im Dunkeln ankommen wollen.
Wir treffen einen Schäfer, der uns den Weg weist und wir folgen dem Hinweis, allerdings biegen wir an einer Stelle rechts ab, statt uns links zu halten und gelangen
auf einen kleinen Weg, der steil nach unten in's Tal führt. Ich habe ein schlechtes Gefühl, daß das nicht der richtige Weg sein könnte und achte drauf, daß wir keine Passagen runterfahren, die wir nachher nicht mehr
hochkommen. Der Weg endet nach einer steilen Abfahrt über verschiedene Wiesen- und Waldpassagen an einem recht tiefen Fluß, geschätzt hüfttief und mit recht kräftiger Strömung und dicken Steinen. Wir beschließen,
daß wir so was nicht brauchen und drehen um.
Die Auffahrt klappt im wesentlichen problemlos, wenngleich hier meine kleine Nachmittags Pechsträhne beginnt. Ich war Frank zu dicht auf den Fersen, er fährt sich fest
und ich muß in einem steilen Stück auf einer Wiese hinter ihm anhalten. Das Dumme ist, daß man dann nicht mehr weiterkommt und wieder von unten starten muß. Das wäre ja kein Problem, wenn man nicht im
steilen Hang wenden müßte… ;-)
Es gelingt mir dennoch irgendwie und beim runterfahren, um wieder Anlauf zu nehmen, fahre ich bei langsamer Fahrt so dämlich vor einen hohen im Gras versteckten
Baumstumpf, daß das Mopped abrupt stehen bleibt, umfällt und ich auf der weichen und steil abfallenden Wiese drei Purzelbäume mache, ehe ich den Sturz abfangen kann. Ich klettere wieder zum Mopped hoch, stelle
sie auf (wie gut, daß ich nicht mit der Africa Twin hier bin) und starte sie wieder, so daß ich weiter runter, unten einen Bogen
und dann mit Schwung wieder in den Hang fahren kann, der nun problemlos hinter mir bleibt.
Oben haben die Jungs gewartet und es geht weiter, den Weg zurück in Richtung Dorf. Unterwegs treffen wir den Schäfer wieder, der mir offensichtlich lautstark erklärt,
daß wir nicht zurück fahren sollen, sondern nur an besagter Abzweigung links statt rechts fahren sollen, damit wir nach Trei Ape kommen (das ist der Name des Stausees bei Brebu). Die Jungs sind aber schon
vorgefahren und ich muß ihnen nachkommen, so daß ich seiner Bitte nicht entsprechen kann. Er scheint beleidigt zu sein deswegen, aber was soll ich machen? Ich kann ihm nicht erklären, daß
deswegen nicht seinen Hinweisen folge, weil ich den Jungs hinterher fahren muß und nicht weil ich seiner Wegbeschreibung nicht glaube. Ich versuche die peinliche Situation zu beenden, indem ich "la
rivedere" (auf Wiedersehen) sage und wegfahre, aber mir ist der Motor offensichtlich abgesoffen (Pechsträhne), jedenfalls springt er nicht mehr an. Passiert mir sonst nie. Während ich kicke und kicke
und kicke, redet der arme Schäfer auf rumänisch auf mich ein wie der Deuwel auf die arme Seele. Offensichtlich denkt er, ich vertraue ihm nicht, aber wir wollen einfach kein Risiko eingehen, so kurz
vor dem Einbruch der Dunkelheit. Endlich gelingt es mir, die Kiste anzukriegen und ich verabschiede mich mit vielen Dankes- und Verabschiedungsworten von ihm.
Noch in Sichtweite gerate ich, weil ich unkonzentiert bin, in ein blödes Schlammloch und
versinke mit einem Stiefel ziemlich tief darin, als ich mich versuche, abzustützen. Oh Mann, das auch noch. Zum Glück kippe ich nicht um und kann die Fahrt fortsetzen, aber die Hose ist ein
bißchen weiter eingesaut als vorher… Naja. Etwas weiter unten gibt es an einer staubigen Stelle zwei Möglichkeiten, weiterzukommen. Ich wähle den Weg, den die anderen nicht gewählt haben, damit ich weniger
Staub schlucken muß und fahre mich fast in einem neuen tiefen Schlammloch fest, was überhaupt nicht so schlimm aussah, als ich reingefahren bin. Irgendwie habe ich wohl gerade eine Pechsträhne. ;-) Von
diesen ganzen Eskapaden gibt’s leider keine Bilder, ich war mit Kämpfen beschäftigt und hatte keine Zeit und keine Lust zum Bildermachen. ;-)
Irgendwann gelangen wir glücklich im Dorf an und entscheiden uns nach kurzer Beratschlagung, die Forststraße direkt nach Brebu zu nehmen, da wir schon zehn nach sieben haben und um acht Uhr die
Sonne untergeht. Keine Experimente also.
Nach einer knappen Stunde sind
wir angekommen und fahren direkt zur Schule hoch zum Abendessen. Nach dem Abendprogramm (Tracks, Bilder etc, ist ja bekannt) schreibe ich noch für die letzten beiden Tage den Bericht, ich war ja einen Tag
im Rückstand. Gegen ein Uhr gehe ich noch zur Schule hoch, weil die rumänischen Küchenmädels mit einigen Jungs ein wenig Party machen, sich betrinken und dummes Zeugs quatschen. Es gibt Bier und Cola
mit Zitronenscheiben für die Mädels und mich, Zuika für die harten Jungs. Es dröhnt traditionelle rumänische Schlagermusik aus
dem PC, es wird rumgealbert und getrunken, und man will mich nicht mehr weglassen. Gegen drei Uhr springe ich nach drei vergeblichen Versuchen, durch die Tür zu entkommen, einfach aus dem
ebenerdigen Fenster raus, verabschiede mich und verschwinde in's Bett, denn morgen soll es zum Tarcu gehen und ich habe keine Lust auf einen verkaterten Tag. Vielleicht haben die Rumäninnen ja
recht, daß die Deutschen immer so ernst "serios" sind. Aber ich habe einfach zuviel Kopfschmerzen nach solchen Nächten gehabt, als daß es mir das wert sein sollte.
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