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Dienstag 5.8.
Heute waren wir mit einem rumänischen Führer
namens Aurel unterwegs. Er hatte sich eine XR400 von Axel geliehen. Axel hatte sich am Sonntag vor der eigentlichen Enduromania mit seiner Kiste auf einem Ölfleck auf Asphalt
hingelegt und dabei seine Schulter ausgekugelt. In einer Notoperation im Krankenhaus in Caransebes wurde sie wieder unter Vollnarkose eingerenkt und seitdem läuft er in einem riesigen Gips rum und wird wohl am
morgigen Mittwoch nach Hause fliegen. Wie auch immer, seine Karre bleibt hier und dient Aurel als Ersatz, denn seine betagte XT macht komische Lagergeräusche.
Wir treffen uns nach dem üblichen Frühstück an unserem Haus und fahren erstmal zum Semenic hoch. Nach dem Stempel geht's weiter über die Hochebene in den Wald, wo es nach Cosava geht und wo
ich mich schon zweimal verfahren habe. Wir finden sofort den richtigen Weg und halten uns entsprechend weiter links. Nach dem Überqueren der Lichtung und von den beiden folgenden Bächen
sind wir auf der alten Industriestraße und folgen ihr bis nach Cosava.
Von hier aus ging's weiter nach Buhui. Nach
einem spektakulären Sturz meinerseits (glimpflich verlaufen, siehe Bild ganz oben) erreichen wir nach ca. 100-fachen Abbiegemanövern an den Waldwegkreuzungen (will sagen, ich kann
mich nicht mehr daran erinnern, wie viele Kreuzungen es waren, wo wir abgebogen sind) einen unterirdischen Fluß. Wir klettern runter zur Höhle und folgen ihm ein Stückchen zu Fuß, bis es zu dunkel wird.
Nach einer kurzen Rast geht es weiter zum Buhui See. Hier holen wir uns unseren Stempel
und fahren weiter bis zur Cabana Diana (Bild unten).
Ein verfallenes Gelände, wo Aurel einmal einen Treffpunkt für die Enduromania plant. Problematisch ist, daß die Gebäude völlig
verfallen sind und das wohl unrealistisch ist, nicht zuletzt wegen der fehlenden Infrastruktur (Wasser, Strom etc.)
 

Etwas später erreichen wir in Anina
(Steierdorf, Bild links). Von einem erhöhten Aussichtspunkt aus schauen wir auf Aurels Heimatdorf und genießen die Kühle des schattenspendenden Baumes, der dort steht.
Wir besichtigen den Friedhof, wo es auf einem abgeteilten Teil 200 Gräber für die Opfer eines
Grubenunglücks gibt. Auf den Grabsteinen finden sich häufig deutschsprachige Inschriften.
Nun ist es nicht mehr weit bis zu Aurels Tourismus Informationszentrum, was de facto ein kleiner Raum in seinem Haus ist, wo er alle
möglichen Informationen über seine Heimat zusammengetragen hat.
Während wir einem sehr leckeren Imbiß aus Pfannkuchen mit frischen Pflaumen frönen, taucht ein Enduromania-Team auf, die Jungs mit den Africa Twins und mit Dirk mit seiner
dicken neuen R1150GS Adventure brausen heran.
Sie setzen sich zu uns und gemeinsam beenden
wir den Imbiß und besichtigen noch eine alte Eisenbahnbrücke nach an einer Minen-Anlage mit Förderturm...
Von Anina ging's weiter nach Süden und wir fahren in einigen hundert Metern Entfernung an dem Ölschieferkraftwerk vorbei, was als
größter Wirtschaftsflop der Region in die Geschichte eingehen sollte. Von weitem sehen wir die Größe der Anlage und können nur erahnen, wieviel Arbeit hier reingesteckt wurde, völlig vergeblich. Die Siedlungen der
Arbeiter des Kraftwerks sind heute nur mit wenigen Leuten bewohnt, die sich mit Möbelproduktion über Wasser halten. Das Kraftwerk steht still und vergammelt, angeblich gehört es einem griechischen “Investor”, der es
versucht, gewinnbringend in Stücken zu verkaufen.
Es schloß sich eine längere Fahrt durch den
Wald an, wo wir danach in einem Naturschutzgebiet ankamen.
Vorher galt es noch, eine lange Wiese zu durchqueren (Bild rechts), die zwar nett aussah, aber in Wirklichkeit ein Geröllfeld war und steinige Überraschungen im hüfthohen Gras
barg. Man mußte etwas vorsichtig fahren.
Das Panorama war jedoch herrlich und wir
stoppten für einige Fotos. In der Nähe gab es noch irgendeine Burgruine, aber die haben wir mangels Zeit (es ging dann doch gegen Abend zu) ausgelassen.

Von dieser wunderschönen “Wiese” aus fuhren wir dann einen Waldweg lang, wo es dann in’s Naturschutzgebiet ging. Bedenken
unsererseits wischte Aurel weg, er kenne den Ranger des Gebietes, wir hätten nichts zu befürchten. ;-)
Nach einiger Zeit erreichen wir eine Quelle mit dem Namen "Auge des Lieutenants" nebst Wasserfällen. Sie heißt so, weil die Legende
sagt, daß hier einmal ein türkischer Lieutenant bei einem Kampf ein Auge verlor und seitdem an dieser Stelle eine Quelle sprudelt. Das Wasser ist herrlich klar und grün und es
schwimmen Fische drin. Die Quelle war nur über eine gesperrte Nebenstrecke zu erreichen, die teilweise mit Kieshügeln zugeschüttet war, die jedenfalls groß genug waren, damit ich mich da schön auf die Nase
legen konnte. ;-)
Nahe bei der Quelle gibt es auch schöne
Wasserfälle, die allerdings wegen des trockenen Wetters nur sehr wenig Wasser führten. Die ganze Szene war sehr zauberhaft und verbreitete eine eigene Stimmung, wie an einer Oase. Aurel hat hier als Jugendlicher
wohl viel Zeit verbracht, erzählte er. ;-)
Von den Quellen fuhren wir noch an einen
weiteren Wasserfall, der aber fast ausgetrocknet war. Die Moppeds parkten wir dort im hohen Gras und ich machte mir langsam Sorgen, daß wir nicht mehr im Hellen nach Brebu kommen würden, da wir uns hier
völlig verzettelten und keine Strecke machten. Wir waren immer noch an dem Punkt, der am weitesten am Tag von Brebu entfernt war und es war schon spät...
Nach den Wasserfällen fahren wir über Offroad Straßen nach Sasca Montana, wo wir
in der Pension Nera Land mit einem Bier und Wasser bewirtet werden.
Danach wird zeitlich schon ein wenig eng und wir brettern über Offroad erst zu einer Tankstelle und einer Cola in der daneben stehenden Bar, danach zum Kloster Calugara,
wo wir Aurel das Abholen des Kontrollpunkt-Stempels überließen, die orthodoxen Mönche strahlen eine ehrwürdige Aura aus und wir trauen uns nicht, sie anzusprechen, obwohl sie recht freundlich zu
Aurel zu sein scheinen.
Durch den Wald ging’s dann in zügiger Fahrt
zum Kontrollpunkt Garliste Eisenbahnstation, wobei es dann schon dämmerte. Die schnelle Fahrt durch die langeschwungenen Wellen im Wald von Anina nach Garliste ist eine Wucht und ein absolutes Highlight des Tages.
Da es schon dunkel wird, fahren wir nicht
weiter sondern drehen um und fahren ab Anina über Resita und Valiug auf Asphalt nach Brebu, wo wir gegen halb zwölf kurz vor Mitternacht ankommen. Wir sind die Attraktion des Abends und genießen die
Bewunderung und das wie immer leckere Abendessen (Hackbraten gefüllt mit Wurst und Ei mit gekochten Erbsen in einer göttlichen Sauce. ;-)

Um 1 fahren wir nach Hause und beim Ausziehen stelle ich fest, daß ich mir irgendwo an der rechten Wade einen
dicken blauen Fleck geholt habe, der auch etwas schmerzt.
Was mich wundert ist, daß meine rechte Hand das nicht tut. Komische Sache, das, aber ich will mich nicht darüber beklagen. ;-)
Beim Berichteschreiben stellen wir fest, daß wir bereits 39000 Punkte haben, und das nach zwei Tagen. Unglaublich. Wenn wir das Tempo halten können, dann sind wir auf der Siegerstraße. ;-)
Spaßeshalber beschließen wir, ab sofort auf Sieg zu fahren.
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