|
28.08.2002, Mittwoch
Wir schlafen, wie jeden Tag, erst mal aus. Heute
möchte Anke doch dann mal mitfahren, ihrem Finger geht es zwar nicht besonders viel besser, aber sie denkt, dass es eigentlich klappen sollte.
Wir fahren erstmal von Borlova aus über den Weg,
den ich mittlerweile recht gut kenne und der jeden Tag etwas trockener wird, nach Varciorova. Es geht über leicht sandig, lehmigen Boden, aber der Grip ist ganz gut. Man merkt, dass hier normalerweise Schlamm ist,
es ist reht tief gespurt, aber trocken und griffig. Dann kommt Ankes erste Wasserdurchfahrt, welche ohne Zwischenfälle funktioniert. Hinter Varciorova fahren wir den bekannten Weg zur E70, wobei der Höhenweg diesmal recht flott genommen wird und einen riesigen
Spaß macht, denn der Wind weht stramm von der Seite und die großen Staubfahnen wehen schnell zur Seite weg, so dass man direkt hintereinander fahren kann.

Auf der E70 fahren wir weiter und wollen bei
Wittmann's Hütte rasten. Unterwegs halten wir noch bei einem Händler an, der unter anderem Schafsfelle verkauft und schauen uns die Preise an. Wir wollten so'n Fell mal kaufen, um es auf die Moppedsättel
schnallen, weil das für Fernreisen einfach Klasse sein soll und so ein Schaffell ist in Rumänien für wenige Euro
erhältlich. Später kaufen wir es dann auch für 4 Euro, nachdem man uns versichert hat, daß das OK sei. ;-)
Auf dem Weg zu Wittmann´s Hütte treffen wir noch auf eine Schafherde, die immer ein malerisches Foto abgibt, so auch diesmal. An der Gabelung entscheiden
wir uns erneut für den schöneren Weg links am Stausee vorbei und kommen dann auch recht bald an. Bei Wittmann's wird dann erstmal ein leckeres Mittagessen verspeist, es gibt eine schmackhafte
Suppe und einen frischen bunten Salat. Nach dem Essen juckt mich dann doch ein wenig der Hafer und ich möchte gerne versuchen, den Hardenduro-GPS-Punkt bei Wittmann's zu erreichen.
Steffen kommt mit. Es sollte nur ca. 2km entfernt sein und das letzte Stück soll recht steil sein. Schauen wir mal.
Wir folgen einfach immer dem Weg Richtung GPS-Pfeil und gelangen auch recht schnell an die besagte Stelle. Oha, ein Blick hinauf ist schon ein
wenig Respekt einflößend. Es geht steil rauf, man kann zwischen zwei Routen wählen, aber beide gehen schräg am Hang entlang und nicht schön senkrecht rauf.

Zwischendrin sind dicke Wurzeln, die ebenfalls schräg
zur Fahrtrichtung verlaufen und der Boden ist schon recht lose und aufgewühlt von diversen Versuchen der Konkurrenten, hier raufzukommen. Ein erster Versuch auf der rechten Route scheitert erstmal, ca. 5m vor
dem Ende des Hangs bleibe ich stehen und habe weder Grip noch Vortrieb. Langsam bastele ich mich wieder rückwärts den Hang runter, den Trick kennt man ja, mit steh endem Motor die Kupplung als Bremse benutzen (vorne hat man ja eh keine Bremswirkung, wenn
man mit der Nase nach oben an einem steilen Hang steht) langsam rückwärts runterzuckeln. Steffen versucht es ebenfalls, raufzukommen und scheitert ebenfalls.
Er nimmt allerdings im Gegensatz zu mir die etwas
bessere linke Route, die aber durch eine besonders ätzende dicke Wurzel im oberen Teil verziert ist, wo man wirklich jedes Quentchen Grip braucht, um oben anzukommen.
Wie auch immer, wie versammeln uns unten nochmals und überlegen, was wir machen. Beim Bergen der Moppeds sind wir kräftig in's Keuchen gekommen und verschnaufen etwas. Dann nehmen wir uns ein Herz
und ich vordere Steffen auf, vorzufahren. Er scheitert, ich hinterher, ich scheitere auch. ;-) Mist. Trotzdem geht's immer noch ohne Stürze ab. Wir fummeln uns wieder nach unten und stellen uns erneut in Positur. Es
MUSS gehen!
Der dritte Anlauf. Beide über die linke Route. Ich fahre
los, heftig am Gas, aber bloß nicht zuviel, damit der Arsch nicht hangabwärts rutscht. Mit Zug in der Kette über die Wurzel und weiter, der Grip schwindet, vorsichtig, es klappt sicher… Tja. Wieder ist Schluß
kurz vor dem Ende des Hangs. Irgendwie verhindere ich den Sturz und kämpfe gegen die 220 kg Africa Twin, die der Schwerkraft folgen wollen, da höre ich hinter mir die XT ranblasen. "Der wird doch wohl
nicht…" Doch, Steffen war losgefahren, während ich noch im Hang stand. Es kommt, wie es kommen muß, er kann nicht ausweichen und bremst etwas zu spät, tippt die Twin kurz mit dem Vorderrad am
Gepäckträger an und dann gibt's einen kurzen hässlichen Aufprall und wir liegen beide lachend zwischen unseren Kisten. ;-) Jetzt werden erstmal Fotos gemacht und dann geht es wieder runter, zum nächsten Anlauf.
Ich beschließe, hier nicht eher wegzufahren, bis ich raufgekommen bin, verdammt noch mal!
Steffen kann beim Rauffahren dass, was ihm beim Abwärtsfahren fehlt, er hat bergab irgendwie eine Blockade im Kopf, keine Ahnung, was das ist, er weiß
es selbst nicht. ;-) Sogar beim abwärtsschieben hat Sturzängste. Ich nehme ihm die Karre ab und lasse sie einfach locker neben mir runterrollen, es geht sehr einfach. Ich wünschte mir, ich könnte so mühelos
bergauf fahren wie er, und er wünscht sich sicherlich, er hätte bergab weniger Probleme. ;-)
Unten sammeln wir uns wieder, holen tief Luft und ich freue mich, dass ich nach einem kurzen prüfenden
Blick in seinen Helm festestelle, dass er auch finster entschlossen zu sein scheint, den Hang hinaufzukommen.
Wie auch immer: Diesmal gelingt es, Steffen legt vor und ich kann nicht anders und muß diesmal auch rauf und
es klappt tatsächlich, mit allerletzter Kraft. ;-) Stolz fahren wir zum Kontrollpunkt und machen ein Beweisfoto und entleeren erstmal auf diesen Berg unsere Blasen. ;-)
Der Weg hinab ist schnell gemacht und Anke erwartet uns schon. Wir satteln wieder auf und richten die
Vorderräder in das Cornereva-Tal. Wir wollen mal schauen, ob man nach Osten über den Sattel in das nächste Tal kommen kann, da gibt es einige Kontrollpunkte.


Im Cornereva-Tal fahren wir irgendwann links hoch auf eine Hochalm südlich des Cozia Gipfels. Den Weg
zur Cornereva Almhütte lassen wir aus, weil er zu naß und glitschig ist mit unseren dicken Kisten. Wir entscheiden uns für die linke Variante und haben auch hier gelegentlich einen kleinen Sturz, der aber glimpflich
abgeht.
Es ist recht steil, aber eigentlich recht gut zu fahren und
wir gelangen gut auf die Hochalm. Hier rasten wir ein wenig und schauen einigen Einheimischen zu, die Heu ernten, witzig ist die alte Frau, die oben auf einem Heustadel thront und ihn zusammendrückt. Während
wir uns darüber unterhalten, wie sie da wohl wieder runterkommt, startet sie ihren Abstieg und ich fotografiere alles. ;-) Sie freuen sich und sind offensichtlich stolz, dass uns das so interessiert.




Wir überqueren den Sattel und fahren weiter nach Osten in Richtung Camena. Dabei nehmen wir die falsche Straße und landen über einen zugewachsenen
und etwas schwierig zu fahrenden Weg in einem lauschigen Obstgarten, wo es nicht mehr weitergeht und wir nach einigen Tips von dort arbeitenden Einheimischen unter recht schwierigen Umständen wenden.

Dann nehmen wir die richtige Straße und fahren
Richtung Camena. Auf dem Weg dorthin stolpert Anke noch mal in einer Furche, aber es passiert nichts Schlimmes. Dann gelangen wir recht schnell nach Camena und markieren uns den Kontrollpunkt.
 
 Weiter fahren wir nach Süden und suchen noch
einen Kontrollpunkt, der im Osten des Tales liegen soll und finden ihn aber einfach nicht, weder nördlich noch südlich davon… Wir fahren noch an das Ende des Tales und besuchen den Kontrollpunkt Valea Frasincea.
 
 Dann fahren nach Bogaltin, wo im Kontroll- punkt eine phantastische Atari- Werbelampe über dem Tresen hängt. Welche Wege mag diese Lampe
schon genommen haben, bis sie da hingehängt wurde? Ich überlege kurz, dass es Klasse wäre, sie bei mir zuhause zu haben, aber verwerfe den Gedanken schnell wieder. ;-)


Dann fahren wir wieder auf die Hauptstraße und von dort aus über die E70 wieder nach Hause. Auf dem
Weg nach Norden biegen wir links nach Mehadica und Luncavita ab und wollen diese Kontrollpunkte noch mitnehmen. Am Ortsende von Mehadica bemerke ich hinten einen Platten. Scheiße.
Steffen hat Reifenpilot dabei. Wir versuchen es damit,
aber ich hatte meinen ersten beiden Versuchen mit Reifenpilot kein Glück und so auch diesmal wieder nicht, das Zeugs taugt einfach nicht, finde ich. Keine Ahnung, warum jemand so was kauft, bei Nägeln (und
95% meiner Platten sind Nägel) hilft Reifenpilot einfach nicht.

Mist. Mittlerweile ist es dunkel geworden, war ja klar. Wir parken die Twin auf dem Hauptständer (geht ganz schön schwer, wenn der Hinterreifen platt ist ;-)) und
schnallen uns die Kopftaschenlampen um die Stirn.

Die Tikka Petzl sind einfach genial, da gibt’s nix! Nie wieder möchte ich sie missen. Federleicht, superhelles blauweißes Licht und 150 Stunden Betriebsdauer mit drei kleinen Mikrobatterien sind einfach eine tolle
Kombination.

Schnell ist das Hinterrad draußen, der Reifen mit dem patentierten und wirklich raffinierten Polo Reifenmontierhebel-Set abgedrückt, der Schlauch gewechselt und alles wieder fein säuberlich
zusammengebaut. Hier bewährt sich auch wieder einmal die gute alte Fußluftpumpe, auch wenn sie so schwer ist. Ich werde nie wieder ohne sie fahren. Es ist nicht mehr soviel Betrieb auf der Hauptstraße, so dass
wir nur mäßig eingestaubt werden.
Wir verlieren ungefähr eine Stunde und machen uns
direkt wieder auf Richtung Luncavita, dort noch in später Nacht den letzten Punkt holen. In Teregova geht es auf der E 70 weiter nach Caransebes und nach Hause zu Zaharias, wo man sich schon Sorgen gemacht hätte, wenn wir nicht angerufen und uns für etwas später angekündigt hätten.
auf dem Weg nach Hause tanken wir eben noch voll und fahren dann das letzte Stück nach Borlova. Wir kommen gegen Mitternacht in Borlova an und selbstverständlich gibt es noch etwas zu essen,
Ehrensache bei Zaharias und Ana, die uns wirklich sehr fürsorglich bekochen und versorgen. Hundemüde fallen wir in die Kisten.
|