|
Donnerstag, 31.8.2006
Ruschita Paß by Car
Es regnet immer noch in Strömen. Langsam fängt das dann doch an zu nerven. Wir frühstücken spät, erst gegen 11 Uhr. Danach gehe ich erstmal ausgiebig duschen und dann packen wir uns in den Mercedes
und fahren mal wieder im Auto durch die Gegend, heute wieder mit Silvio. Wir wollen uns die Marmorsteinbrüche bei Ruschita anschauen. Wir gelangen auch
problemlos dorthin und fahren das Tal zum Ort Ruschita hinauf. Die Arbeiter-Ortschaft Rusca Montana sieht teilweise wirklich schlimm aus, wir haben selten so ärmliche Wohnverhältnisse gesehen
in Rumänien. Riesige dreckige Wohnblocks sind notdürftig geflickt und aus den Wohnungen ragen Kaminrohre aus den Wänden raus, die schwarz die Fassade zuqualmen. Auf den Balkons und auf der
Wiese davor stehen Wäscheleinen, auf denen bei strömendem Regen Wäsche aufgehängt ist, wir wissen nicht, wozu. Überall ist Bruch und Verwahrlosung.
Wir verlassen den Ort und kommen weiter oben immer wieder an Betrieben vorbei, die offensichtlich Marmor
verarbeiten, die einen sieben Kies in verschiedenen Qualitäten, in einem anderen werden aus den massiven Quaderblöcken große Scheiben geschnitten, in wieder anderen werden die Bruchstücke
weiter zerkleinert und aufbereitet. Die Maschinen sind teilweise sehr alt, teilweise auch topmodern.
Hinter dem nächsten, genau so ärmlich aussehenden Ort Ruschita wird die Straße schlechter und steiler und moderne vierachsige Volvo
Lastwagen fahren hier leer zum Steinbruch rauf und beladen wieder herunter. An der Hangseite entdecken wir einige kleine Stollen, die im Berg verschwinden und die nach ehemaligen Minen aussehen. Wir
verlassen die Straße zum Steinbruch und bleiben auf der Hauptstraße, die schmaler und schlechter wird und etwas weiter
oben nach links abzweigt, und zu einer reinen Forststraße wird (zumindest laut Beschriftung "Drum Forestier"). An dieser Ecke ist ein kleiner Rastplatz mit Tisch und zwei Bänken und hier beginnt der
Weg zum Ruschita Paß, der in den ersten Jahren der Enduromania zum Standardprogramm gehörte und dann irgendwann so stark durch Schmelzwasser beschädigt wurde, daß er wegen der massenhaft
umher liegenden heruntergespülten mannshohen Felsbrocken unfahrbar wurde. Ich war vor einigen Jahren mal mit Chris und einigen Quad-Fahrern aus Berlin hier, und wir haben dann irgendwann
umgedreht, weil nichts mehr ging.
Dieses Jahr scheint der Paß
wieder befahrbar zu sein, wir sind einige Meter zu Fuß hinaufgegangen und hatten keinen Grund zu der Annahme, daß der Paß nicht benutzbar wäre. Der Bach läuft wie damals mitten über den Weg und es ist abzusehen,
wann der Paß wieder zugeschüttet werden würde. Wir überlegen, ob wir hier noch mal mit den Moppeds vorbei schauen sollen. ;-)
Es regnet immer noch konstant und kräftig und wir gehen zum Auto zurück, um uns den
Steinbruch anzuschauen. Am Abzweig folgen wir einem der stetig hin und her fahrenden Volvo-Laster zum Steinbruch rauf. Der Anblick ist atemberaubend. Ein kompletter Berg wird hier Schicht für Schicht
in dicke Quader zerschnitten, die dann vorsichtig auf LKWs verladen und ins Tal gebracht werden.
Auf einer Plattform werden mit einem Elektrobagger, der an einem fünffach geflickten Kabel betrieben wird, die Brocken auf die Lastwagen verladen, während
daneben zu große Stücke mit elektrisch betriebenen Bandsägen zerschnitten werden.
Die Blöcke werden direkt als Quader aus dem Stein geschnitten, wir wissen noch nicht genau, wie das bewerkstelligt wird. Alle Abfall- und
Bruchstücke sowie aller Abraum wird in einer langen Serpentinenstrecke auf den gegenüberliegenden Berg gefahren und von ganz oben abgeschüttet, so daß der Berg quasi nach links abgetragen und
von rechts wieder aufgefüllt wird. Der Steinbruch wandert so durch das komplette Gebirge und der Berg wird vollständig ausgebeutet.
Trotz des Regens machen wir eine Menge Fotos und fahren dann wieder nach unten ins Tal.
Wir beschließen, Doro noch die
Staumauer des Stausees von Poiana Marului zu zeigen. Sie ist recht hoch und aus Steinen aufgeschüttet, sehenswert. Auf dem Weg dorthin passieren wir einige tiefe Wasserpfützen, die mit einer gewissen
Geschwindigkeit genommen eine recht beachtliche Wasserfontäne werfen. ;-) Oben angekommen machen wir einige Bilder vom See und fahren dann wieder herunter, weil das Tal dahinter eigentlich nicht besonders
sehenswert ist.
Auf dem Weg nach Hause fahren
wir noch in Caransebes vorbei, um das uns vom letzten Jahr bekannte Internet-Cafe zu besuchen, aber es hat geschlossen.
Wir haben wegen des Regens eigentlich keine Lust mehr, nach einer Alternative zu suchen und
fahren nach Turnu. Auf dem Weg haben wir auf einmal einen Schwertransport vor uns... Ich glaube nicht, daß die beiden Reifen nur 50kg wiegen (das maximal erlaubte Gewicht in Deutschland für Standard
Dachlasten). Und was der Lack von dem Auto wohl zu den Reifen sagen wird? Ach, ist vielleicht nicht so wichtig. ;-)
Nach dem Abendessen verbringen einige von uns den Abend mit Bilder kopieren und
GPS-Vorbereitungen, während andere sich mit verschiedenen Computerspielchen vergnügen. ;-) Später kommt Mia aus Brebu und mit zwei Freundinnen von ihr (Joana und Sorina) aus dem Dorf
verbringen wir einen lustigen Abend mit Kuchen, Eierlikör, Goldi-Cola und Frozzeleien in der Küche des Hauses. Nachts gegen 1:30 Uhr verschwinden die letzten beiden (Silvio und Mia) in ihren
jeweiligen Betten und ich mache mich wie jeden Abend ans Notebook, Bericht schreiben. ;-) Gegen zwei Uhr bin dann auch ich im Bett. Morgen soll, wenn's gutes Wetter ist, der zweite Enduro-Tag
steigen und Walter wird dann seine KTM fahren, da Doro morgen nach Hause fliegen wird und ich daher dann den ersten Tag auf Sergios XR400 verbringen werde. Ich bin sehr gespannt, wie das funktioniert.
|