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Cuntu

Big Fahrtwind TeamAm Samstag 7.8. wollen wir eine lockere Einführungsrunde für die Neulinge fahren. Anke ist zum Glück wieder fit und kommt wieder mit.

Von einem anderen Team schließen sich spontan einige Mitstreiter unserer Gruppe an, so daß wir recht viele Fahrer im Team sind: Tom mit seiner KTM, Anton mit seiner gestrippten Transalp und der mir schon von früheren Enduromanias bekannte Peter Deuschl mit seiner wunderschönen Africa Twin Rallye Forte (eine RD04 Rallye Replica von African Queens mit vier separaten Tanks) gesellen sich zu uns. So fahren wir dann gemeinsam mit dreizehn Motorrädern zum Muntele Mic hoch. Die Auffahrt verläuft ohne besondere Unterbrechungen.

am Muntele Mic Gipfel ind en WolkenOben beginnt es ein wenig neblig zu werden, aber es ist kein Regenwetter, sondern nur ein wenig diesig, weil wir in den Wolken sind. Die Wolken reißen immer wieder auf und wir haben so ein schönes, manchmal etwas seltsames, unnatürliches Licht.

Wir besuchen zuerst (siehe links) den Gipfel des Muntele Mic...






Securitate-Ruine...dann die seit dem letzten Jahr eingestürzte Ruine des Securitate Störsenders und dann...














Muntele Mic Gipfelkreuz...das neue Gipfelkreuz, was in strahlendem Weiß als Stahlkonstruktion mittlerweile errichtet ist.

Dort treffen wir eine Gruppe Rumänen, die sich freuen, so viele Motorräder aus dem Nebel auftauchen zu sehen.
















Tom im Wald vor CuntuNach einem kurzen Schwatz auf englisch fahren wir wieder runter zum Abzweig, wo es nach Cuntu geht und beschließen, den Weg nach Cuntu zu probieren.

Die Steigungen im Wald sind ein wenig kniffelig und geröllig, da muß man mit Speed drüber. Ich ahne Probleme und versammle vorher das Team, um besonders den Anfängern ein wenig Tipps zu geben. Dann schicke ich sie einen nach dem anderen auf die Reise und alle kommen problemlos oben an. Klasse!

Wetterstation CuntuDie für Ungeübte durchaus schwierigen Steigungen im Wald werden erstaunlich problemlos von allen im Alleingang gemeistert und wir kommen wohlbehalten bei der Wetterstation an.

Links sieht man, wie das aussieht, wenn man als letzter aus dem Wald rauskommt, weil man mal wieder dauernd Fotos gemacht hat. ;-) Die Fahrer aus dem Team haben dann immer brav irgendwann auf mich gewartet.



Kaffepause vor CuntuHier wird erstmal Kaffee serviert und man versammelt sich um den Tisch, der da für Besucher auf dem Vorplatz steht. Rainer und Tom hatten Tatendurst und verschwinden kurz zum Tarcu. ;-)











Petra auf 'nem LasterPetra schlummert derweil ein wenig. ;-)















Steile PassagenNach einiger Zeit wird es uns etwas langweilig und wir beschließen, weiter nach Varciorova zu fahren und eine Nachricht zu hinterlassen. Da kommen sie auch schon wieder an und hatten den Tarcu im Schnelldurchlauf abgefrühstückt. Cool. Auf dem Weg abwärts nach Varciorova gibt es noch ab und zu einige Stürze, aber nix Dolles. Es war halt teilweise ein wenig ausgewaschen und geröllig.




Ein Schafhirte auf Peter TwinLinks im Bild seht ihr rechts neben Rainer auf seiner KTM einen Schafhirten auf der Twin von Peter. Er war ganz heiß drauf, dort mal drauf sitzen zu dürfen... ;-)

Zurück zum Terrain: Besonders Armin hatte mit Geröll berab so seine Probleme und sollte sie den kompletten Urlaub nicht wirklich loswerden, aber Dank seiner langen Beine war das nicht wirklich ein Hindernis, er fußelte sich dann halt so durch. ;-).


Deuschl's EinradzirkusMittlerweile dämmerte mir die Erkenntnis, daß es für eine Einführungstour vielleicht doch ein wenig zu heftig ist, aber es geht dann doch immer irgendwie weiter. Andere Teilnehmer hatten zwischendurch ihren Spaß, rechts seht ihr den Deuschlpeter mit seiner dicken Wuchtbrumme, wie er ein richtig schön ausbalanciertes Wheelie reißt. Cool.




Ortseinfahrt in VarciorovaIn Varciorova (links: Ortseinfahrt dort) haben wir die Wahl: Über offroad 3km nach Borlova oder 25km über Asphalt nach Hause. Eigentlich hatten wir den Kanal voll und der Bedarf an Offroad-Adventure war gedeckt, aber auf Asphalt hatten wir dann auch keine Lust, wir waren ja schließlich zum Geländefahren hier. ;-) Wir entscheiden uns also für die Offroad-Variante und sollen das dann noch ordentlich bereuen.



Peter mit seinem SchutzblechWir geraten ziemlich schnell hinter der Furt durch den Fluß bei Bolvasnita in einen klebrigen Schlick, der allen Reiseenduros das vordere Schutzblech so verklebt, daß an kein Fortkommen mehr zu denken war. Die Schutzbleche müssen abgebaut werden, damit man überhaupt weiterfahren kann. Mit blockiertem Vorderrad kann man nicht lenken, selbst wenn man Vortrieb hat, was wir aber auch nicht hatten. ;-)



Thomas beim WendenWir wühlen uns durch und besonders Thomas mit der BMW 1150 GS und die Africa Twins hatten Probleme. Thomas hat irgendwann entnervt aufgegeben und ist zurückgefahren, um durch eine Obstwiese parallel zum Weg weiterzukommen, was auch recht gut ging, aber eigentlich nicht so erwünscht ist, weil wir die Wiesen dann immer mehr zerpflügen und die Einheimischen dadurch Probleme mit ihren Fahrzeugen bekommen.

Der Meister am BodenSogar der Meister selbst muß mal zu Boden. Daß Peter mit der Rallye Forte überhaupt mit seinem abgefahrenen Karoo Reifen so weit durchkommt, ist nur seinem wirklich exzellenten Fahrkönnen zu verdanken. Ich hasse Schlamm und habe da massig Probleme (siehe unten). Nur mit vereinten Kräften gelingt es mir, die leichte Steigung hochzukommen. Der Schlick erlaubt wirklich null Vorwärts-Grip am Hinterrad oder Seitenführung am Vorderrad.

Powerslider ohne PowerVernünftiges Moppedfahren ist quasi unmöglich. Hier ist ein echter Offroad-Reifen gefragt, meine Michelin T63 sind als Mischbereifung hier definitiv nicht geeignet. Die rumänischen Romvelo Reifen auf den leichten Crossern sind hier wie Spikes auf Eis. Allerdings erkauft man sich den guten offroad-Grip mit einem Fahrverhalten auf Asphalt was ab 80 einfach nur als beschissen bezeichnet werden kann... ;-) Die Kisten wackeln dann wie ein Lämmerschwanz.
Doch im Moment haben wir andere Sorgen. ;-)

TeamworkVereint im Team müssen wir jedes einzelne Mopped bergen. Es ist eine endlose Schufterei. Ich weiß nicht, was anstrengender ist, selbst auf dem Mopped sitzen und nur mit Kraft die Kiste aufrecht halten, die Kiste vorwärtsschieben und ausbalancieren, während alle möglichen Leute dran rumzerren und die Reifen auf dem glitschigen Untergrund schlittern und das Vorderrad blockiert oder das Nebenherlaufen und Schieben in der heißen schwülen Spätnachmittagshitze.

Peter im SchleppHier ist Peter im Schlepp. Wir stellten fest, daß es mit Seil einfacher ist, weil man zu fünft am Mopped ziehen kann, ohne daß sich alle unmittelbar um den heißen brüllenden Eisenhaufen rumdrängeln müssen. ;-) Die Kräfte wirken gezielter nach vorn und nicht so sehr seitlich, als wenn alle irgendwo am Motorrad direkt anpacken und schieben und drücken und selbst ausrutschen, weil es teilweise selbst zu Fuß schwierig ist, durch den Modder zu kommen.

Peter am BodenDie dicken Kisten haben mit den verschlammten Vorderrädern keinerlei Seitenführung mehr und es ist selbst im Schlepp am Seil unmöglich, sie im Schritt-Tempo aufrecht zu halten. Teilweise blockieren die Vorderräder einfach. Da ist das Aufrechthalten nahezu unmöglich.

Dazu das schwüle, warm-feuchte Wetter. Mann, was eine Plackerei!


Hinterreifen ohne GripWie soll hier sowas wie Grip aufkommen? ;-)) Bei dem Anblick frage ich mich, was da wohl die Auswuchtgewichte noch bewirken, die da in 10- und 20g Größe an der Felge fein säuberlich von den deutschen Reifendiensten angebracht werden, mit hochgenauen Meßmaschinen ermittelt. ;-)
















Die Leicht-Enduros (hier Anke auf ihrer DR-Z400 mit den FIM Reifen) und auch die rumänischen Romvelo Reifen auf den KTMs halten sich super und man kann teilweise wirklich einfach durch den Schlamm durchfahren, wo mit den Twins nichts mehr zu machen ist. Was für eine Demütigung. ;-)







SchutzblechdemontageSo geht’s besser, ohne Schutzblech vorn. Bisher habe ich immer darüber gelächelt, wenn Leute mit Reiseenduros die Schutzbleche höherlegen oder abbauten, denn ich war vorher noch nie in so einem ätzenden Schlamm gewesen. Mal abgesehen davon, daß das auch ohne Schutzblech und mit dafür geeigneten Reifen mit so einer bleischweren Enduro (BSE) einfach keinen Spaß macht und nur harte Arbeit ist, hilft das dann auf so’nem Untergrund schon ganz enorm.











Die Probleme hören nicht aufDie Probleme hören auch nach der Steigung nicht auf, der Weg ist wirklich schlimm schlammig. Spurwechsel zur Vermeidung der schlimmsten Wasserlöcher sind fast unmöglich und enden oft in kräftezehrenden Wiederaufheb-Aktionen. Wir sind nach einigen Stunden völlig ausgepumpt.







tiefe Wasserlöcher auf dem WegManchmal ist die beste Devise, einfach mitten durch die Wasserlöcher durchzufahren. Die haben meist auf dem Boden mehr Grip, als die aufgeweichte, klebrige und schlammige Erde rechts und links daneben. Manchmal, wie hier links, kann das Loch dann auch etwas tiefer sein. ;-) Solange man nicht zu schnell unterwegs ist, geht das alles. Blöd ist halt nur, wenn man etwas unkonzentriert und daher unbalanciert fährt und das Mopped dann mit Kraft in der Aufrechten halten muß. Das geht aber wieder nur mit Grip und den hat man hier nicht...










beim ZäuneflickenImmer wieder weichen wir auf Strecken neben dem unfahrbaren Hauptweg aus. Dabei werden Zauntore natürlich wieder geschlossen, wenn man sie passiert hat. Dieses hier war allerdings vorher schon im Eimer, als wir da ankamen. Ein kurzer Reparaturversuch war nicht so besonders glorreich, weil das Holz völlig vermodert war. Wir haben das Tor dann seinem Schicksal überlassen und sind weitergeschlittert.


Gute Laune trotzdemDie meisten von uns nahmen die Herausforderung aber trotzdem mit Humor. Hier stehen wir um die Transalp von Armin, die er gerade mit harten Fußtritten von ihrem vorderen Schutzblech befreien wollte. ;-) Wir konnten ihn dann mit Mühe doch noch zum Gebrauch eines Schraubendrehers überreden, so daß das Bauteil zerstörungsfrei demontiert werden konnte. Bei Regen auf nichtschlammigem Untergrund soll sowas ja ganz Klasse sein. ;-)

Wir sind am EndeKurz vor Borlova stecken wir erneut zwischen einigen schlammigen Steigungen fest und können wirklich nicht mehr weiter. Wir haben uns mittlerweile ziemlich auf dem Weg zerstreut, da jeder quasi seinen eigenen Kampf kämpft. Die KTM-Fahrer sind die einzigen, die noch mobil sind und versammeln als berittene Boten alle auf einer kleinen Obstwiese, wo schon die Einheimischen mit ihren Fuhrwerken eine Alternativ-Spur gezogen haben (siehe Bild rechts).

Petra ist plattDie Moral im Team ist am Ende, wir sind völlig ausgenudelt. Die Wasservorräte gehen zur Neige und ich merke, daß den Leuten teilweise der Spaß vergangen ist. Einige haben offene Befürchtungen, daß wir es nicht mehr im Hellen bis nach Borlova schaffen könnten, was nur noch etwas mehr als einen Kilometer Luftlinie entfernt ist, direkt hinter dem vor uns liegenden Hügelchen.



ErschöpfungNun kommt fast zu einem offenen Streit, als einige Teilnehmer unbedingt die ganze Quälerei zurück fahren wollen mit dem Argument, da wüßte man wenigstens, was man daran hätte. Wir entgegnen, daß es nur noch anderthalb Kilometer Luftlinie waren bis Borlova sind und daß die ganzen Bergabstücke, die wir gefahren waren, ja bei einem eventuellen Rückweg Steigungen waren. ;-) Wir sind wirklich unmittelbar vor dem Dorf, man kann die GSM Antenne schon sehen, die man von Zaharias aus sehen kann.

erstmal Pause machen!Also machen wir es uns einfach erstmal im Gras gemütlich, verschnaufen etwas, trinken und essen die letzten Vorräte. Ich beobachte interessiert die Gruppendynamik, die hier abgeht. In so Grenzsituationen zeigt sich, wie gefestigt die Leute sind. Einige sehen alles völlig entspannt, denn eigentlich ist ja nix Schlimmes passiert, wir haben keine Verletzungen, Defekte oder Spritmangel oder sowas. Andere drehen echt ziemlich ab und werden nervös und hektisch und können nicht mehr klar denken.

KTM Scouts im EinsatzNach kurzem Kriegsrat fungieren die die KTM Fahrer als Scouts und finden dann auch tatsächlich eine Passage durch einige Obstgärten, die in die richtige Richtung zu gehen scheint. Wir warten ab, bis sie wiederkommen und uns bedeuten, ihnen zu folgen, da sie die richtige Route gefunden haben.







kleine SumpfdurchfahrtWir packen unsere zerschundenen Knochen auf die Böcke und fahren vorsichtig über die Wiesen durch einen kleinen Bach, wobei wir uns bemühen, den Boden nicht allzusehr aufzuwühlen, um keinen Ärger zu erzeugen. Schließlich erreichen wir völlig erschöpft ziemlich spät Abends Borlova und hatten für die letzten zwei Kilometer über drei Stunden gebraucht. Wahnsinn.




Finger weg vom Alkohol!Abends gibt es für alle ein schmackhaftes Abendessen bei Jika, den Dorf-Schnapsbrenner von Borlova, wo sieben Mitstreiter des Teams untergebracht sind. Wir haben mit unseren Wirten vereinbart, daß wir auch bei getrennter Unterbringung immer zusammen zu Abend essen wollen, damit wir als Team auch beim Abendessen ein wenig zusammen sind. Danach geht’s selbstverständlich wieder zu Zaharie, weil wir noch was mit den anderen Mitstreitern des Tages zusammensitzen wollen. Die Stimmung ist wieder gelöst, alle sind froh, ohne Blessuren zuhause angekommen zu sein und wir haben viel Spaß beim gemütlichen Beisammensein nach dieser Feuertaufe, besonders für die neuen bei uns im Team. Mit viel Ursus (Bier) und gelegentlichem Zuika (dem einheimischen Pflaumenschnaps, sagte ich das schon? ;-) wird viel gelacht und alles ist wieder gut. Dabei ist es wichtig, immer beim Trinken drauf zu achten: “Finger weg vom Alkohol!” Anton zeigt auf dem Foto oben sehr anschaulich, wie das geht, he he. Das geht so bis in die späte Nacht hinein und am nächsten Tag ist komischerweise keiner von uns krank, obwohl wir sicherlich alle Gründe dazu gehabt hätten. ;-)

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