|
Montag 14.8. Muntele Mic
Nach dem Aufwachen hat Anke doch größere Beschwerden am
Knie von dem Umfaller gestern. Wir begeben uns zu Johann Wittmann Junior, der Heilpraktiker ist und chinesische Heilkunde lehrt. Er beschließt, eine Akupunkturbehandlung zu machen und
so werde ich das erste Mal Zeuge einer solchen Prozedur. Es ist ziemlich beeindruckend, wie die Behandlung in verschiedenen Phasen abläuft, wo Anspannungsphasen Ruhephasen abwechseln
und wo man richtig sehen kann, wie Energieströme von ihm in Anke fließen, wie sie nachher berichtet. Nach der ca. halbstündigen Behandlung hat sie erstmal keine Beschwerden,
aber ist noch recht wacklig auf den Beinen. Nach einer kurzen Wartezeit beschließt sie (und das war auch die richtige
Entscheidung, wie sich herausstellen sollte), nicht mitzufahren, sondern sich erst mal einen Tag zu erholen.
Auch hier wieder der GPS-Track des Tages:
 
So starten wir Jungs alleine zum Muntele Mic. Wir lassen alle Checkpoints am Weg aus, Ausnahme
allerdings ist Zaharias in Borlova, wo wir kurz einkehren. Hier keimt der Gedanke, in der zweiten Woche doch nach hier umzuziehen. Er hat Zweibettzimmer mit jeweils eigenem Bad und eine
wirklich nette familiäre Atmosphäre. Wir werden uns das überlegen, halten aber schonmal den Termin frei. ;-)
 Weiter geht es auf den
Muntele Mic. Unterwegs teilen wir uns in zwei Dreiergruppen, da man dann etwas flotter fahren kann. Ich kürze einige Serpentinen durch die steilen Wiesen ab, was viel Spaß macht. ;-) Oben angekommen fahren wir
erstmal zum Kontrollpunkt. Nach einer kurzen Rast wollen wir weiter auf den Gipfel fahren, was uns auch recht einfach gelingt und was mit einer tollen Aussicht belohnt wird. An einer Schafherde mit sehr aggressiven Hunden (ich bin letzter und den letzten
beißen ja bekanntlich die Hunde) fahren wir dann weiter zum Kontrollpunkt Securitate-Ruine, wo früher mal ein Störsender des rumänischen Geheimdienstes gestanden hat. Mittlerweile ist das
Gebäude gesprengt und quasi zerstört. Hier finden wir den Kontroll-Nagel nicht, so daß wir den Kontrollpunkt manuell auf dem Zettel markieren.
Mittlerweile fängt es an zu regnen und zu
donnern, begleitet von vielen hellen Blitzen. Erst in der Ferne, dann immer näher kommend. Wir beschließen, uns von dem Gipfel aus dem Staub zu machen.
Um den Hunden zu entgehen, fahren wir einen Bogen in
nördlicher Richtung und kommen dabei in einen Wiesenbereich, der stark von kurzen heftigen Hügeln durchzogen ist und von Steinen nur so wimmelt, so daß wir sehr vorsichtig fahren müssen.
Nach einigen Stürzen und einem Beinahe-Abgang in eine Schlucht kommen wir auf den Hauptkamm zurück. Im dichten Regen verlieren Carsten und ich die anderen, die
vorausgefahren waren, nicht zuletzt, weil Carsten sich nochmal zwischen einigen Steinen verhakt und nicht alleine da
rauskommt. Im strömenden Regen bergen wir die Kuh und schaffen sie frei. Der Regen ist nun so stark, daß ich
unbedingt die Regenhaube auf den Tankrucksack machen will, da dort meine Kamera und das Handy drin ist. Als
ich die Regenhaube drauf habe, ist Carsten nicht mehr zu sehen. Ich schaue mich nochmal genau um, finde ihn nicht,
aber das Gewitter ist nun sehr nah und ich mache lieber, daß ich von dem Berg runterkomme. Problemlos komme
ich bei den anderen auf der Straße am vereinbarten Treffpunkt an, aber wer fehlt, ist Carsten. Keiner hatte ihn
gesehen. Hm. Erstmal Handy einschalten, denn da oben ist eigentlich überall prima GSM Versorgung. Vielleicht ruft er ja an.
Nach einigen Minuten geht tatsächlich das Telefon, Carsten ist dran und berichtet, daß die Kuh im Eimer und er an der Rippe verletzt
sei. Schöne Bescherung. Er liege in der Nähe des monströsen Gipfelkreuzes, welches nicht auf dem Gipfel, sondern auf dem Hügel steht, welcher vom Hotel Sebes aus wie der Gipfel aussieht. ;-))
Max und ich fahren hoch, um Carsten da zu helfen. Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen und wir kommen über die schwer eingeregnete Wiese nur schwierig hoch. Wir stellen die Kisten am
Gipfelkreuz ab und finden ihn etwas weiter unten. Er ist im Regen nicht den normalen Weg zurück, sondern rechts vom Gipfelkreuz in den steilen Abhang zum Kontrollpunkt geraten. Hier liegen viele Steine und er muß einen schlimmen Satz gemacht haben, denn der
direkt über dem Reifen befindliche Gabelstabilisator hatte sich durch den Anprall mit der unteren Gabelbrücke (!) so nach unten gebogen, daß er das Vorderrad blockierte! Unglaublich! Das
mußte ein mächtiger Bumms auf das Vorderrad gewesen sein...
Wir demontieren den Gabelstabilisator und befestigen den herunterhängenden Seitenständer und bugsieren die BMW
erstmal rauf zum Gipfelkreuz, da der Weg abwärts einfach viel zu steil und mit dicken Wackersteinen in der Wiese versperrt ist. Carsten geht es mittlerweile wieder soweit besser, er kann nun
selbst fahren. Gemeinsam kehren wir über den Bergrücken auf die Straße zurück und fahren erstmal gen Tal.
Bei Dacias Hütte ist es dann endlich soweit, meine erste Panne in diesem Urlaub, ein Nagel. Ich hatte bei den beiden letzten Enduromanias jeweils drei
Pannen, alle hinten. Diesmal die erste am ersten Wettbewerbstag vorne. Das kann ja heiter werden. Max nimmt sich des "Potschens" routiniert an und nach
einer halben Stunde, die ich hauptsächlich mit fotografieren verbringe, weil mich niemand an mein kaputtes Vorderrad lassen will, können wir schon wieder weiterfahren.
Nach kurzem Kriegsrat beschließen wir, die Cuntu/Tarcu Route auszulassen, weil es schon
16:00 Uhr ist und so spät am Tag wollen wir so einen schwierigen Part nicht mehr beginnen. So geht es hinab ins Tal nach Borlova. Nachdem ein kurzer Test einer
Schotterstraße nach Zlagna von Carsten als zu schmerzhaft empfunden wird, drehen wir um und fahren über Asphalt wieder zu Wittmanns Hütte. Auf dem Weg dorthin halten wir nochmals
bei einem Reifendienst ("Vulcanizare") in Caransebes und lassen meinen Vorderreifen nochmals richtig mit
ordentlich Luftdruck ins Horn pressen. Anschließend werden wieder die gewohnten 2,5 bar eingestellt und die
Fahrt kann weitergehen. Ein Trinkgeld wird energisch abgelehnt, so daß wir uns herzlich bedanken und abdüsen.
Ein aufregender Tag. Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen.
|