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Es ist Donnerstag, 5.8. und Anke geht's nicht so gut, so daß sie
einen Tag aussetzen will. Eigentlich wollten wir heute zwei Tage mit Aurel, unserem rumänischen Führer vom letzten Jahr an die Donau fahren und dort übernachten, was wir vorher von Fane, einem der Führer hier
telefonisch haben abklären lassen. Doch zu unserer großen Überraschung versetzt Aurel uns, was wir beim Frühstücken von seinem rumänischen Kollegen erfahren, wo wir quasi in den letzten Zügen sind mit den
Vorbereitungen für die Tour.
Wir sind einigermaßen fassungslos und
beschließen kurzerhand, dann halt ohne Führer zu fahren. Nach einem kurzen Tankstopp geht's über die E70 nach Süden, wo wir bei Teregova nach Luncavita abbiegen, um dort zu tanken. Weiter
geht's über Mehadica und dann immer Richtung Südwesten bis wir bei Bozovici den Einstieg zur Schotterstraße nach Ravensca (links) finden. Den Weg nach Ravensca kann man schön zügig
brausen und wir haben eine Menge Spaß, bis wir dort sind. Von Ravensca gibt es einen direkten Weg nach Liubcova, den wir in einem der letzten Jahre von Süden aus nicht gefunden hatten und
weswegen wir eine Menge Zeit in den Wäldern südlich von Ravensca verbraten haben. Ich erinnere mich an die Enduromania, wo ich das
erste Mal hier war und wo wir nach mehreren vergeblichen Versuchen in Sackgassentälern von Süden endlich hier angekommen waren und es langsam dunkel wurde und wir dann spät in der Nacht in Borlova eingetrudelt sind.
Von Norden aus ist die Straße ganz einfach zu finden und wir
folgen ihr bis an die Donau. Rechts wartet Petra darauf, daß wir nachkommen, immer diese Fotografen, die halten den ganzen Fahrbetrieb auf. ;-)
An der Tankstelle, wo wir schon im Jahr 2000 den schlechten Sprit getankt hatten, füllen wir
unsere Tanks wieder auf, denn wir kennen keine Alternative weit und breit und die Tour ist noch lang. Wir wundern uns über die Tanksäule, die einfach nicht pumpen will und trotzdem Geräusche macht, als wenn sie
pumpen würde. Der Tankwart trampelt auf dem Schlauch rum und tritt gegen die Säule und brüllt immer nur "blokat, blokat". ;-) Irgendwann läuft sie auf einmal los und pumpt. ;-)
Weiter geht es die Donau entlang und wir finden einen Möbeltransport auf dem Dach
eines VW Golf, der wirklich sehenswert ist. Man beachte, daß der Golf auch mit vier Leuten besetzt war, wo einer hinten immer mit der Hand oben nachfühlte, ob die Möbel noch da waren. ;-)
Nach einigen Kilometern am Donauufer entlang finden wir
nach einem kurzen Irrweg den Abzweig, den wir dann in Richtung Westen bis nach Eibenthal folgen wollen. Hier ist ein Steinbruch der Strabag, wo wir von einem Security Mitarbeiter der Baustelle sehr
energisch angehalten werden. Wir erfahren, daß etwas weiter oben die Straße rauf in der nächsten Stunde eine Sprengung stattfinden soll.
Nachdem wir dem jungen und sehr eifrigen Sicherheits-Mann erzählt haben, daß wir bei der
Enduromania mitfahren, holt er alle möglichen Kollegen ran und man versucht uns von allen Seiten zu helfen und Tipps zu geben. Der Baustellenleiter ist Österreicher und wir können uns unterhalten. Vor der Sprengung
ist noch Zeit genug, den Steinbruch zu passieren, wir müssen nur versprechen, daß wir in den nächsten drei Stunden nicht wieder dort vorbeifahren. Also alles klar, wir dürfen passieren.
Etwas weiter den Weg entlang finden wir einen Abzweig vor der
nicht in der Karte steht, wo wir uns für den rechten Weg entscheiden, da dort der GPS-Pfeil hinzeigt. Die Steinbruch-Arbeiter sind der Meinung, daß es hier nicht weitergeht, deswegen fahren wir
mit einem etwas mulmigen Gefühl weiter...
Und so kam, was kommen
mußte: Nach zweihundert Metern ist Sackgasse und wir landen wir bei einer kleinen Mine, wo die Bergleute mit der Hand uranhaltiges Erz abbauen. In einem kleinen Stollen hören wir Geräusche von einem großen
Dieselmotor und sehen die Kopflampen der Bergleute, als sich dort langsam eine kleine Lok herausschiebt, die einige Kipploren, kaum größer als eine große Schubkarre, hinter sich her zieht.
Die Bergleute freuen sich über die willkommene Abwechslung und wir versuchen, uns zu
unterhalten, was aber wie schon so oft daran scheitert, daß wir keine gemeinsame Sprache finden. Die wichtigsten Eckdaten der Mine und der Lok werden in den Sand gemalt und so erfahren wir, daß der Stollen 2400m in
den Berg hineingeht und daß die Lok 7 Tonnen wiegt. Beim Ausfahren aus dem Tunnel wird die Weiche unmittelbar vor der Lok mit einem kräftigen Fußtritt eines Arbeiters in die richtige Position gedrückt.
Vor dem Tunneleingang haben die Bergleute einen kleinen
Feuerplatz, wo sie auf einem kleinen Feuer Kaffee kochen und auf einigen Baumstämmen um einen roh gebastelten Tisch sitzen können. Die Lebens- und Arbeitsumstände sind eigentlich ungeheuerlich. Und trotzdem
haben die Bergleute eine gute Laune und sind sehr freundlich und lustig miteinander und zu uns. Einer von ihnen fährt ein Minsk Motorrad und interessiert sich sehr für unsere Maschinen.
Nach einigen Minuten verabschieden wir uns und fahren den anderen Weg weiter rauf.
Nach kurzer Zeit kommen wir an einen anderen Mineneingang, wo wir aber keine Arbeiter finden. Der Platz sieht verlassen aus und die Gleise, die aus dem Stollen rauskommen, enden in zwei
einzelnen Eisensträngen, die ca. 5m über den Rand des unmittelbar am Stollen beginnenden Abgrunds herausragen und wo sich niemand vorstellen kann, wo die mal hingeführt haben mögen.
Wir gehen die ersten Meter herein und finden an den Wänden die wenigen Habseligkeiten der
Arbeiter an den Wänden und erleben ein wenig die Atmosphäre, unter denen hier gearbeitet wird. Es ist wirklich sehr beklemmend und unfaßbar für uns, die wir gepflegte und ordentliche Büro-Räumlichkeiten
gewohnt sind.
Der mit vierrädrigen
Kraftfahrzeugen befahrbare Weg endet eigentlich hier, aber es geht ein kleinerer Weg weiter, den wir entlang fahren und in einem Tal auf eine sehr steile Stelle treffen, wo es an einem tiefen Abgrund
entlang über eine Felstreppe recht steil hoch geht, und um das Maß voll zu machen, geht mitten in der Treppe auch noch ein dicker Knick linksrum, so daß man nicht einfach mit Anlauf hochbrausen kann.
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Wir beschließen, die Kisten einzeln über die Stelle zu fahren,
wobei die jeweils nicht fahrenden Mitstreiter Hilfestellung leisten sollen. Vorher lotsen wir Walter rüber, damit er nachschauen kann, ob es oben weitergeht. Das Ergebnis ist positiv und so gehen
wir die Unternehmung an. Die Africa Twin wird mit einem Seil gesichert, wobei das fast nicht erforderlich war, weil es auch so recht gut ging.
Aber für die Psychologie, die durch den wirklich recht steilen Abgrund direkt daneben doch sehr stark blockierte, war das
schon wichtig. Hier wuchten wir mit vereinten Kräften Petras Suzi die Stufen hoch.
Nachdem wir diese Stelle geschafft hatten, ging es weiter auf eine Wiese, wo wir ein Schäferpaar finden, welches uns mitteilt, daß etwas weiter oben ein guter Weg (drum bun) nach Eibenthal geht.
Und in der Tat finden wir den Weg nach kurzer Zeit und kommen vom Grat runter auf eine große Schotterstraße, die ich als Zufahrt zu einer größeren Mine wiedererkenne, wo wir vor einigen Jahren
schon mal waren. Die Mine müssen wir besuchen und so fahren hin.
Es scheint gerade Feierabend zu
sein und nach wenigen Minuten sind eine Menge Bergarbeiter um unsere Motorräder versammelt, Wir finden jemanden, der etwas deutsch versteht und tauschen die üblichen, immer wieder gefragten Informationen über unsere
Motorräder aus (Höchstgeschwindigkeit, Kaufpreis etc.;-))
Wir gehen ein wenig herum und machen eine Menge Fotos, die Zustände sind einfach unglaublich. Die Leute fahren hier 250m in den Berg hinab und schaffen das Uranerz mit ihren
Händen auf den Vorplatz. Hier werden die Loren einfach ausgekippt und dann kommt ein Radlader und belädt damit LKWs, die das Erz abtransportieren.
Auf dem gesamten Gelände herrscht eine große Unordnung, umgekippte Loren liegen herum und
wir stellen uns vor, was eine deutsche Berufsgenossenschaftsprüfung ergeben würde. ;-)
Das Foto oben ist nicht etwa von einem nicht mehr genutzten Teil der Mine, der Eingang hinter
dem Haufen im hinteren Teil des Bildes ist der Haupteingang, der Haufen ist das, was die Bergarbeiter aus der Mine rausholen. Das sieht da wirklich so aus. Unglaublich.
In dem gleichen Zustand ist auch der Aufzug, mit dem die in die Mine einfahren, wir haben uns den von innen mal angeschaut, links sieht man ein Bild von der Konstruktion. Damit fahren die Arbeiter
unter Tage dort. Leider ist das Bild durch die schlechten Lichtverhältnisse in der Halle etwas verwackelt, aber ich wollte es hier trotzdem zeigen.
Wir schwingen uns auf die Moppeds, verabschieden uns von den freundlichen Arbeitern und fahren nach Eibenthal los.
Nach kurzer Zeit passieren wir das Dorf und über die Schotterstraße geht es flott wieder zum Donautal herunter, wo wir schnell die Dubova Bucht erreichen, wo ich noch einige Fotos mache.
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Durch die Enge der Mraconia Bucht geht es am übergroßen
Steinbildnis des Königs Dragan vorbei noch einige hundert Meter weiter bis zum Anwesen des Kapitäns Dragan. Wir werden freundlich erwartet und in die Zimmer eingewiesen.
Wir ziehen uns Badeklamotten an und gehen erst mal in der Donau
Bucht schwimmen. Das Wasser ist herrlich erfrischend. Walter traut sich nicht, aber er macht dafür Fotos.
Nach dem Bad sitzen wir entspannt auf der Terrasse und erwarten das Abendessen. Es
gibt frisch gefangenen Fisch und dazu Polenta, als Vorspeise Kaviarcreme und frisches Brot. Der Fisch ist ein Genuß, nur nicht für Walter, denn er mag keinen Fisch, dumm gelaufen. ;-)
Der Fisch wird direkt vor unseren Augen von der Familie
des Kapitäns frisch aus der Donau geangelt. Den Köderfisch locken spezielle Netze mit eingesetzten Würmern und Larven an. Die Angeln werden dann mit aufgespießten Köderfischen eingeworfen und
dort beißen dann die Fische, auf die man es eigentlich abgesehen hat. Von den Köderfischen gibt’s viel zu viele und damit werden dann die kleinen Kätzchen des Kapitäns unterhalten, die damit
erst ein wenig rumspielen und sie dann genüßlich verspeisen.
Als Nachtisch gibt es Melonenscheiben, wir lassen die meisten für Walter, damit er sich daran wenigstens etwas satt essen konnte.
Währenddessen hatte der Kapitän unsere Moppeds in
Frischhaltefolie einpacken lassen, damit sie nicht naß werden. Ich mußte nochwas vom Mopped abbauen und da bemerkte ich das. Prima Service. ;-)
Abends gibt es dann noch nicht mal Bier, so daß Walter etwas frustriert in's Bett steigt. ;-) In der Nacht schnarcht er dann so wild, daß ich nicht mehr einschlafen kann. Ich verziehe mich auf den Gang
eine Etage höher auf ein Sofa, wo aber lautstark abgespielte Chansons von der anderen Seeseite herüberschallen. Zwischen Charles' Aznavour's "Natalie" und Frank Sinatras "My Way" schlafe ich
nach diesem ereignisreichen und wunderschönen Tag irgendwann ein. |