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Freitag, 8.9.2006
Resita mit der Twin
Wir sind heute, am letzten
Fahrtag, sehr erschöpft, wir haben uns offensichtlich bisher eine Menge zugemutet und die Körper sind ausgelaugt. Das Wetter ist aber wieder wunderschön und wir können nicht einfach am See bleiben,
wenngleich mir das doch einige Male verlockend schien. ;-)
Die Jungs wollen nach Resita, in der City Pizza essen, wie wir das letztes Jahr gemacht haben. Der Rückweg soll auf Asphalt erfolgen und ich beschließe
spontan, die Twin noch mal auszuführen, als Abschiedstour sozusagen, denn mit diesem fetten Eisenschwein werde ich NIE mehr in's Gelände fahren, das habe ich mir geschworen. Wie ich das die bisherigen acht
Jahre zur Enduromania ausgehalten habe, ist mir nach der Woche mit der XR400 unerklärlich.
Ich mache die Twin morgens zu ihrem letzten Endurotag startklar, montiere das GPS, den
Tankrucksack, die ganzen vertrauten Dinge, auf die ich auf der XR verzichten mußte, und freue mich auf den Tag. Wir geben jetzt schon mal den Wertungszettel ab, damit wir nicht um 14 Uhr am
offiziellen Abgabetermin da sein müssen. An mehreren Tagen hatten wir den vergessen und eigentlich wollten wir ja keinen fertigmachen, aber das kann man Sergio und seiner Organisation eigentlich nicht
antun. Wir haben daher einfach alle Checkpoints, wo wir vorbeigefahren sind, angekreuzt. Wenn wir die anerkannt bekommen, um so besser, ansonsten ist es auch nicht schlimm. ;-)
Die ersten Kilometer mit der Twin werden eine üble Erfahrung.
Mal eben mit einem kurzen Gasstoß mit erhobenem Vorderrad über eine Bodenwelle oder durch eine Pfütze springen? Fehlanzeige. Flott und agil einer Spurrille folgen? Wie geht das denn? Man sieht durch die dicke
Verkleidung überhaupt nichts, was sich vor der Vorderrad abspielt. Durch einen Sturz in der ersten Woche ist die Verkleidung ca. 4cm nach rechts gewandert, weil der Verkleidungshalter verbogen ist. Dadurch wird das
sauber balancierte Geradeausfahren nicht einfacher. Zum Glück sind wenigstens ordentliche Reifen montiert (Mitas C02 StoneKing hinten und Pirelli Scorpion Professional vorn), so daß immer genug
Grip da ist, um mich zu retten.
Wir fahren durch den Wald in
Richtung Lindenfeld, biegen oben aber nicht hinab zum Dorf, sondern bleiben auf dem Grat und folgen dem Weg bis nach Talva Campului. Von hier aus geht's über die Waldstraße runter nach Secu und über die
Asphaltstraße hinab nach Resita, wo wir in der Stadt die Pizzeria aufsuchen und für umgerechnet 3,- Euro alle jeweils eine lecker belegte Pizza vertilgen.
Beim anschließendem Flanieren mit den Kisten durch die City begegnen wir Sergio, der sich freut, Enduromaniacs in Resita getroffen zu haben und er macht eine Menge Fotos von uns, wie wir vor der
Fußgängerzone posieren mit den verschlammten Kisten und Klamotten. Die Einheimischen müssen uns für vollkommen verrückt halten. Einige haben das auch mal getan, wir haben vor einigen Tagen
erfahren, daß die ersten Enduromaniacs für Goldsucher gehalten wurden, als sie mit komischen Geräten (GPS) in die Berge gefahren sind und dort sinnlos herumgurkten. Die verschreckten
Dorfbewohner wollten schon die Polizei verständigen, damit sie das heimische Gold beschützt.
Es ist sehr warm in der Stadt unten und wir drängen auf einen Abschied und fahren in Richtung Valiug auf der Asphaltstraße wieder in Richtung Brebu. In Valiug biegen wir rechts ab und
fahren die wenigen hundert Meter bis zum Stausee, wo wir rumänische Badekultur bewundern. Auf einer abgeteilten Terrasse mit wunderschönem Blick auf den ruhigen Stausee mit bewaldeten Ufern sind Liegen
dicht an dicht aufgestellt und es dröhnt rumänische Retorten-Disco Musik sehr laut aus aufgestellten dicken Lautsprechern auf der Terrasse. Wer findet so was denn Klasse? Wir
genießen die Absurdität der Situation und machen uns nach wenigen Minuten wieder auf die Kisten, um hoch nach Brebu zu gelangen.
Am Trei Ape See halten wir noch kurz und kaufen uns ein leckeres Eis, legen uns am Seeufer in's
Gras und philosophieren über Land, Leute und die Zukunft der Enduromania. Als das Eis aufgegessen ist, machen wir uns auf den Weg zur Unterkunft, waschen die Kisten und fangen mit dem Verladen an. Da die
Jungs sich alle um den Anhänger drängen und die Kisten festzurren wollen, kümmere ich mich darum, daß der Schuppen leer wird und die Werkzeug- und Materialkisten rund um den
Anhänger drapiert werden, damit sie eingeladen werden sollen. Ich bin völlig erschöpft und mir wird auch noch hundeelend, ich werde doch nicht am letzten Tag... Ich gehe eine Stunde schlafen und
werde von den Kollegen rechtzeitig geweckt, es geht mir nicht viel besser, aber die Siegerehrung ist Pflicht!
Wir machen uns fertig für die Abendfeier und gehen hoch zur Schule. Beim Abendessen (ich bekomme nur eine Kleinigkeit
herunter) verschlechtert sich das Wetter und es beginnt zu regnen, weswegen die Abschlußveranstaltung mit Siegerehrung im Speisesaal abgehalten wird. Wir sind froh, daß wir die Kisten bereits
verladen haben. Wir belegen einen tollen siebten von 16 Plätzen in der Teamwertung mit 57000 erreichten Punkten, und das, obwohl wir eigentlich gar
nicht mitmachen wollten. ;-) Nur wenige hundert Punkte mehr und wir wären auf Platz sechs gelandet, und dabei sind wir einfach nur so rumgefahren, wo wir Lust hatten, haben überhaupt nicht auf
geschickte Auswahl der Checkpoint-Routen geachtet, waren noch nicht mal an der Donau (bringt viele Punkte) und am Freitag haben wir ja nur gefaulenzt! Ein sehr gutes Ergebnis für uns, wir sind zufrieden.
Nach der Veranstaltung verabschieden wir uns flott und packen in der Wohnung unsere Sachen und gehen recht schnell in die Betten, nicht ohne nochmals vorher die Bilder kopiert und auf alle Rechner
verteilt zu haben, damit jeder alle hat. Ich habe schlimme Verdauungsprobleme und gehe sofort in's Bett, offensichtlich habe ich das Eis vom Seeufer nicht vertragen. |