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Freitag, 1.9.2006
Cuntu im Nebel
Heute soll es nun endlich wieder Moppedfahren sein, was uns besänftigt, denn das Wetter war endlich wieder besser angesagt. Um elf Uhr werde ich geweckt und
wir sind alle entrüstet, daß es tatsächlich trocken ist draußen. ;-) Hektisch machen wir uns fertig und treffen uns alle beim Frühstück. Doro fliegt heute nach Hause und wir verabschieden sie, sie wird von Mia zum
Flughafen gebracht, so daß wir den ganzen Tag Mopped fahren können. Gegen zwölf sind wir soweit und wir fahren los, diesmal bin ich mit der XR400 von Sergio unterwegs. Mir gelingt es, sie ohne abwürgen mit dem
ersten Kick anzukriegen und vom Hof zu fahren, nicht schlecht. Wir wollen von Dacias Hütte aus den Weg nach Poiana Marului finden, den wir vor einigen Jahren mal gefahren sind. Dort geht es sehr steil den Berg
runter zu einer Forststraße, die man dann einfach zum Stausee fahren kann. Wir kommen über die Serpentinenstrecke hoch und fahren erstmal in die Wolken. Es ist verdammt kalt, neblig und nieselt dabei. Nix mit schönem Wetter. Scheiße. Ich habe kaum
Sicht, die Crossbrille ist sofort beschlagen von innen und benetzt von außen, dazu beschlägt meine normale Brille, die ich unter der Crossbrille trage, es ist eine Katastrophe. Ohne Sicht kann
man nicht fahren und der Fahrtwind bringt keine Besserung. Naja, dann muß es eben ohne Sicht gehen. ;-) Es ist ziemlich kalt und alle anderen haben ihre Regensachen an.
Ich habe meine Regenjacke unten gelassen, ich habe keinen Platz dafür im Gepäck und um sie dauerhaft an zu haben, war sie mir zu warm. Letzten Endes war das die richtige Entscheidung, aber
ich habe leider für Regen keine vernünftige Lösung, mir fehlt der Stauraum des Tankrucksacks, den ich auf der Africa Twin immer dabei habe. Ich komme auch nicht vernünftig an meine Kamera. Ich
habe sie in einer Gürteltasche, aber darin ist erstmal die Kameratasche und darin die Kamera, so daß
ich nur schwer drankomme. Ich muß erst den Helm ausziehen, denn mit Helm kann ich nicht weit genug nach unten schauen, um die Gürteltasche zu öffnen. Dann Handschuhe aus, mit Handschuhen
kann ich die Kamera nicht bedienen. Dann die Gürteltasche lösen, öffnen, die Kameratasche lokalisieren, öffnen, Kamera raus, Objektivdeckel ab, Kamera einschalten, Display einschalten und
erst dann kann ich fotografieren. Das ist irgendwie Kacke, aber mir fällt keine bessere Lösung ohne Tankrucksack ein, wo die Kamera halbwegs geschützt ist. Eine Alternative wäre noch eine leichtere
und kleinere Kamera, die in eine Jackentasche paßt. Vielleicht sollte ich darüber mal nachdenken, denn die anderen Jungs haben so welche und sind damit erheblich besser dran. Ich werde mich mal
nach einer Canon Digital Ixus Kamera umschauen, sie hat ein Metallgehäuse und ist sehr schnell auf der Speicherkarte.
Wir suchen nach dem Einstieg und finden einen Weg, der in die richtige Richtung geht, aber nicht der Weg ist, den wir vor einigen
Jahren gefahren sind. Wir versuchen ihn trotzdem und fahren bei feuchtem Waldboden sehr steil abwärts. Mich überkommt ein mulmiges Gefühl, denn falls wir unten Probleme haben sollten, dann müssen wir
den ganzen Mist wieder rauf. Es wird immer steiler und von allen Seiten kommen Bäche auf unseren Weg. Der Weg wird immer mehr selbst zu einem Bach und irgendwie sind wir mehr in einem Sturzbach als in einem Weg.
Als es immer heftiger wird, stellen wir die Maschinen ab und gehen ein Stück weiter zu Fuß runter. Bei einer recht steilen Stelle rutsche ich ziemlich blöde auf einem Holzstamm aus und hole mir eine
ordentliche Prellung am linken Oberschenkel, verbunden mit einigen netten Abschürfungen. Zum Glück sind die Klamotten ganz geblieben. Wir gehen einige hundert Meter weiter runter und der Bach
wird immer wilder und vereinigt sich mit weiteren wilden Bächen. Wir beschließen schweren Herzens, umzudrehen, denn wenn wir den Bach noch dreihundert Meter weiterfahren, dann können wir nicht
mehr zurück, so steil und so reißend ist er.
Der Aufstieg über die steilen
feuchten Passagen wird zu einer Tortur und wir sind nachher oben völlig ausgepumpt. Zum Glück springt die kleine Honda von Sergio immer brav an und ist, wenn man sie überlegt ankickt, immer schnell zum Leben zu
erwecken, sogar mit eingelegtem Gang und gezogener Kupplung. Trotzdem kostet es jedesmal Kraft, die man in einem schlammigen Steilhang dann schlicht nicht hat. Das Hinterrad an der kleinen XR ist ziemlich
abgefahren und an einigen steileren Passagen müssen die Kollegen mit anpacken. Walter hat es noch etwas schwerer getroffen,
er hat noch Pirelli MT21 aufgezogen und trotz des recht guten Profils ist die Traktion bei nassem Untergrund gleich Null. Er wird ein steiles Stück mit dem Seil aufgezogen, ich war zum Glück lange
genug vorher oben und bin mit der Kamera zu Fuß wieder runter und habe tolle Bilder davon gemacht. ;-) Oben angekommen ist es schon drei Uhr, aber wir wollen den Tag nicht so beenden und
beschließen, noch eine nette Runde über Cuntu nach Varciorova zu drehen.
Der Anfang gelingt flüssig und Ruck Zuck sind wir die mittlerweile bekannte Strecke bis Cuntu durch den Wald gefahren, Dabei ist dauernd Nebel, leichter Nieselregen und gefühlte 10 Grad
oder weniger. Es ist sehr fröstelig und nur durch die Bewegung auf den Kisten wird uns ein wenig warm. Da wir den Weg am Montag schon mal gefahren sind, haben wir keine Probleme, den Abzweig auf Cuntu auch im
dichten Nebel zu finden und fahren die Geröllstrecke nach Varciorova herunter. Irgendwo auf einem gespurten Stück mißlingt Frank ein Spurwechsel, er fällt fast im Stand um und die Kiste
schlägt so blöde auf dem Boden ein, daß der Nippel am Kupplungs-Schlauch abbricht und die hydraulische Kupplung ausfällt. Das ist natürlich ein sehr lästiger Schaden, zumal wir vermutlich keinen
Ersatz finden werden und er auch einen zweiten Hydraulikschlauch nicht dabei hat. Wir können nix machen, satteln wieder auf und er fährt dann halt ohne Kupplung weiter.
Ohne weitere Zwischenfälle passieren wir einige Schafherden und Bergbewohner mit
Lastenpferden und kommen auf einmal unter die Wolkendecke, wo es gleich wärmer und angenehmer wird, wir haben sogar etwas Sicht und die Sachen können ein bißchen trocknen. In Varciorova angekommen ziehen
wir uns die Brillen wieder auf und weiter geht's in flotter Fahrt über die seit einigen Jahren sehr gut asphaltierte frühere Schotterstrecke zur E70. Bei Bolvasnita schauen wir uns die
Furt an, die nach Borlova führt und die wir schon oft gefahren sind (siehe Titelbild Enduromania Reisebericht 2000), aber dieses Jahr ist sie absolut unpassierbar, ein reißender Fluß, der das
Motorrad beim Versuch, ihn zu durchqueren, direkt wegreißen würde.
Wir fahren zur E70 und über Caransebes normal nach Hause, nicht ohne die Tanks wieder
aufzufüllen. Die Honda hat auf der Strecke nur 3,7 l Benzin gebraucht, unglaublich, wie sparsam sie ist.
In Turnu angekommen bitten wir Stefan, unseren Gastgeber, in einem der beiden Schlafräume den
Kamin anzuheizen, damit wir die Stiefel dort vor dem Feuer etwas getrocknet bekommen. Er bringt auch gleich ein mächtiges Feuer in Gang, nachdem seine Frau das Holz geholt hat. Arbeiten scheint
Frauensache zu sein in Rumänien, aber so wichtige Dinge wie Feuer machen, das macht der "Chefu" (Rumänisch für "Chef") selbst. ;-)
Walter reißt noch vor dem Duschen beide Laufräder raus und will unbedingt seinen
mitgebrachten Mitas C02 (Stone King) Hinterreifen montiert haben, den Frank auf seiner KTM und ich auf der Africa Twin habe und der sehr gut funktioniert. Es ist noch einer da und ich kaufe ihn Frank ab, damit
er auf der kleinen XR montiert werden kann.
Für Walters Vorderrad findet sich der Reservereifen, den ich für die Africa Twin mitgenommen habe, ein Pirelli Scorpion Pro, der im feuchten Gelände sehr gut
zu fahren ist. So haben wir drei Reifen zu wechseln und fahren damit nach Borlova, wo Fane sie gern für 5,- Euro pro Stück für uns montiert. Abends holen wir die drei fertig montierten Räder
noch in Borlova ab, aber weil es zu dunkel ist, lassen wir sie im Hof stehen und nehmen uns das Anbauen an die Kisten für morgen früh vor.
Wir haben die Idee, in Borlova nach einem Kupplungs-Schlauch
für Franks KTM zu fragen und treffen das Team von KTM Adventure an, die gerade ihre Kisten nach fünf Endurowochen auf einen großen Anhänger verladen. Man hat dort das passende Ersatzteil parat und will
es uns für 65,- Euro verkaufen. Wir haben kaum eine Wahl, aber es kommt uns doch etwas teuer vor. In Turnu angekommen belehrt uns ein Blick in den KTM Sommer Katalog, daß das Teil dort nur 29,- Euro kosten würde.
So macht man Geschäfte. Ich finde, das wirft kein gutes Licht auf die Firma KTM, wenn ihre Adventure Repräsentanten Kunden in Not derart abzocken. Naja, immer noch besser als keinen Schlauch zu haben.
Nach einer guten Stunde ist der
Schlauch montiert, befüllt und entlüftet, das entsprechend erforderliche Set hatte sich Frank glücklicherweise besorgt und vorsorglich mitgenommen.
Mittlerweile ist es dunkel geworden und der restliche
Abend vergeht mit Planungen, Fotos kopieren und sichern, Tracks sichern und analysieren und natürlich mit Zuika und Bier. ;-) Morgen wollen wir früh aufstehen und packen, so daß wir nachmittags evtl. noch etwas
fahren können.
Ich werde mit Mia im Mercedes den großen Anhänger nach Brebu fahren, Silvio fährt seinen Bus,
während Walter und Frank über eine Offroad-Strecke nach Brebu fahren wollen. Die Pointe des Abends setzt die Nachricht, daß das Wetter am Dienstag wieder schlechter werden soll. Das wäre
natürlich echt ätzend, schauen wir mal, was sich dann so ergibt. Erstmal sind wir hundemüde und fallen in die Betten, nur ich nicht, denn ich schreibe noch den Bericht fertig. |