Rumänien 2005
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8.9.2005 Donnerstag, Donautour 2. Tag

Morgennebel über der BuchtDer Morgen beginnt und wir setzen uns erstmal an’s Frühstück auf die dunkle Terrasse. Der Morgennebel steht über dem Wasser und es ist etwas frisch, wir ziehen uns die warmen Sachen an, die wir mitgenommen haben. Die Sonne scheint und es verspricht, ein schöner Tag zu werden.







FrühstücksrundeImmerhin etwas, denn die Erfahrungen in der Unterkunft an der Mraconia-Bucht dieses Jahr sind nach dem Besitzerwechsel erheblich schlechter als letztes Jahr. Das Essen ist kalt und spärlich, die Zimmer sind eng, eins hat noch nichtmal ein Fenster, geduscht wird in gebückter Haltung unter einer Dachschräge über dem Klo in einem winzigen Dachraum. Dabei ist der Preis mit 20 Euro pro Person doppelt so teuer wie letztes Jahr.


Das Frühstück kommt erst nach Aufforderung, der Kaffee ist kalt, man könnte beliebig weitermachen… Alles in allem waren wir enttäuscht und werden dort nicht mehr übernachten.

Gebäude am Donau-UferAm nächsten Morgen fahren wir los und wollen nach Eibenthal, indem wir die Route über die alte Schmalspur-Eisenbahn wählen. Auf dem Weg dorthin fahren wir ein Stück am Donau-Ufer entlang und sehen dabei dieses schöne alte Gebäudedirekt am Ufer stehen, ob das mal eine Zollstation oder eine Kapelle war, keine Ahnung.






Ziegenherde auf der UferstraßeIn Rumänien kann es einem immer wieder passieren, daß man mitten auf einer Hauptstraße eine Tierherde antrifft, wo man dann wirklich aufpassen muß, daß man da nicht jemanden über den Haufen fährt. Diese Herde hier tauchte urplötzlich hinter einer Biegung auf, aber durch die vielen Ziegenköttel und die frischen Pinkelspuren auf der Straße waren wir vorgewarnt. ;-)





Aussicht Donau-aufwärts mit SchiffDie Donau ist hier durch das eiserne Tor aufgestaut und sieht aus wie ein riesiger großer See. Doch merkwürdigerweise sind hier kaum große Städte am Strom und es gibt so gut wie keinen Handel und Schiffahrt, jedenfalls absolut kein Vergleich mit dem Rhein beispielsweise, der ja ein viel kleinerer Strom ist. Daher ist auch ein Schiff wie auf dem Foto rechts ein sehr seltener Anblick.




Auf der Schmalspurbahn-Trasse nach EibenthalUm von der Donau nach Eibenthal zu gelangen, kann man zwei Wege wählen, wobei wir uns dieses Mal für die östlichere Variante auf der Trasse der alten Schmalspurbahn entscheiden. Nach Eibenthal rauf von der Donau aus muß man einige hundert Höhenmeter überwinden und es ist interessant zu beobachten, wie die Wegführung genau so ausgelegt ist, daß eine Eisenbahn den Höhenunterschied auch bewältigen kann, immer mit gleichbleibender Steigung. Hier halten wir kurz für einige Fotos.

Madonna am WegesrandAuf dem Weg zum Bergwerk hinter Eibenthal finden wir am Wegesrand diese Madonna. Die Scheiben des Glaskastens sind penibelst geputzt und gewienert, bestimmt die saubersten Scheiben des Dorfes. Dabei steht die Madonna direkt am Rand einer sehr staubigen Straße, die von den Lastern befahren wird, die zum Bergwerk fahren. Die Blumen auf dem Zäunchen sind alle frisch. Wir sind beeindruckt.




BergwerksbesichtigungHinter Eibenthal wollen wir uns das Bergwerk nochmal anschauen, wo wir bereits einige Male waren und dann versuchen, auf die Hochebene zu gelangen, um von dort dann weiter nach Bigar zu gelangen. Wir fahren durch Baja Noua und halten kurz an der Bewetterungsstation des Bergwerkes, was sich einige Kilometer hinter dem Dorf befindet. Wir bewundern die alten Maschinen und bestaunen die Technik, die dort noch in Betrieb ist. Überall zischt Luft raus und es ist ein Höllenlärm.

BewetterungsstationMit den beiden Mechanikerinnen, die dort die ordnungsgemäße Funktion der Maschinen überwachen, entspannt sich ein kurzes Gespräch, wobei sich rausstellt, daß 126 Kumpel unter Tage und 200 Kumpel insgesamt hier tätig sind. Der Schacht geht 800m unter die Erde und dann geht die Sole ca. 2km bis zum Flöz. Im Bild rechts ist die Bewetterungspumpe, der senkrechte silberne Apparat ist ein dicker großer Kolben, der Frischluft in das Bergwerk pumpt.

Ein alter DieselraumDie Kohle wird manuell abgebaut und in kleinen Loren von Hand geschoben. Wir fotografieren die unglaublichen Verhältnisse in der Bewetterungsstation und finden in einigen verfallenen hinteren Räumen alte Schiffsdiesel, die hier wohl früher gearbeitet haben. In dem würfelförmigen Behälter hinten rechts im Bild wurde der Diesel gebunkert, außen ist eine Skala in Litern angebracht, an der ein Schwimmer über eine Umlenkung einen Zeiger langwandern läßt, damit man den Inhalt kontrollieren kann.

Abgeschnittene AntriebswelleDer Diesel hatte einen Stromerzeuger angeschlossen, man sieht an der abgeschnittenen Antriebswelle die Fundamente für einen Generator sowie die dicken Anschlußkabel. Überall außen auf dem Gelände liegen dicke Elektromaschinen herum, mit denen dann die eigentlichen Kompressoren und Pumpen angetrieben wurden. Im Vordergrund steht noch ein zweiter modernerer Diesel mit Abgas-Turbolader, aber auch nicht mehr in Benutzung.


Akkuladestation für BerglampenIn einem Nachbarraum finden wir noch die Akkuladestation für die Lampen, die die Bergarbeiter an ihren Helmen getragen haben. Die Räume sind für uns eine Reise in die Vergangenheit und es ist mir eine besondere Freude, einige Wochen später mit einem 70-jährigen Bergmann in meiner Familie die vielen Fotos zu betrachten und seinen Erzählungen aus alten Tagen zu lauschen.




Bergwerk weiter obenEtwas weiter oben besuchen wir das Bergwerk selbst und schauen ein wenig zu, wie dort das Holz zur Abstützung der Flöze geschnitten wird, wie eine große Raupe instandgesetzt wird und wie die Arbeiter die Kohle mühsam in den kleinen Loren transportieren. Das Haupthaus mit dem Förderschacht hat ein kaputtes Dach, die Anlagen sind in einem erbarmungswürdigen Zustand. Man fragt sich, wie die Bergleute einer solchen Technik ihr Leben anvertrauen können. Unglaubliche Verhältnisse.

Beim Betrachten der Bilder muß man sich wirklich in Erinnerung rufen, daß das eine ganz normale Schachtanlage ist, die zum zeitpunkt, als die Bilder gemacht wurden, ganz normal im Betrieb war. So eine Anlage würde hierzulande sofort geschlossen.

Holzplatz am Bergwerk


Sägewerk


Raupeninstandsetzung


Förderschacht mit kaputtem Dach
Schachtanlage vor Förderkorb


Läuteanlage am Schacht


Förderhaus mit Winde (rechts hinten)


Kohlentransport in Loren


Alles schart sich um die Karte


Lagebesprechung ;-)Mit einigen netten Arbeitern diskutieren wir den weiteren Weg und einer erhält den Befehl seines Vorarbeiters, uns mit dem Dienstmotorrad zu führen, damit wir den richtigen Einstieg zum Bergdorf Bigar finden. Er ist überglücklich und fährt mit dem großen Zweitakter russischer Bauart vorne weg und wir wissen nicht, was mehr qualmt, der graue Staub seines Hinterrades oder der blaue Qualm aus dem Auspuff. ;-)



Rast auf dem Weg nach BigarNach kurzer Zeit kommen wir an dem Abzweig zwischen Baja Noua und Eibenthal an und er verabschiedet sich von uns. Wir fahren über einen angenehm zu fahrenden Höhenweg durch dichte Wälder und lichte Wiesen, machen ein wenig Pause auf der Höhe bei einigen Schafen.








twin mal wieder am BodenAuf dem Weg nach Bigar fahren wir lange Strecken durch dichte Wälder, wo trotz Sonnenwetter die Feuchtigkeit nicht richtig abtrocknen kann, so daß es immer ein wenig rutschig ist, was mir dann auch mal wieder zum Verhängnis wird. Zum Glück sind diese Umfaller wegen des niedrigen Tempos und des im allgemeinen weichen Untergrundes recht harmlos für Fahrer und Maschine. ;-)




Twin aufheben nur zu zweitZum Aufheben einer Twin muß man entweder sehr kräftig, oder ausgeruht sein, was ich aber beides nicht mehr bin. Deswegen lasse ich mir gern dabei helfen. ;-) 240 kg Lebendgewicht wollen gestemmt werden, und das bei rutschigem Boden. ;-)









Rast in BigarSchließlich gelangen wir nach Bigar. Hier trinken wir für wenige Cent im Dorfladen eine kühle Coke und haben dann die Qual der Wahl, denn es gibt zwei Schotterstraßen zur Donau runter, die auf der Karte genau gleich aussehen.









Wegweiser in BigarWir folgen einem Schild in Dorfmitte, das nach Ravensca zeigt.














Bäume über'm Weg im WaldLeider haben wir damit aber genau die schlechtere Straße erwischt, die schon nach einigen Kilometern kaum befahrbar wird, immer wieder sind Bäume über die Straße gestürzt, die wir mühsam einer nach dem anderen überqueren müssen.









Der nächste BaumImmer wieder ist der Weg zugewuchert oder verschüttet.















Und noch'n BaumZwischendurch überlegen wir uns, ob wir nicht doch umdrehen sollen, aber wir fahren weiter, weil wir schon soviele Hindernisse überwunden haben und die dann ja alle auf dem Rückweg nochmal bewältigen dürfen. ;-) Dazu kommt der ungute Gedanke, daß wir uns hier unten an der Donau verzetteln und die Stunden vergehen, wir aber noch die lange Strecke zurück in den Norden nach Brebu wollen. Die “Straße” wird immer heftiger. Woran das liegt, sollen wir bald erfahren.

Und ein weiterer Baum...Und wieder ein umgestürzter Baum. Irgendwann haben wir aufgehört, Bilder zu machen.














Umgestürzter junger BaumManche umgestürzten Bäume kann man auch einfach durch beherztes Durchfahren hinter sich lassen, aber das Plastik leidet dann doch jedesmal ein wenig, Kratzer sind da unvermeidbar. Andererseits, da sind schon so viele... da macht das auch nix mehr aus. ;-)








Rast nach der WaldpassageNach der Waldpassage wird der Weg etwas freier und wir hoffen auf ein baldiges Ende der Strapazen.













Donau schon in SichtEs ist sehr heiß und wir können die Donau schon sehen, zu der wir wieder zurück wollen, um dann etwas weiter westlich nach Ravensca zu fahren. Aber vorher müssen wir noch einige hundert Höhenmeter wieder runter auf Donau-Niveau gelangen.









GeröllpassageDas letzte Stück erweist sich als besonders schwierig, da hier bei einer mehrere hundert Meter langen Bergab-Passage der Regen wie ein Wildbach gewütet und die Straße völlig zerstört hat. Teilweise ist der Belag einen Meter tief ausgewaschen und man muß über kohlkopfgroße Wackersteine ”fahren”. Es sind echte Trial Passagen. Einige Passagen gehen nur mit Hilfestellung durch die Teamkollegen, zumal uns auch langsam die Kräfte schwinden. An Umdrehen ist nicht zu denken, wir MÜSSEN da durch.

Petra im GeröllPetra kämpft noch zusätzlich mit Ihrem Schiß vor bergabwärts Gefällen, wir sind irgendwann alle richtig fertig. Das sind die Momente, wo man wirklich an seine Grenzen kommt.











Twin nach Sturz geborgenZwischendurch liegen wir fast alle mal auf dem Bart wie ich hier, in diesem Fall, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte, die Karre festzuhalten, als sie nur beinahe umgefallen war und ich sie eigentlich hätte wieder hochdrücken können. Naja. ;-)









Walter bei einem GrabenHier ist Walter bei der Überquerung eines recht tief ausgewaschenen Grabens.














TeamworkIm Team wird jedem geholfen, so daß wir gemeinsam unten ankommen. Frank hat bei der Passage hier seine Kamera mit einem Stativ auf sein Mopped gebastelt und ein Video mitlaufen lassen, was echt witzig nachher anzusehen ist. Man merkt uns die Erschöpfung mittlerweile sehr an.


Wir basteln uns runter und unten haben wir alle Pudding in den Armen und sind heilfroh, daß wir da aus der Nummer raus sind.


Geschafft!Endlich haben wir es geschafft!

Wir fahren über Asphalt an der Donau nach Norden, tanken in Lubkovia (?) auf und suchen nun den Einstieg in die Schotterstraße nach Ravensca.










Polizei-Eskorte nach RavenscaWir finden einen netten Polizisten, der uns persönlich mit den Dienst-Dacia den Weg in das Naturschutz- Reservat zeigt. Wir bedanken uns höflich und fahren zügig bis nach Ravensca hoch, die Straße ist gerade neu gewalzt und daher sehr zügig befahrbar.









Rast in RavenscaNach einer kurzen Rast in Ravensca geht es weiter nach Norden und auf der fein geschotterten Piste nach Birz lasse ich Frank und Martin vorfahren, damit die mal ein wenig Gas geben können, denn das Tempo des Rest der Truppe ist nicht ganz so zügig wie das von ihnen.







Sturz nach RavenscaNach einigen Kilometern der Schreck: Eine KTM liegt hinter einer sanften Rechtskurve im Dreck und Frank daneben. Was war passiert?

Er war wohl etwas schnell hier und ist geradeaus in die Büsche abgeflogen. Dabei ist sein Handschützer vom Lenkerende abgerissen und der Bruch des Alu-Drehteils, welches als Klemmung im Lenker steckt, ist ziemlich scharfkantig und hat ihm eine tiefe Fleischwunde in den Ringfinger gerissen.

SturzstelleJungejunge, so was hat uns noch gefehlt. Wir verbinden die Wunde erst mal, nachdem wir sie mit Wasser aus den Trinkrucksack etwas gereinigt haben und legen ihn erst mal in eine Schocklage unter eine Rettungsdecke, da er kreidebleich aussieht, nachdem er begriffen hat, was ihm passiert war. Zum Glück kommt ein Einheimischer mit seinem Dacia des Wegs und wir kapern den Wagen und lassen Frank erst mal zum Dorfkrankenhaus in's 15km entfernte Bozovici bringen.

Krankenhaus in BozoviciAnke und ich fahren hinterher, um zu helfen und den Überblick zu behalten, während Petra und Walter sich um die Unterbringung von Franks KTM kümmern. Sie wird sicher bei einem nahen Bauern untergestellt und dann folgen sie uns in das Krankenhaus.








Bei der ambulanten OPHier stellen wir erleichtert fest, daß ein Sergio bekannter Arzt anwesend ist, der aber nicht über steriles Nähbesteck verfügt. Unglaublich, ein Krankenhaus, in dem es nix Steriles zum Nähen gibt! Zum Glück hat Petra alles dabei und wir schütten das vorhandene Equipment auf den Arzt-Tisch, wo er entzückt über das Material mit der Versorgung der Wunde beginnt. Vorher haben wir mit Sergio am Telefon geklärt, daß er nur steriles Einmal-Material verwendet und auch vorher die Stelle ordentlich betäubt und desinfiziert.

Frank lacht schon wiederIst schon bescheuert, wenn man sich mit dem Krankenhauspersonal nicht verständigen kann… Die Wunde wird mit 13 Stichen genäht und anschließend verbunden.

Wir lassen die medizinischen Verbrauchsmaterialien im Krankenhaus und verabschieden uns von dem netten Personal des Krankenhauses. Man wollte keinerlei Geld annehmen und wir sind nur mit Mühe ein Pfund Kaffee losgeworden.


Frank auf dem KrankentaxiWir verpacken Frank auf dem Soziussitz der Africa Twin und machen uns auf dem Heimweg. Für so einen Krankentransport ist natürlich eine schwerere Maschine ideal und wir beschließen selbstverständlich, jetzt Offroad-Strecken auszulassen und über Asphalt nach Hause zu fahren. Die Zeit ist schon fortgeschritten und wir werden selbst auf Asphalt noch mindestens zwei Stunden benötigen.



In Anina bricht die Dämmerung herein und wir halten an, um uns warme Sachen anzuziehen. Die Heizgriffe der Africa Twin erweisen sich als sehr komfortabel und mir tun die armen Teamgefährten leid, die frierend ohne Verkleidung und ohne Heizgriffen auf ihren Moppedchen sitzen und hoffen, daß wir bald zuhause sind. Es ist kalt und müde und wir sind mittlerweile hungrig, eine schlechte Kombination. Wir pushen uns nochmal mit einigen Müsliriegeln auf, die wir für solche Fälle dabei haben. Es wird schnell dunkel und wir fahren zügig, aber nicht zu schnell über die Landstraße nach Hause, denn ein Unfall wegen Übermüdung wäre jetzt das letzte, was wir brauchen können. In Resita wird noch mal flott getankt und einige Haribos eingeworfen und dann machen wir uns auf den Weg nach Brebu, wo wir nach zweieinhalb Stunden Asphaltballerei im Dunkeln und völlig durchfroren sehr spät eintreffen und erst mal alle warm essen. Die Krankenschwester kümmert sich noch mal kurz um Frank, aber alles sieht soweit gut aus und dann fallen wir nach diesem Abenteuer mal wieder hundemüde in die Betten. ;-)

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