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Enduromania Bericht 1999
Freitag, 6.8.1999, 1. Tag, D-Dorf -> Linz
Nachdem der Besuch im letzten Jahr in Rumänien uns so gut gefallen hatte, war es klar, daß wir dieses Jahr wieder hinfahren würden. Allerdings mit einigen kleineren
Änderungen: Pauly wollte dieses Mal mit seiner Kuh dabei sein und Chris wird mit seiner neuen LC4 dabeisein. Wir hatten uns als “das Fahrtwind-Team” angemeldet.
Damit es auf jeden Fall rechtzeitig losgeht, hatten wir beschlossen, daß Pauly schon am Donnerstag zu uns stoßen und bei uns übernachten würde, so daß wir am nächsten Morgen ohne Probleme starten können.
So geschah es dann auch, wir kamen ohne Probleme zum Bahnhof
nach Düsseldorf, wo uns der Autoreisezug nach München mitnehmen sollte. Aufgrund irgendwelcher Probleme hatte dieser allerdings eine
Stunde Verspätung, so daß wir erst entsprechend später in München ankamen. Wir finden schnell Dank GPS ;-) die Autobahn nach Salzburg und haben nach 20 Kilometern den ersten Defekt: Renates
Africa Twin geht einfach auf der Autobahn aus. Das kann ja heiter werden. Wir kontrollieren ein wenig die Standard-Sachen nach (Sprit, Wackelkontakte etc.) und finden nix. Schließlich springt die
Kiste wieder an und wir fahren erstmal weiter. Ziel war ja, nach Neusiedel zu kommen, und wir hatten schon einige Zeit verloren.
Nach einigen Kilometern bleibt die Kiste wieder stehen.
Wegen der einschlägigen Erfahrungen der Africa Twin Fahrer aus der Mailingliste vermuten wir eine defekte Spritpumpe. Nach einem Ausbau und Demontage des
Kopfes derselben stellt sich raus, daß die Kontakte des Linearantriebes der Spritpumpe völlig verbrannt sind und sie sich deswegen nicht mehr richtig bewegen kann. Eine
notdürftige Reparatur scheitert, so daß wir anfangen, ein wenig herumzutelefonieren. Verschiedene Honda-Händler in der Umgegend werden erreicht, aber keiner hat eine Spritpumpe für uns vorrätig. Durch verschiedene
Empfehlungen landen wir schließlich bei einem Händler in Traunstein, der eine da hat. Das liegt auf unserem Weg und wir beschließen, dort hinzufahren und beschwören ihn,
auch dann nicht zu schließen, wenn wir noch nicht da sein sollten. Wir kommen auf jeden Fall. Er gibt uns den Tip,
die Pumpe kurzzuschließen (also den Benzinschlauch vom Vergaser direkt auf den Benzinfilter zu legen und nicht auf die Pumpe). Wenn genügend Sprit im Tank ist, sollte das soweit klappen.
Tatsächlich kommen wir so auch leidlich weiter, wir bleiben noch einige Male kurz liegen, aber immer wieder
springt die Twin danach auch wieder an. Um Probleme zu vermeiden, verlassen wir die Autobahn und fahren über Landstraße weiter. Um kurz vor sechs erreichen wir den Laden und ein Mechaniker macht sich direkt über das
waidwunde Motorrad her. Währenddessen klären wir mit Renates Hondahändler einige Informationen ab, die er
uns noch per Fax zuschickt. Denn glücklicherweise ist Renate eingefallen, daß die Twin ja noch nicht ganz zwei
Jahre alt ist und deswegen noch Herstellergarantie hat. Tatsächlich gelingt uns das Kunststück und wir können eine
halbe Stunde später mit einer neuen Spritpumpe im Wert von 380,-DM von dannen ziehen, ohne einen Pfennig
bezahlt zu haben. Cool. Vor allem die Handies haben sich hier schon bewährt, ohne sie hätten wir das Problem in
der kurzen Zeit sicher nicht gelöst und hätten den Samstag mit der Reparatur verbracht, der Urlaub wäre sicher erheblich unangenehmer verlaufen.
Da es mittlerweile doch recht spät geworden ist, klären wir in einem kurzen Telefonat mit Chris, daß wir dann doch
in Linz übernachten und die verlorene Zeit dann eben morgen wieder gut machen müssen. Das trifft sich auch aus seiner Sicht hervorragend, da nämlich heute abend Mausstammtisch der Maus Linz ist und er da dann doch
hingehen kann. So verabreden wir uns in dem Stammtischlokal und fahren wieder auf die Bahn.
Der Stammtisch war sehr angenehm, ich kann einige alte Bekannte wiedersehen und wir quatschen den ganzen
Abend. Irgendwann ist dort aber auch Schluß, wir parken die Moppeds auf dem Speditionsgelände von Chris'
Firma und machen es uns in seiner Wohnung bequem. Schnell wird noch Jerry installiert und getauscht, denn dieser
Anfang darf der Netzgemeinde dochnicht vorenthalten werden. ;-) Chris und ich quatschen noch bis in die tiefe
Nacht, während der Rest vom Fest noch schläft, und wir freuen uns riesig auf die bevorstehenden Erlebnisse.
Samstag, 7.8.1999, 2. Tag, Linz -> Geza
Das Wetter verspricht schön zu werden und wir schaffen
es tatsächlich, um 7:30 loszukommen, wie geplant. Der Moment, wo Chris die Garage aufmacht und wir das erste Mal die LC4 sehen, wie sie da hochbeinig und unternehmungslustig uns anblinzelt, ist schon cool. ;-)
heimlich schauen wir alle hin, wie er aufsteigt und hoffen insgeheim, daß er irgendwie aus dem Gleichgewicht gerät oder sonstwas lustiges passiert. Aber wir werden
enttäuscht, ganz lässig schwingt er sich hoch und tut so, als wenn das das normalste der Welt wäre. ;-) Bestimmt hat er vorher endlos geübt. ;-)
Auf der Autobahn fahren wir ein strammes Tempo, die KTM
gibt die Pace vor, da dort das Fahren sicher am unangenehmsten ist, aber Chris macht den Hahn schon ordentlich auf. Auf der Wiener Autobahnumfahrung machen wir
das erste Mal Rast, aber nach einer kurzen Pinkelpause geht's auch schnell weiter.
Auf dem Budapester Autobahnring bleibt meine Twin liegen. Geht einfach aus. Ich dachte wirklich, mich trifft der Schlag.
Dank Funkverbindung kann ich die anderen noch stoppen und wir halten auf einer kleinen Haltebucht, die hier glücklicherweise
auf der ansonsten ohne Pannenstreifen angelegten Stelle ist. Die Twin hatte das letztens schon einige Male, aber ich
konnte nie ein Problem finden oder es irgendwie reproduzieren. Wir sind überhaupt nicht Vollgas gefahren, also am erhöhten Spritbedarf kann es nicht gelegen haben.
Nach einigen Minuten springt sie wieder an und tut, als wenn nichts
gewesen wäre. Mit gemischten Gefühlen fahren wir erstmal weiter. Zum Glück war dies das einzige Mal, daß sie diese Macke in diesem Urlaub zeigte. Hinterher stellt sich raus, daß Paulys BMW auch
einige Male im Schiebebetrieb deutlich mehr als sonst üblich ruckelte. Wir vermuten heute ein Problem mit dem Sprit, den wir in Ungarn getankt hatten.
Naja, egal, wie gesagt ist das Problem danach bis heute nicht mehr aufgetreten. Komisch komisch.
Ab Kiskunfeleghaza fahren wir wieder die uns mittlerweile bekannte Landstraßenroute und mit einem zügigen Ritt
über die schnurgeraden Pusztalandstraßen erreichen wir die Grenze am frühen Nachmittag. Mittlerweile merken wir dann doch die 700 km in den Knochen und rasten an einer Tankstelle, um die Antennen für den
Grenzübergang abzumontieren und ein wenig zu trinken.
An der Grenze ist es dieses Jahr komplett anders als letztes Jahr. Es gibt keine Schlange, wir kommen sofort dran,
die Abfertigung erfolgt freundlich und Ruck-Zuck, nach 15 Minuten haben wir ein verbilligtes Touristenvisum zum
Transitvisum-Preis, alle Formalitäten sind erledigt und wir können weiterfahren. So sollte das sein. Jetzt muß nur
noch die Visumpflicht weg, dann kann der Tourismus in Rumänien so richtig beginnen. Nur die Währung ist noch ein wenig ein Problem, nach dem Umtausch von 400,-DM ist man 3,4-facher Millionär. Bei 50000-Lei Scheinen
(ca. 5,50 DM) als größtem Schein ist das ein ganz ordentlich sperriger Haufen Kohle. ;-)
Vor Arad halten wir an und montieren die eigentlich verbotenen CB-Funk Antennen wieder, damit wir uns
wieder untereinander unterhalten können. Dafür daß CB-Funk angeblich verboten ist (nach ADAC-Informationen), ist auf allen Kanälen immer ordentlich was los, besonders in den Städten. ;-) Weiter
geht's, es sind nur noch ca. 50 km bis Geza. In der Stadt haben wir wieder etwas Probleme mit bettelnden Kindern. Wir halten immer so an vor Kreuzungen, daß wir jederzeit über andere Fahrspuren oder Verkehrsinseln
beispielsweise abhauen können. Einmal rennt eines der Straßenkinder so unvorsichtig über die Straße, daß ich es
fast mit dem Koffer erwische. Gleichzeitig versucht es, nach dem Lenker zu greifen, vermutlich, um uns anzuhalten, damit es betteln kann. Wir sind froh, als wir endlich aus der Stadt 'raus sind.
An einer Tankstelle hinter Arad versuchen wir zu tanken, aber ein Stromausfall verhindert das Vorhaben mitten,
während wir dran sind. Nach einigen Minuten kommt der Strom wieder und wir können weitermachen. Die Säulen haben sogar nicht mal vergessen, was bisher durch die Zapfpistole geflossen war, so daß wir auch mit dem
Bezahlen keine Probleme haben.
Nach wenigen Kilometern sind wir dann endlich bei Geza angekommen und es gibt ein großes Hallo und
Wiedersehen. Das Essen ist schon vorbereitet und nach einem wirklich unglaublich vorzüglichen Mahl können wir nicht mehr Papp sagen und sinken völlig fertig in die Betten.
Sonntag, 8.8.1999, 3. Tag, Geza -> Wittmann mit Cozia, die erste. ;-)
Morgens gibt es nur ein kleines Frühstück, weil wir noch so voll von gestern sind. ;-) Nach einem netten
Frühstücks-Schnack sind wir dann auch schon wieder fertig, verabschieden uns von Geza und fahren bei warmem Wetter und in Enduro-Klamotten (endlich, das Leder bleibt jetzt erstmal im Koffer) in Erwartung der
ersten Offroad-Strecken unsere alte Route, Lipova und dann südlich der Überlandstraße über die Dörfchen nach Birchis, weiter nach Süden über unseren ersten Schotter
nach Faget. Pauly freut sich unbändig auf den Dreck und wir toben uns ein wenig aus, nicht ohne vorsichtig zu sein, da wir ja alle noch ungeübt sind und die Kisten auch recht schwer beladen sind.
In Faget finden wir Asphalt wieder und biegen weiter nach Osten ab, um nach wenigen Kilometern wieder nach
Süden zum Ruscita Pass zu fahren. Die Strecke ist erheblich schwieriger dieses Jahr als letztes Jahr, vermutlich
wegen der vielen Regenfälle in der jüngeren Vergangenheit. Der Boden ist recht tief und einige Kehren machen etwas Probleme, aber generell geht's.
 Doch dann werden wir
gestoppt, ein Baum ist so dämlich über die Straße gefallen, daß wir weder rechts noch links vorbeikönnen. In einer einstündigen Aktion packen wir die Kisten ab und schleifen sie nacheinander durch
den Schlamm an einer Seite unter dem Baum durch. Meine Twin und die BMW graben sich dabei so tief ein, daß wir sie teilweise mit drei Mann durch den Dreck schleifen oder (bei der BMW) mit
einem Seil auf dem Zylinder liegend bergen müssen. Coole Show. ;-) Zu zweit wäre das sicherlich haarig geworden, denn bei einigen Gelegenheiten brauchten wir rohe Gewalt, um die schweren Maschinen wieder flott zu
bekommen.
 Als die KTM dran ist, finden wir raus, daß nach dem Absägen einiger Äste (Dank an die vorhandenen Leathermans, ich brauche glaub ich auch
bald mal einen) ;-) und dem gekonnten Schieflegen der Maschinen (zu dritt kein Problem) der Platz auch etwas weiter zum Weg ausreicht, wo es nicht so schlammig ist. Die LC4 und Renates
Kiste finden so in wenigen Minuten den Weg unter dem Baum durch.
 Nach dem erneuten Bepacken und noch einigen weiteren interessanten Passagen erreichen wir den Paß und rasten erstmal ausgiebig.
Bei der Abfahrt auf der Nordseite wird es dann doch ein wenig heftig, da der Bach, der ansonsten ein wenig über die Straße Floß, dieses Jahr die Straße in ein gerölliges
Bachbett verwandelt hat. Renate geht die ersten Passagen zu Fuß und ich fahren ihre Twin über die kritischsten Stellen. An einer Stelle geht eine ordentliche Fels-Stufe Im Bach abwärts
und etwas unglücklich und mit viel zuviel Speed rutscht meine Twin von einem großen Block ab und steckt das
Vorderrad so unglücklich in eine Lücke, daß ich mit einem recht spektakulären fast-Kopfstand (das Hinterrad war
angeblich einen Meter in der Luft) mitten im Bach zum Stehen komme. Glücklicherweise ist die Kiste nicht
umgeschlagen. Die Stiefel sind natürlich restlos voll mit Wasser, aber das macht eigentlich nichts, es sollte nicht das
letzte Mal sein in den kommenden Tagen. ;-)) Einzig der Motorschutz hat seine erste neue Beule abbekommen,
aber wenn ich mir jetzt so anschaue, wie der heute aussieht, da war das nur der Anfang. Der Motorschutz hat sich
richtig an die Rahmenunterzüge angelegt, wie als wenn man Aluminiumfolie ein wenig angeformt hätte. ;-))
Als ich Renates Kiste über die Stelle fahre, gehe ich viel vorsichtiger an die Sache heran und siehe da, es klappt auch anders. ;-)
Unmittelbar nach dieser Stelle beginnt der Asphalt wieder
und wir erreichen die Hauptstraße. Hier rasten wir erstmal an einem Kiosk und pumpen zu viert zwei Zweiliterflaschen Cola ab. ;-) Unsere Kisten sind derweil eine Show für die Dorfjugend.
Im Anschluß erreichen wir ohne Zwischenfälle die Straße zu Wittmanns Hütte. Doch der Regen der letzten Monate hat auch hier seinen Tribut gefordert und wir passieren
zwei Stellen, wo der Fluß die halbe Betonstraße unterhöhlt hat und es sicher zu einem Abrutsch der Straße führen würde, wenn man mit einem Auto die falsche Straßenseite
entlangfahren würde. Wir benutzen die richtige Seite und erreichen das letzte Stück, wo es von der Straße abwärts
über Geröll- und Kiesstrecken geht, bis man durch die erst kürzlich renovierte Furt dann zu dem Feldweg gelangt, der zu Wittmanns Hütte führt.
In der zweiten Abzweigung war eine recht tiefe Auswaschung, die man einfach mit viel losem Kies aufgeschüttet hat. Chris fährt recht zügig durch und kommt doch arg in's schwimmen, danach Pauly. Getreu dem, was er in
Hechlingen gelernt hat, gibt er ordentlich Gas und die Kuh sprintet viel zu schnell in den Kies. Das Hinterrad driftet
seitlich ordentlich weg und aus irgendeinem Grund macht er den Hahn nicht zu. Mit einem Spektakulären Highsider im Kies macht die Kuh einen Abflug auf die 5m nebenan nach oben abzweigende Betonpiste, daß ich schon
dachte, der Urlaub wäre für Pauly gelaufen, bevor wir Wittmann erreicht haben. Ein unglaublicher Flug! Er steht
auf, als wenn nix gewesen wäre, einige blaue Flecken und Kratzer am Ego sind alles, was er davonträgt. Die Kuh
dagegen hat etwas gelitten, der Sturzbügel hat aber viel abgefangen und liegt ab sofort links am Zylinderschutz eng
an. ;-) Ansonsten ist eigentlich außer einigen Kratzerchen nichts passiert, wir sind alle sehr erstaunt. Es stinkt ein
bisschen nach Sprit, aber das ist bei einem Umfaller normal und das werden wir in den folgenden Tagen noch öfters riechen. ;-))
Egal, Karre aufrichten und nach den erforderlichen
Checks weiterfahren zur Furt, wo wir dann ohne weitere Zwischenfälle durchkommen und nach wenigen hundert Metern endlich bei Wittmann ankommen. Es ist mächtig
Betrieb, Sergio steht mitten in dem Hohlweg, der zwischen den zwei Campingwiesen hinauf zu unserem Häuschen am Eingang des Geländes führt und mit unseren schweren und dick bepackten Brummern sind wir die Show. Unter
großem Gejohle findet ein allgemeines Wiedersehen statt! Sergio begrüßt uns überschwenglich und hakt feierlich unsere Namen in der Teilnehmerliste ab. Er macht sich
doch so seine Sorgen, ob auch alle heil ankommen. Es ist so familiär und gleichzeitig fremd und cool, ich freue mich riesig, wieder bei diesem Haufen Verrückter dabeizusein.
Schnell begraben wir unser ursprüngliches Vorhaben, noch
schnell zur Cozia zu fahren, weil einfach zuviel Hallo ist, wir alle möglichen Leute begrüßen müssen und es auch Einiges zu sehen und zu organisieren gibt, die Hütte will bewohnt werden, die Moppeds müssen abgepackt
werden und wir wollen das Wittmannsche Abendessen genießen und uns auf der Terrasse bei dem phantastischen Blick über das Tal entspannen. Natürlich sind die Dänen
auch wieder da, das sind vielleicht ein paar Irre. ;-) Mit denen werden wir noch viel Spaß haben, besonders mit Thor, ein vollbärtiger Wikingertyp, immer am Lachen und ein begnadeter Endurofahrer.
Wir erhalten die Unterlagen und der Abend vergeht im Flug mit ersten Planungen zu den nächsten Tagen.
Für alle, die Enduromania nicht kennen, hier nochmal das Konzept: In den vier Wettbewerbstagen sind ca. 60
Kontrollpunkte betreut, die man in beliebiger Reihenfolge anfahren kann. An jedem besuchten Kontrollpunkt gibt es einen Stempel in dem Kontrollformular, was jeder Fahrer bzw. jedes Team mit sich führt. Am Donnerstag
Abend müssen die Formulare bis 22:00 Uhr abgegeben werden und am Freitag Abend erfolgt dann der Aushang der Gesamtwertung und die Siegerehrung. Die Wertung setzt sich zusammen aus einem gestaffelten Punktesystem
(je nach Schwierigkeit der Kontrollpunkte bekommt man zwischen 800 und 2000 Punkten für jeden angefahrenen Punkt. Weiterhin kann man sich Sonderpunkte durch Dokumentation von unbekannten Strecken oder
Umweltschäden erwerben. Die Anfahrten zu den Kontrollpunkten sind kurz beschrieben und nach Kategorien (Tourer/Reisenenduro/OffRoad) eingestuft, so daß man schon am Vorabend seine Tagesrouten planen kann.
Empfehlungen zu Unterkünften und geeigneten Anschlußrouten fehlen ebensowenig wie Tips zur Erleichterung (für Tourer) oder Erschwerung (für erfahrene Offroader) der Anfahrt sowie GPS-Koordinaten für einige
Kontrollpunkte. Eine Zeitwertung findet allerdings nicht statt und es gibt keine Sonderprüfungen. Die Veranstaltung hat also absolut touristischen Charakter. Den Schwierigkeitsgrad bestimmt man selbst.
Wir hatten uns vorgenommen, zwar in der Wertung mitzufahren, aber das ganze als Urlaubsvergnügen zu begreifen
und gelassen anzugehen, nicht zuletzt weil Renate sich doch lange nicht so sicher auf dem losen Untergrund bewegt
wie wir Jungs. Auf dem Camp treffen wir dann noch Andreas Schmidt, den wir auf dem FBI-Treffen in Maria Luggau kennengelernt haben. Er ist mit seinem recht jungen Kumpel namens Christian angereist, der direkt am
ersten Abend mit seiner DT80 einen üblen Zusammenprall mit einem anderen Enduromaniac hat, so daß beide ins
Krankenhaus nach Caransebes zur ambulanten Behandlung eingeliefert werden müssen. Der andere hat eine offene
Wunde am Fuß, die ihn erstmal ein wenig ans Bett fesselt. Sehr ärgerlich, das Ganze. Die beiden waren einfach zu
schnell unterwegs und hatten die schlecht einsehbare Kurve wohl offensichtlich falsch angegangen, wie auch immer. Augenzeugen gab es jedenfalls meines Wissens keine. Naja. Shit happens.
Später ist noch eine offizielle Einführungs- und
Willkommensveranstaltung, die recht lange dauert und mit vielen Ermahnungen garniert ist, nicht zu schnell zu fahren, auf die Leute und die Tiere zu achten, nicht nachts zu fahren, weil oft unbeleuchteter
Verkehr auf den Straßen unterwegs ist und die kleinen schwachen und abends auch oft verdreckten Endurolampen die Wege nicht ordentlich ausleuchten können (OK, von den Africa Twins hat keiner
geredet, hehe). ;-), und daß wir immer im Team fahren sollen. Allein an Kontrollpunkten ankommende Fahrer werden nicht gewertet und bekommen keinen Stempel. Das soll der Sicherheit dienen und den
Teamgeist fördern. Wir bleiben noch bis nach Mitternacht dabei, dann wird's uns aber zu spät und wir gehen runter in unsere etwas abseits stehende Hütte.
Hier haben wir den kompletten Hauptraum mit vier Betten im Parterre gemietet. Oben auf dem Dachboden (separater Eingang) befindet sich nochmals ein Matratzenlager mit sechs Betten, aber dort hat man lange nicht
soviel Platz wie unten bei uns. Wir kannten die Hütte noch vom letzten Jahr und haben uns dort so wohl gefühlt,
daß wir schon lange vor dem Termin diese Hütte gebucht hatten. Hier war ein wenig Ruhe vom allgemeinen Trubel
und wir hatten richtig tolle Betten mit Latexmatratze und ordentlichem Bettzeug. Wichtig, wenn man zerschlagen vom Moppedfahren nach Hause kommt und die Nachtruhe zur perfekten Erholung nutzen möchte. ;-)
Montag, 9.8.1999, 4. Tag, erster Wettbewerbstag: Cozia die erste, Luncavita, Canicea, Submargine, Plopu
Das Wetter ist super: Sehr gut! Gutgelaunt frühstücken wir und genießen das wirklich erstklassige Frühstücksbufet
bei den Wittmanns. Es gibt frisches Brot mit Butter, Wurst, Käse, Marmelade, Honig, frisch angesetzten und herrlich schmeckenden Frischkornbrei mit Obst, als Beilage zum Brot Paprika, Tomaten und Gurken, dazu Wasser
und Saft sowie natürlich Kaffee und Tee. Wir bedienen uns ordentlich, denn der Tag wird lang. ;-)
Schnell noch einige frische Flaschen Wasser kaufen und dann ab zur
Hütte. Hier werden erstmal die Sigg-Flaschen aufgefüllt und auf die Moppeds geschnallt, Pauly füllt seinen Trinkschlauch und wir machen die Moppeds erstmal fertig. Leichtes Gepäck ist angesagt,
keine Seitentaschen oder Koffer, nur Tankrucksack. Da muß aber alles drin sein, was man braucht, Reifenflickzeug, Reserveschlauch, Montierhebel, Luftpumpe, kleinere Ersatzteile und verschiedenes
Kleinzeugs, Fotoapparat mit Reservefilm und natürlich das Handy, falls mal 'was schlimmes sein sollte.
Dann ab in die leichten Enduroklamotten. Dieses Jahr habe ich mir
einen Brustpanzer besorgt und trage darunter nur ein T-Shirt, darüber ein leichtes Enduroshirt. Die Dainese Endurohose und ein Crosshelm (Levior Airmix) mit Uvex Crossbrille runden die Ausrüstung ab, so daß ich für
warmes Wetter ideal gerüstet bin. Außerdem habe ich die Twin wieder auf die Serienscheibe umgerüstet, das ist
wichtig für Sprünge (damit man sich stehend auf dem Mopped nicht den Hals an der Scheibe verletzt, wenn die Kiste mal vorne die Nase hochnimmt) und die Fußrastengummis abgenommen. Eh kloar. ;-)
So gerüstet fahren wir los. Renate ist noch nicht soweit, und wir beschließen erstmal zu Cozia Gipfel zu fahren.
Eine Hard-Enduro Strecke, die mit 5 km in unmittelbarer Nähe zum Wittmann liegt und sich daher für eine Sondereinlage vor oder nach einem normalen Tag anbietet. Letztes Jahr haben wir die abends nach einem langen
Endurotag auf der linken Arschbacke abgerissen (OK, ein wenig kämpfen mußten wir auch), aber dieses Jahr würde es sicher etwas schwieriger werden, da der Regen den Boden doch recht aufgeweicht hatte, im Gegensatz
zum letzten Jahr, wo alles knallhart durch die vorausgegangene Trockenheit war.
Tja, was soll ich sagen: Wir finden einfach den Einstieg
von der grob geschotterten "Hauptstraße" zur Cozia nicht. Endlich entscheiden wir uns für einen recht gut befahrbaren, aber doch recht ausgewaschenen Weg, der
auch schnell steil nach oben führt und nach einem Kilometer vor einem Gatter endet. Nach einer kurzen Pause öffnen wir das Gatter und fahren durch, nicht ohne nach uns das Gatter wieder gewissenhaft zu schließen,
damit das Rindvieh nicht abhanden kommt. Schnell wird die Strecke steiler und wir gewinnen schnell an Höhe und Aussicht. ;-) Wir fahren in dem sehr ausgewaschenen Hohlweg an der linken Flanke, wo er mit ca. 45 Grad
Neigung nach rechts zur Wegmitte abfällt, in der grobes Geröll von Blumenkohlkopfgröße liegt, welche fast
unbefahrbar ist. An einer sehr unübersichtlichen Stelle halte ich kurz an, um mich zu entscheiden, wie ich am besten
in der tiefen Auswaschung durchfahre, da höre ich hinter mir ein dumpfes Geräusch: Pauly ist mit der Kuh nach
rechts in den Graben gefallen, weil er sie nicht mehr rechtzeitig nach links kippen konnte. Vielleicht war er ein
wenig zu dicht an mir dran. Er meinte nachher, daß er wegen der längeren Übersetzung im ersten Gang in diesen schwierigen Passagen schneller fahren müsse als ich... Naja, blöde Sache jedenfalls.
Nachdem wir unter dem üblichen Benzingestank zu dritt die Kiste wieder aufgerichtet und nach links an den Hohlweg gelehnt hatten, sahen wir die Bescherung: Paulys rechte Fußrastenhalteplatte (ein komplexes und
wunderschön gefertigtes Ingenieurkunstwerk aus Alu-Druckguß) war einfach in der Mitte durchgebrochen. Folge: Keine Fußraste und keine Fußbremse mehr. So'n Mist!
Gut, was kam, war klar: Umdrehen und erstmal wieder zum Wittmann, mal sehen, ob man da was machen kann. Das Wendemanöver war etwas schwierig, aber gelang dann doch. Abwärts fahre ich dann auf einer Kuhwiese
neben dem Weg, das ist erheblich angenehmer. ;-) Auf dem Steilabwärtsstück brause ich voraus und komme driftend an der Brücke zum Stehen, wo wir von der Hauptstraße abgebogen sind.
Hier ist eine große Pfütze und ich halte an, um von den Jungs ein Foto zu machen, wie sie da durchfahren. ;-) Chris kommt auch recht spektakulär angeflogen, aber er
drosselt das Tempo bis fast zum Stillstand, weil mittlerweile eine Gänseschar den Weg blockiert. Er fährt langsam daran vorbei und als er fast vorbei ist, stellt er sich
auf die Fußrasten, um die Karre für eine möglichst fotogene Wasserdurchfahrt auszubalancieren. Durch diesen etwas ruhigeren Moment faßt der Ganter der Gänseherde sich ein Herz und beschließt, sich umzudrehen
und die böse LC4 von hinten anzugreifen. Mit weit ausgebreiteten Flügeln und laut schnatternd rennt er von
hinten auf die LC4 von Chris zu und beginnt etwas zu fliegen, mit dem Schnabel auf Chris' Allerwertesten zielend. Der bekommt das jedoch überhaupt nicht mit und beschließt in genau dieser Sekunde, den Hahn in einem
niedrigen Gang voll aufzumachen, um durch die Pfütze zu braten.
Der folgende Anblick war absolut köstlich, wie der Ganter einerseits vom plötzlichen Lärm des genau vor seiner Nase
befindlichen Auspuffes, andererseits vom Abgasstrahl und drittens vom Dreck, den das Hinterrad aufwühlte, gleichzeitig dreifach getroffen wurde und sich nach hinten überschlug. Pauly und ich, wir konnten uns mehrere
Minuten nicht mehr halten vor Lachen. ;-)) Chris' Gesicht war herrlich, als er ankam und eigentlich nur ein wenig durch eine Pfütze gefahren war und wir uns kaputtlachten
und er überhaupt nicht begriff, warum. ;-) Mir kommen jetzt noch die Tränen, wenn ich an diese Szene denke. ;-))
Naja, der Weg zum Wittmann war schnell geschafft und auch auf dem Rückweg finden wir den eigentlichen Einstieg zur Cozia nicht. Komisch. Pauly hat erstmal die Nase voll und will sich um seine waidwunde Kuh
kümmern. Nello (der wirklich begnadete rumänische Schrauber der Enduromania (Kernsatz: "Kein Problem"))
verspricht, die Halteplatte bis morgen in der nächsten größeren Stadt bei einem Freund schweißen zu lassen und
Pauly hat erstmal einen Ruhetag. Renate ist andererseits neben ihrem Bedauern für Paulys Pech hocherfreut, daß wir so schnell zurück sind und macht sich fertig für die gemeinsame Tour.
Gesittet geht's über Asphalt bis nach Teregova, wo wir diesmal richtig abbiegen (letztes Jahr hatten wir die Straße
verpaßt und landeten dann nach einer schlammigen und langen Waldfahrt am Brebu Nou) und die gut fahrbahre Geröllpiste nach Luncavita finden und bei schöner Aussicht oben auf dem Kamm entlang in's Dorf fahren. Ohne
Gepäck geht doch alles viel leichter, und es macht uns riesigen Spaß, wieder Gelände zu fahren.
Der direkte Weg von Luncavita nach Canicea scheint sehr schlammig zu sein, nach wenigen hundert Metern drehen
wir um, auf dieses Gewühle haben wir keinen Bock. Die reguläre Straße ist schon grob genug und wir fahren wieder runter ins Tal, um Canicea zu besuchen. Im Tal haben wir Handyempfang und ich versuche, die ADAC
Notrufzentrale in München wegen Paulys Pech zu erreichen. Das klappt auch alles soweit, aber man teilt uns mit, daß mindestens drei Werktage vergehen, bis das Teil in Bukarest angekommen ist. Von dort muß der
Weitertransport an eine sichere Adresse von einem rumänischen Partnerbüro des ADAC organisiert werden, man gibt uns eine Telefonnummer. Wir kalkulieren das schnell durch und kommen zu dem Ergebnis, daß selbst
dann, wenn alles glatt läuft, das Ersatzteil frühestens dann da ist, wenn die Enduromania vorbei ist. Andererseits
sehen wir ein, daß es einfach technisch nicht anders machbar ist, wenn man nicht einen persönlichen Kurier von München zum Wittmann losschickt. Wir beschließen, daß wir das Problem anders lösen. ;-)
Der Weg nach Canicea ist schnell gefunden und über Asphalt erreichen wir den netten Rumänen, der uns schon im
letzten Jahr sein Haus gezeigt hat und uns zur Übernachtung eingeladen hatte. Nach dem obligatorischen Stempel wollen wir eigentlich direkt wieder runter ins Tal, da der Weg weiter nach oben über HardCross
Discovery-Routen wieder in dem Tal landet, wo es zur Cozia abgeht, aber das wollten wir uns dann doch ersparen, denn der Rumäne erzählte uns in gebrochenem Englisch, daß der Boden doch sehr aufgeweicht sei.
Als wir den Rückweg anbrechen wollen, ist mitten auf der einzigen
Straße des Dorfes ein großer Menschenauflauf, der die gesamte Breite blockiert, an ein Durchkommen ist nicht zu denken. Wir halten erstmal an und warten die Szene ab. Es werden Madonnen
hochgehalten, aber für eine Prozession ist die Menschenmenge zu durcheinander. So nach und nach begreifen wir, daß es sich hierbei um ein Begräbnis handelt. Inmitten der Leute steht ein offener Sarg,
in dem ein alter Mann liegt. Am Sarg die engsten Familienangehörigen und ein laut betender Pfarrer. Einige der Trauergäste bemerken uns und schaffen eine Gasse mitten durch die
Trauergesellschaft und winken uns immer wieder, wir mögen doch herankommen und durchfahren. Zuerst traue ich
mich nicht, aber weil die Straße hier gerade sehr steil bergab führt, lasse ich mich ohne Motor leise vorbeirollen.
Eigentlich rollen wir hindurch, denn wir kommen direkt an dem offenen Sarg vorbei und sehen den alten ehrwürdigen Mann in seiner besten Sonntagskleidung darin liegen. Der Pfarrer nickt uns freundlich zwischen zwei
Gebetszeilen zu und wir sind fassungslos über die Freundlichkeit der Leute, die uns im Moment der tiefsten Trauer
freundlich durchwinken. Unglaublich. In Gedanken bei den Leuten fahren wir herunter zur Europastraße, wo wir uns wieder nach Norden wenden, um dort einige Kontrollpunkte zu besuchen.
Dieses Jahr gibt es einige neue Kontrollpunkte in der unmittelbaren Nähe zum Wittmann, um die weiten An- und
Abfahrten für die Jungs mit den leichten Kisten einzusparen. Einer davon ist Submargine, wo wir nach einer relativ
einfachen Fahrt über eine ca. 5 km lange leicht geröllige Piste mit einigen netten, schlammigen aber mit festem
Untergrund versehenen Löchern ankommen. Ein alter Kriegsinvalide haust dort einsam auf seinem alten Bauernhof
und betreut begeistert den Kontrollpunkt. Keine Ahnung, wie der da überlebt, denn er kann sich kaum selbst in seiner Umgebung bewegen, ein Arm und ein Bein fehlen ihm und mit Krücken humpelt er mühsam die Stufen in
seine Wohnung herauf. Wahrlich nicht behindertengerecht. Er könnte uns ja auch den Stempel auf dem Vorplatz zu
seinem Hof geben, wo er im Halbschatten der alten Bäume sitzt und den ganzen Tag auf Enduromaniacs wartet.
Wir sind nachmittags gegen 15:00 Uhr das zweite Team, das ihn besucht. Aber nein, für so wichtige Gäste wir wir
es sind, muß die gute Stube benutzt werden. Er versucht, sich uns verständlich zu machen, aber es gibt keinen Brocken Sprache, den wir gemeinsam sprechen. Nach dem Stempel und dem gescheiterten Versuch einer
Konversation verabschieden wir uns wieder und düsen auf unseren Großenduros davon. Was muß dieser Mann denken, wenn wir da mit knallbunten und topmodernen HighTech Kisten mit Funk, Satellitennavigation und
elektronischem Motormanagement ankommen und er jeden Tag organisieren muß, was er am nächsten Tag zu beißen hat? Und trotzdem ist er freundlich und positiv gestimmt (so steht es jedenfalls in Sergios Unterlagen).
Unglaublich. Es fällt mir kein besseres Wort ein, auch wenn man sich manchmal wiederholt. Das Land bietet einfach jeden Tag unglaubliche Erlebnisse.
Wir fahren langsam und nachdenklich wieder auf die Europastraße und beschließen, angesichts der noch wenig fortgeschrittenen Tageszeit noch zu versuchen, nach Plopu Brücke zu kommen. Der Weg geht an einem Fluß
entlang, der während der Regenperioden schlimm über die Ufer getreten war und große Zerstörungen angerichtet
hatte. Man hat allen Teilnehmern bei der Einführungsveranstaltung dringend davon abgeraten, den ansonsten bei der Enduromania sehr beliebten HardCross-Weg von Plopu zur Wetterstation Cuntu zu fahren, weil er einfach
nicht mehr da wäre. Mit Saumpferden könne man noch gerade so eben hoch, mit Moppeds sicher nicht.
Na denn. Bis Plopu werden wir's doch wohl noch schaffen. Letztes Jahr war der Weg ein Kinderspiel.
Allerdings nicht so dieses Jahr. Nicht umsonst gab es zum Erreichen dieses Kontrollpunktes die doppelte Punktzahl. ;-) Der Fluß hatte seine Windungen kurzerhand um etliche
Meter nach außen verlegt und dabei Straßen, Brücken und Häuser, die im Weg standen, einfach weggerissen. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die erste Stelle, wo die
Straße nach einer abrupten Kurve einfach aufhört und einige Meter weiter unten der Fluß entlangfließt.

Wir drehen um, um uns die provisorische Furt anzuschauen, die die Talbewohner angelegt haben. Wir
beschließen, daß man da durchfahren kann und machen uns fertig. Renate zieht es vor, in der Nachmittagssonne darauf zu warten, daß wir mit abgestoßenen Hörnern und mit Stempel wieder zurückkommen und macht es sich
neben der Twin auf dem von den Tieren der Dorfbewohner der umliegenden Dörfer kurzgehaltenen Rasen bequem.
Mit viel Schwung pflügen wir durch die Furt und fahren die
recht provisorische und offensichtlich erst seit einigen Tagen erschlossene "Straße" durch einen kleinen verlassenen Steinbruch weiter. Nach einigen hundert
Metern kommt die reguläre Straße auf die andere (unsere) Flußseite über eine noch intakte Beton-Brücke, so daß wir wieder auf ihr weiterfahren können. Nach einiger Zeit
erreichen wir ein Dorf, das seit dem Hochwasser in zwei Dörfer gespalten ist, weil die Brücke über den Fluß eingestürzt ist.
 Keine Ahnung, wie man überhaupt in die recht eng an den
Berghang auf der anderen Seite gekuschelte Dorfhälfte gelangen kann... Weiter geht's über geröllige und provisorische Pisten und immer wieder an der durch Erdrutsche schwer beschädigten Straße entlang
flußaufwärts. Hier braucht man wirklich geländegängige Autos, denken wir uns und staunen nicht schlecht, als wir einen einheimischen mit dem allgegenwärtigen Dacia
(einem Renault 14 (glaub ich) Lizenz-Nachbau) begegnen, der uns freundlich begrüßt. Irgendwie muß der das durch die Furt und die anderen Offroad Stellen geschafft haben.
Doch dann gelangen wir an die Stelle, an der nachher die spektakulärsten Fotos des Tages entstehen sollten. Die Straße befand sich einst da, wo der Fluß jetzt war.
Übriggeblieben war nur ein ca. 50 cm b reiter Weg, der direkt rechts an dem Steilhang und links am Abgrund entlangführte, den Fluß direkt ca. vier Meter unterhalb. Ausweichen war wegen der Steilhänge nicht möglich, entweder
umkehren oder durch. Skeptisch gingen wir den Weg erstmal zu Fuß ab. Etliche Moppedspuren zeugten davon, daß vor uns schon einige Kämpen den Weg
geschafft hatten. Auf dem halbmeterbreiten Stück (ca. 30m am Abgrund lang) war in der Mitte die einzige mögliche Spur schon recht tief aufgewühlt. Wenn wir da steckenbleiben würden, dann gute Nacht!
Mit recht mulmigen Gefühlen stiegen Chris und ich wieder auf die Kisten, aber so kurz vor dem Ziel wollte keiner
aufgeben. Langsam und vorsichtig fußelten er und ich uns nacheinander durch die kritische Passage. Mit der BMW wäre das allein schon wegen der hervorstehenden Zylinder nicht möglich gewesen. Einerseits wäre der
rechte am Berg hängegeblieben und andererseits ist das Fußeln mit diesen Fußangeln im Weg sicher auch nicht besonders angenehm. Nach der Bewältigung der Passage waren wir nach ca. 300m mit noch einigen gefährlichen
Erdrutsch-Stellen im Wald am Kontrollpunkt, der sehr malerisch am Flußufer auf einem Rasenstückchen gelegen ist und wo man prima im Fluß baden kann. Der Betreuer
dieses Punktes spricht sehr gut Englisch und so unterhalten wir uns angenehm. Nach einer Erfrischung am Fluß und einigen Fotos geht's wieder weiter zurück auf die enge
Passage. Diesmal wollen wir einige Fotos machen, so daß wir etwas länger als auf der Hinfahrt brauchen. ;-)
Nach einigen hundert Metern nach der glücklich bewältigten Passage treffen wir wieder auf die auf der Hinfahrt
getroffenen Rumänen mit ihrem Dacia. Sie halten uns an und bieten uns einen Schluck aus der Evian-Flasche an,
ein Getränk, das wie Apfelsaft aussieht und unsere durstigen Kehlen mit einem recht eindeutigen Verlangen erfüllt.
Ich probiere zuerst und nehme einen ordentlichen Schluck. Als sich das Zeug dann im Mund als lauwarmer und ordentlich strammer selbstgebrannter Obstler (wir erfahren am letzten Tag, daß man das Getränk hierzulande
"Zuika" nennt und das in jedem Dorf jemand seinen eigenen brennt) entpuppt, erschrecke ich doch nicht schlecht.
Ausspucken kommt nicht in Frage, ich will die Leute doch nicht brüskieren. Aber auf unsere seit dem Morgen nicht mehr mit Nahrung versorgten und stark überhitzten Körper, wo der Puls durch die zumindest für mich ungewohnte
Anstrengung schon bis zum Hals schlägt, ist ein kräftiger Schluck diesen Saftes doch ein ordentlicher Hammer. Chris glaubt meinen Warnungen nicht und denkt, ich will
ihn verarschen und nimmt sich auch einen ordentlichen Schluck, nicht ohne nach einigen Sekunden einen sehr interessanten Gesichtsausdruck aufzuweisen. ;-)) Leicht
schwindelig verabschieden wir uns von den beiden, nicht ohne mit einer erheblichen Kraftanstrengung weitere Zuikas höflich, aber bestimmt abzulehnen. Wenn die das
Zeug den ganzen Tag trinken, dann sind die ja ständig blau! ;-))
Bis zur Furt, an der Renate auf uns wartet, verläuft alles ohne Zwischenfälle, wenn man die gelegentlichen
Foto-Stops mal nicht mitzählt. Durch die Furt geht's dann in wilder Fahrt, weil Renate am anderen Ufer mit gezückter Fotokamera auf uns wartet und wir da natürlich
eine ordentliche Show hinlegen wollen. Etwas ungeschickt bleibe ich aber leider mitten im Fluß hägen, was natürlich einen deftigen Lacher und patschnasse Stiefel zur Folge
hat. ;-) Zumindest lege ich mich nicht ab. Naja, Hauptsache, Spaß gehabt. ;-) Noch einige Male fahren wir immer schneller durch die Furt und haben unseren Jux, während Renate kopfschüttelnd daneben steht. ;-)
Irgendwann brechen wir dann doch noch zur Heimfahrt auf und kommen
dann auch ohne weitere Zwischenfälle an der Furt zum Wittma nn an, wo Pauly schon seit einer Stunde mit Fotoapparat auf uns wartet. Wieder wird gefurtet und fotografiert, wir haben viel Spaß. Renate fährt fast
noch eine Kuh (also nicht Paulys, sondern so eine richtige) um, die gerade in der Furt mitten auf der Fahrbahn Wasser trinken will und sich natürlich
überhaupt nicht durch irgendwelche dahergefahrenen Moppedfahrer davon abbringen lassen will. ;-) Nach dem anschließenden Ausweichmanöver hatte Renate dann einen kleinen Umfaller in dem weichen nassen
Kies neben der Furt. Aber auch dieses Problem kriegen wir dann schnell in den Griff und mit Pauly auf dem Sozius erreichen wir dann die Hütte, wo wir erstmal die geschweißte Fußraste an der BMW
bewundern, ein erstklassiges Stück rumänischer Handwerkskunst. Für 50,- DM ist Pauly wieder flott, so daß wir frohen Mutes zum feudalen Drei-Gänge Abendessen schreiten können.
Nach dem Essen wird natürlich viel erzählt und auch unter den Gruppen werden Erfahrungen ausgetauscht, es herrscht ein toller Teamgeist und es macht viel Spaß,
dazuzugehören. Der Rest des Abends vergeht mit Planungen für den nächsten Tag und hundemüde fallen wir rechtschaffen Müde in die Federn.
Dienstag, 10.8.1999, 5. Tag, zweiter Wettbewerbstag: Muntele Mic, Cuntu, Borlova, Zlagna, Varciorova, Ilova
Heute sollte der Höhepunkt der vier Wettbewerbstage
kommen, die Bewältigung des Wegs zur Wetterstation auf dem Cuntu mit dem anschließenden Versuch, den Tarcu-Gipfel zu bezwingen. Der Tarcu ist der legendäre höchste Gipfel des Muntele Mic Massivs und man kann
mit etwas Geschick auf einem Geröll-Wanderweg bis zum Gipfel hochfahren. Sagen die Leute. Wir wollten das heute mal mit unseren Kisten ausprobieren. Na denn. Heute wollte Andreas uns mal begleiten, kein Problem, wir
heißen ihn und seine Tenere herzlich willkommen und offensichtlich hat er auch kein Problem mit Geländefahren, trotz einiger Tiefstapelei seinerseits fährt er uns ordentlich um die Ohren. ;-)
Die Auffahrt zum Muntele Mic ist einfacher dieses Jahr als letztes Jahr. Offensichtlich hat man einiges an der Straße
repariert, so daß die schwierigen Passagen des letzten Jahres keine Probleme mehr machen. Oben in der Berghütte
treffen wir einen Wirt, der gleichzeitig auch Meteorologe ist und eine Wetterstation unterhält. Wie das Wetter denn
wohl wird, fragen wir ihn. Er gibt uns detailliert Auskunft und meint dann, wir könnten uns auf seine Prognose
verlassen, er habe SAT 1 geguckt. ;-)) Ob wir eine Möglichkeit für Beschaffung von Ersatzteilen für Motorschlitten
haben, will er dann wissen. Lustigerweise fährt Chris mit den Speditions-LKWs regelmäßig bei der Firma Rotax in der Nähe von Linz an, so daß die Beschaffung des benötigten Zahnriemens kein Problem darstellen sollte.
Gemeinsam gehen wir runter zum Bob und schreiben und die Maße für das wichtige Antriebsteil auf. Im Winter
liegen hier mehrere Meter Schnee und der Skibob ist das einzige Transportmittel, was hier zuverlässig funktioniert. Nach aufwendigem Adreßaustausch und Verabschiedung mit dem Versprechen, über einen Verwandten des
Hüttenwirtes in Graz miteinander in Kontakt zu bleiben, fahren wir den hochgefahrenen Weg wieder herunter und biegen bei den Ruinen von Dacias Hütte links ab zum Cuntu.
Nach einer kurzen Rast machen wir uns auf den Weg, der eigentlich
recht nett zu befahren ist, aber teilweise doch recht steil wird. Nach einem unangenehmen Steilstück, bleiben wir auf einem kleinen Hochplateau mit toller Aussicht stehen und Renate beschließt hier
erneut auf uns zu warten, so daß wir auf sie keine Rücksicht nehmen müssen. So können wir hochmotiviert die wunderschöne Strecke durch den Wald in Angriff nehmen, die als Höhenweg zwischen dem
Muntele Mic und dem Cuntu fungiert. Immer wieder geht es steil bergauf und auch wieder bergab, heftige Schlammlöcher und teilweise schwierige Waldpassagen machen das Fahren interessant.
Im letzten Teil häufen sich die recht gerölligen Steilauffahrten. Bei einer davon stürzt plötzlich Andreas. Chris war
vorneweg gefahren und hat die Passage so gerade eben geschafft und uns über Funk gewarnt, aber es kam wohl
doch etwas zu spät. Pauly kann nicht mehr rechtzeitig anhalten und stürzt wieder auf die rechte Seite. Scheiße! Ich
kann etwas weiter unterhalb noch recht gut anhalten und gemeinsam stellen wir den Schrott erstmal wieder gerade.
Die Tenere hat außer einigen Kratzern nichts abbekommen, aber die Kuh hat wieder die Fußrastenhalteplatte
gebrochen, allerdings neben der Schweißnaht. So'n Käse. Pauly bietet uns an, daß er alleine zurück zu Renate fährt
und wir weiter fahren zum Kontrollpunkt. So wird's dann auch gemacht. Mit viel Mühe schaffe ich es, im dritten
Versuch an einer etwas tiefer gelegenen Stelle anzufahren und einen vernünftigen Einstieg in die Steilpassage zu
finden. Sie erfordert wirklich mein ganzes Fahrkönnen und um ein Haar wäre ich auch gestürzt, kann die Twin aber noch gerade abfangen. Einige hundert Meter hinter dieser
Unglücksstelle lichtet sich der Wald und wir sind auf der Alm angelangt, auf der sich die Wetterstation befindet.
Wir kommen erschöpft aber glücklich an und können
während der Stempelprozedur kaum unsere Blicke von dem wirklich sehr gelungenen Bauchnabelpiercing lassen, welches den Bauchnabel einer hübschen rumänischen
Wanderin ziert, die uns in leidlichem Deutsch fragt, ob wir denn so nett wären, ihre Rucksäcke mit auf den Tarcu zu nehmen. Ein gewisses Gefühl beschleicht mich, daß sich
der Deal sicher irgendwie lohnen würde, aber da wir ja eh nicht zum Tarcu wollen bzw. können, lehnen wir dankend ab. ;-) (Autsch, Renate, nicht immer so fest hauen! ;-))
Anschließend fahren wir, nicht ohne uns von der netten Wanderin und ihren Freundinnen zu verabschieden, noch ein Stückchen den Weg zum Tarcu herauf. Relativ schnell wird es grob geröllig und wir beschließen, daß wir
sowas eigentlich nicht brauchen. Das ist reine Materialschlacht und letztendlich wollen wir ja doch irgendwie mit heilen Kisten zuhause ankommen.
So drehen wir um, nicht ohne einige Fotos gemacht zu haben. Im Wald etwas unterhalb der steilen Unglückspassage treffen wir Pauly, der völlig abgekämpft die ganze Zeit gebraucht hat, um seine Kuh zu bergen
und sie dabei auch noch einige Male hat umkippen lassen. Irgendwie beschleicht mich ein schlechtes Gewissen, da
hätten wir ihm wirklich bei helfen können. Immerhin stand sie aufrecht, als wir nach oben weiterfuhren, aber ich
wollte ihm ja auch nicht zu nahe treten, indem ich ihm unterstelle, er bekommt seine Kiste da nicht selbst wieder flott. Hmtja, dumm gelaufen, sorry nochmal, Pauly. ;-)
Mit etwas Wut im Bauch prügelt er die Kuh durch die
Schlammlöcher, was von hinten recht spektakulär aussieht. Recht zügig kommen wir wieder bei Renate an, wo wir erstmal ausgiebig rasten und die Aussicht genießen. Anschließend geht es gemeinsam wieder runter nach
Borlova, wo wir uns aufteilen.
Renate und Pauly fahren über Straße nach Varciorova, während Andreas, Chris und ich Lust auf eine Discovery über Zlagna nach Varciorova haben. Außer grob
geschätzten GPS-Koordinaten und einer groben Karte haben wir nichts an Informationen. Der Weg über die
Straße ist sicher mit 40km fast dreimal so lang wie der Weg, den wir zu bewältigen hatten, allerdings ging's bei uns
über schlimme Feldwege und feucht-schlammige Wiesen durch's Unterholz. Mittlerweile war die Mittagshitze voll über uns hereingebrochen und in dem Tal mit lichten Obstwiesen und immer wieder Zäunen, die uns die
Weiterfahrt versperrten, hatten wir unsere liebe Müh, den richtigen Weg zu finden.
Nachdem wir dreimal umgekehrt waren, kamen wir endlich in Zlagna an und fragten uns zu dem Checkpoint durch.
Das von den Betreuern bereitgehaltene eiskalte Mineralwasser war eine Wohltat, auch wenn man es sich einfach über den Kopf gießt, so daß es in den Kragen und über den Bauch läuft. ;-))
Dann beginnen wir, uns nach dem Weg nach Varciorova
zu erkundigen. Angeblich gibt es den nicht. Er steht aber in der Karte, so daß wir einfach nach GPS fahren und am Ortsausgang ein anderes Team Enduromaniacs finden.
Einer von denen spricht leidlich rumänisch und palavert mit einigen Einheimischen herum. Es stellt sich raus, daß es einen Weg gibt, aber man muß ein wenig improvisieren
und der Einheimische würde gerne uns führen. Immer wieder ist die Rede von "Dann müßt ihr das lange Stück durch das Wasser". Ich hatte keine Lust auf Wasserspielchen, aber wenn es denn keinen anderen Weg
gab? Angeblich sollte das Wasser auch nicht tief sein und einen festen Untergrund haben. Na denn, Kneifen ist was für Schwuchteln und so entschlossen wir uns, das Angebot des Rumänen anzunehmen.
Ich nehme ihn auf den Sozius und wir fahren irgendwo im Dorf rechts ab auf einen kleinen Hohlweg, der auf einmal mit Wasser gefüllt ist. Hohe Bäume säumen den Hohlweg und durch das ganz schwarze und undurchsichtige
Wasser kann man nichts sehen. Ich fahre mit einem sehr mulmigen Gefühl weiter, stehenbleiben will ich nun auch
nicht. Es geht überraschend gut und nach einigen hundert Metern bedeutet mich unser Führer, daß ich einer Rampe
folgen soll, die nach rechts aus dem Hohlweg herausführt. Auf der Auffahrt gibt es einen leichten Umfaller, zu Zweit bin ich das einfach nicht gewohnt... Zum Glück ist ihm nichts passiert und lachend
hilft er mir, die Kiste aus dem Schlamm zu ziehen. Weiter geht es rechts über eine steile Obstwiese, wo normalerweise wohl niemand lang fährt. ;-) Am Ende ist ein
zwischen Bäume und Sträucher geflochtener Zaun, wo es absolut nicht mehr weitergeht.
Kein Problem, bedeutet er uns und fängt an, den Zaun abzureißen. Als er der
Meinung ist, daß er genug abgerissen hat, winkt er mich durch. Ich bin skeptisch, aber versuche es trotzdem, als er immer wieder winkt. Natürlich hänge ich fest, die
Steigung ist recht steil und ich wühle mich mit einem Mordsgetöse durch den Zaun. Die Obstwiese oberhalb des Zaunes ist noch steiler als die unterhalb und ich komme
nurm it Mühe zum Stehen, um ein Foto zu machen, wie meine Mitstreiter durch das Unterholz brechen. Aber Chris ist so schnell dadurch, daß ich nur noch Andreas erwische. ;-)
Als wir durch sind, beschreibt uns der Rumäne noch ein wenig den Weg und wir hoffen, daß wir ihn behalten haben. Zuerst einmal fahren wir immer weiter aufwärts, bis wir nach einigen Steilauffahrten über matschige
Obstwiesen und Viehpfade auf einmal ein Hochplateau erreichen, kurzes Gras, fast wie Rasen liegt da und wir haben einen wunderschönen Rundumblick. Wir fahren einfach nach GPS weiter und kommen auf einen
Höhenweg, der uns Richtung Varciorova führt. Der Weg abwärts in das Tal ist trocken und staubig, was bei unserem recht hohen Tempo eine coole Staubfahne erzeugt. Wir halten an und machen wechselseitig
Aufnahmen, wie wir den Berg hinunterbrettern. Mich packt es fast hin, als ich mich etwas überschätze und zu schnell den Hohlweg hinabkomme. Mit einem riesigen Satz springe ich über den Rand und zwei weitere
Auswaschungen dahinter und komme irgendwie zum Stehen, keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, ich dachte wirklich schon, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Zuviel gewagt und fast verloren. Mannomann!
Nach den Fotos geht's flott weiter runter ins Tal, wo sich
mal wieder ein Fluß befindet, der in einer netten Furt durchquert werden will. ;-) Die Furt ist so schön übersichtlich, aber trotzdem tief genug, um für spektakuläre Fotos gut zu sein. Deswegen geht es einige
Male hin und her und die Kameras klicken. Einige rumänische Kinder, die dabei stehen, fragen sich wahrscheinlich, was diese Idioten da machen. ;-))
Direkt hinter der Furt ist die Schotterstraße und wir
vermuten (nach GPS-Angaben), daß es nach links Richtung Varciorova geht, wo wir uns mit Renate und Pauly wiedertreffen wollten. Die Straße ist breit und trocken, so daß wir in schneller Pistenfahrt und eine irre
Staubwolke hinterlassend die 5 km zum Dorf brausen. Im Dorf drosseln wir das Tempo und bekommen Funkkontakt zu den anderen. Renate lotst uns zum Treffpunkt, den sie mangels Unterlagen auch nur per
GPS-Koordinaten gefunden haben. Cool!
Am Treffpunkt begrüßt uns der Betreuer, ein netter Schmied, der auch einige Jahre in Deutschland war und gebrochen deutsch spricht.
Nach einer netten Cola, die uns etwas erfrischt, kommen wir irgendwie auf Paulys kaputte Fußraste zu sprechen. Der Schmied fragt uns, was denn da los sei. Wir zeigen ihm das Malheur und er fängt direkt an zu
schrauben.
In einer halbstündigen Aktion, die ich ausführlichen fotografieren mußte, so faszinierend war sie, schmiedet er zwei Bandstähle auf die Aluplatte, die
Paulys Fußraste hält. Mit vier dicken Alu-Nieten werden die Bänder auf der Platte befestigt und schon kann Pauly wieder fahren. Unglaublich. Das
Werkzeug in der Schmiede ist größtenteils selbstgemacht und die Maschinen uralt. Wir sind beeindruckt von dem Können dieses Mannes. So nebenbei zeigt er uns noc h stolz sein Badezimmer, wo er in
monatelanger Kleinarbeit eine Badewanne aus Beton selbst geformt hat, mit Schmuckornamente n und einer eleganten geschwungenen Form. Wahnsinn.
Nach einer
ausführlichen Verabschiedung fahren wir wieder zurück zur Hauptstraße und erzeugen wieder eine riesige Staubwolke, das macht Spaß, hehe. Ist aber wohl nicht so lustig für die Leute, die hinten fahren, wie
man am Funk so hört. ;-)) An der Hauptstraße fahren wir wieder zurück Richtung Wittmann und trennen uns nach einigen Kilometern, da Andreas, Chris und ich noch
schnell einen Checkpoint machen wollen, der am "Wegesrand" liegt. ;-)
Schnell fahren wir die Asphalt straße nach Ilova rauf. Oben im Dorf angekommen beschleicht mich so ein komisches Gefühl und ein
klärender Blick bestätigt das Schlimmste: Reifenpanne. Mal wieder bei mir und wieder hinten. Grmpf!
Also Karre aufbocken, Panzer ausziehen und Werkzeug raus. Hinterad
ausbauen und Montierhebel ansetzen, Mantel wegdrücken, an der dem Ventil gegenüberliegenden Felgenseite ins Tiefbett drücken und dann mit den Hebeln den
Reifen über das Felgenhorn heben. Der Schlauch ist völlig zerfetzt und über den halben Umfang aufgeschlitzt. Wie kann das passieren? Einer der umstehenden Rumänen findet die Lösung: Ein ca.
4cm langer Holzkeil hat sich durch den Mantel in den Reifen gedrückt. Unglaublich, ich frage mich, wie das geht? Ich habe nur Flickzeug dabei, aber keinen Ersatzschlauch.
Zum Glück hat Chris einen dabei und wir bauen den ein. Nach einer halben Stunde ist alles wieder OK und wir fahren los zum Kontrollpunkt. Chris wollte vorher schon
dahin, aber der Betreuer verweigert ihm den Stempel, weil wir immer im Team ankommen sollen. Ist ja auch gut so.
Ich mache noch einige Fotos von dem sehr malerisch am
Hang im Sonnenuntergang liegenden Dorf und dann geht's im Eiltempo nach Hause zum Wittmann. Erstmal unter die Dusche und dann zum Abendessen. Hmmm, ist das lecker!
Hundemüde fallen wir in die Betten.
Mittwoch, 11.8.1999, 6. Tag, dritter Wettbewerbstag:
Heute ist Sonnenfinsternis und wir wollen möglichst nahe an die Stelle, wo die Eclipse ist. Renate hatte eine
Asphaltroute ausgesucht und wir machen uns auf den Weg. Als wir unterwegs sind, erkennen wir, daß der Weg um die Muntele Mic Berge, den wir herausgesucht haben, möglicherweise zu weit ist und wir den Bereich der
Sonnenfinsternis nicht rechtzeitig erreichen. (Noch etwas später erkennen wir, daß wir die Zeitverschiebung zur GMT nicht berücksichtigt haben, aber egal). ;-)
Also drehen wir um und als wir gerade bei Teregova
vorbeigefahren sind, wird mein Hinterrad wieder so weich. Diagnose: Reifenpanne. Scheisse! An der Tankstelle, wo wir gerade tanken wollten, aber nichts bekommen hatten,
da mal wieder Stromausfall war, halten wir unter einem kleinen Vordach und bauen das Hinterrad wieder aus. Es stellt sich raus, daß das Loch im Mantel, daß von dem
eindringenden Holzstück dort hinterlassen worden ist, den neuen Mantel beschädigt hat. Also: Ein neuer Mantel muß her. Pauly und Andreas fahren los zum Nello, unserem Enduromania Mechaniker, um einen neuen Reifen zu
besorgen. Währenddessen flicken wir den Mantel.
Nach einigen Stunden komme n die beiden mit einem völlig abgefahrenen Barum Stone King zurück. Immerhin ist er besser in Schuß, als mein
eigentlich noch guter T63, er hat nur einige Nagel-Löcher. ;-) OK, Reifen drauf, aber er will nicht in das Horn springen. An der Tankstelle sind einige Trucker und ich frage die nach Druckluft. Einer
erbarmt sich meiner und wir gehen an seinen Laster, um den Mantel mit Bremsdruckluft in das Horn zu pressen. Erst nach brutaler, nachdrücklicher
Bearbeitung mit einer Eisenstange durch den Trucker springt der Reifen dann endlich nach etlichen Minuten in die Felge und endlich kann das Rad eingebaut werden. Weiter geht's Richtung Norden, in
den Kernschatten des Mondes bei der bald anstehenden Sonnenfinsternis. Die Sonne ist schon zu einem Viertel verschwunden, aber wir wollen noch 20 Kilometer weiter nach Norden.
Als es langsam dunkel wird, packen wir uns auf eine Wiese und
genießen das Schauspiel. Pauly legt sich der Länge nach auf seine BMW, die z.Zt. wieder mit vier Fußrasten rumfährt und der Rest haut sich ins Gras. Einige hundert Meter weiter ist eine Rinderherde
und ein Hirte spielt eine romantische Weise auf seiner Hirtenflöte. Wir wissen nicht, ob er überhaupt begreift, was passiert. Es ist ein sehr ergreifender Moment. Leider haben wir etwas Wolken, so daß
wir nicht alle Phasen immer sehen können, aber die wichtigesten Momente waren frei und wir konnten auch dir Korona sehen. Ein toller Augenblick.
Als die Sonne wieder zum Vorschein kommt, fahren wir wieder los, entdecken aber, daß es mittlerweile ganz
schön kalt geworden ist, die Temperatur ist um gut 15 Grad gefallen und darauf sind wir nicht eingerichtet. Wir
frieren die nächste Stunde wie die Schneider, bis es dann doch wieder wärmer wird. In Poiana Marului haben wir
nach einem kurzen Verfahrer (zuerst suchten wir in dem alten Hotel nach dem Checkpoint, der da letztes Jahr war
und wo wir letztes Jahr schon ermutet hatten, daß der Laden bald einstürzt, so baufällig war der...). Schnell den
Stempel geholt und ab zurück auf die Hauptstraße. In Anbetracht des fortgeschrittenen Tages beschließen wir, nicht weiter nach Westen zu fahren, sondern drehen um nach Osten, um die Gegend um Caransebes abzugrasen.
;-)
Zuerst fahren wir also nach Var, ein kleines, sehr rustikales
Dörfchen, welches über eine kurze Schotterpiste schnell erreicht ist und wo wir einige Kinder nach dem Kontrollpunkt fragen. Die mutigsten Jungs setzen sich hinten auf die Soziussitze und wir fahren vorsichtig mit
denen zum Checkpoint.
Wir reißen uns los von den netten Leuten und fahren weiter zurück zur Hauptstraße. Nun wollen wir noch nach Rugi. Da kommen wir über eine Piste hin, die von der
Straße nach Resita abgeht. Gesagt, getan, nach wenigen Kilometern sind wir dort. Im Dorf verfahren wir uns
erstmal und irren ein wenig durch die steilen Gassen, bis wir den Kontrollpunkt finden. Er liegt auf der anderen
Seite des Dorfbaches und man muß über einige Steine dorthin springen, um keine nassen Stiefel zu bekommen. Auch hier holen wir uns den Stempel ab, nicht ohne das angebotene Erfirschungsgetränk dankbar anzunehmen. Auf
dem Weg hierhin kamen wir an etlichen Gänsehorden vorbei, einige davon sind richtig frech. Wir taufen Rugi also folgerichtig als "das Dorf der Wehr-Gänse". ;-) Oder
heißt es in Analogie zum Werwolf "Wergans"? Keine Ahnung. ;-))
Hier passiert mir eine der beeindruckendsten Szenen des Urlaubs, als ich die Moppeds im Dorf fotografieren will.
Ich gehe rückwärts auf ein Haus zu, während ich durch den Sucher der Kamera blicke, um einen weiteren
Blickwinkel zu erhalten. Dabei stolpere ich über einen Stein, der am Boden liegt. Das ist allerdings nix besonderes,
da liegen hunderte Steine, überall! Eine alte Frau läuft um mich herum, offensichtlich Entschuldigungen stammelnd,
und räumt mir den Stein aus dem Weg. Mir, der ich nach Rumänien gekommen bin, um Steine, Dreck, Offroad zu sehen. Diese unglaubliche Höflichkeit der Leute in ihrer Armut macht mich dann doch betroffen.
Wir fahren zurück über die Hauptstraße nach Süden, wieder Richtung Wittmann. Bei unserer Raststation vom letzten Jahr direkt an der Europastraße halten wir wieder
an (in Sadova Veche) und bestellen das teuerste Menü von der Karte (ein Schnitzel mit Pommes für weige Mark). Auf der Europastraße donnern einige Teams an uns
vorbei, unter anderem die Dänen, allen voran Thor, der in tief über den Lenker gebückter Haltung alles aus seiner XT550 herausholt. ;-))
Wir brechen auf und wollen noch nach Sadova Nova, um
den Checkpoint einzusacken. Wir erreichen ihn auch nach kurzer Fahrt, aber (das gibt's doch gar nicht) schon wieder eine Panne bei mir hinten. Unglaublich. Nach dem
Ausbau wieder mitten im Dorf stellt sich raus, daß diesmal ein Hufnagel der Schuldige i st. Naja das kennen wir ja schon vom letzten Jahr. Also Reifen runter. Das ist aber bei dem Barum recht
schwierig, da er, um die Felge bei Fahrten über steinige Pisten zu schonen, sehr weit über das Felgenhorn geht und daher ein Montierhebel recht schwierig anzusetzen ist... Es gelingt
schließlich und wir konnten den Reifen flicken und wieder einbauen, aber er will keinen Druck aufbauen. Die CO2-Patronen von pauly nützen auch nix. Drei verschiedene Luftpumpen werden ausprobiert, (die beste war
übrigens die eines Rumänen, an der am Ende ein kurzes Stück Schlauch ist, damit man sich etwas freier bewegen kann und nicht immer drauf achten
muß, daß man das Ventil nicht umknickt, wenn man die Pumpe auf das Ventil aufsetzt).
Wie dem auch sei, der Reifen baut keinen Druck auf und wir müssen
ihn wieder ausbauen. Mittlerweile fängt es an zu regnen und wir ziehen uns in eine nahegelegene Hofeinfahrt zurück. Wir finden das Problem: Bei der Montage haben wir offensichtlich den Schlauch mit
den Montierhebeln beschädigt. Hrmpf! Zum Glück hat Pauly noch einen Elefantenschlauch da, den bauen wir erstmal ein. Nach der vorsichtigen Montage klappt dann auch alles und wir können den
Reifen aufpumpen. Mittlerweile hatte der Regen auch aufgehört und wir können wieder nach draußen gehen, das Rad einbauen und die Fahrt fortsetzen, nicht ohne uns ausgiebig bei den netten Rumänen zu bedanken.
Mittlerweile ist es dämmrig geworden und wir wollen nach Hause. Als wir an der Furt vom Wittmann sind, ist es
fast dunkel geworden und wir verzeichnen noch einige kleinere Stürze an der Furt und am Häuschen, beim Parken
auf den schrägen Wiesen, aber endlich kommen wir an und sind heilfroh, daß wir den Tag hinter uns gebracht haben. ;-)
Donnerstag, 12.8.1999, 7. Tag, vierter Wettbewerbstag: Semenic und Cosava
Heute wollten wir eigentlich eine ruhige entspannte Runde teils über bekannte Checkpoints in Richtung Südwesten drehen, denn wir und besonders Renate sind alle etwas erschöpft von den vergangenen Tagen.
Als Sergio uns fragt, ob er sich uns als Führer anschließen
dürfe, sind wir dann auch hocherfreut, andererseits wissen wir um seine Vergangenheit als Endurofahrer und haben natürlich Befürchtungen, daß er dann mit uns in's schlimme
Gelände fahren würde. Aber er zerstreut unsere Bedenken und meint, er würde sich unseren Wünschen anpassen. Nun denn, wir packen die Sachen zusammen, machen die
Kisten fertig und fahren los. Er will uns Valea Bei zeigen, das sei dort eine besonders schöne Landschaft. Wir sind gespannt. Mit dabei sind heute Andreas Schmidt von den Frankenbikern auf seiner Tenere mit seinem
glücklicherweise von seinem Sturz am ersten Tag wieder genesenen jungen Kumpel Christian auf seiner DT80, Pauly auf seiner GS, Chris mit seiner KTM und Renate und ich mit den Twins.
Es fäng gleich damit gut an, daß er vorschlägt, nicht den Standard-Weg über die Straße sondern einen relativ engen Bauweg für den mittlerweile aufgegebenen Staudamm auf der anderen Seite des Tales zu nehmen. Die
Anfahrt ist recht steil und ziemlich ausgewaschen, jedenfalls stürzt Renate direkt am Anfang des Tages. Das ist natürlich ein mieser Einstieg.
Ich sage den anderen über Funk Bescheid, daß wir
aufgehalten wurden und kündige an, daß wir nachkommen werden. Renate beschließt dann jedoch, angesichts des unerfreulichen Einstiegs, uns fahren zu lassen und sich an
diesem Tag vielleicht einfach ein wenig zu erholen, auszuschlafen und 'was zu lesen. Ich beschließe, aus Solidarität bei ihr zu bleiben und nachdem wir ihr Mopped
geborgen haben, fahre ich den anderen hinterher, um ihnen die Team-Unterlagen abzugeben, damit die Jungs wenigstens die Team-Punkte einheimsen können. Nach 10 Kilometern bleiben Pauly und Andreas endlich mal stehen,
nachdem ich sie schon fast nicht mehr über Funk erreichen konnte. Ich bin gefahren wie ein Henker, um sie noch einzuholen. Ich schildere kurz die Lage und drehe dann um,
nicht ohne ihnen die besten Wünsche für den Tag mitzugeben, innerlich doch etwas betrübt darüber, daß ich nicht mitfahren kann. Aber ich konnte unmöglich Renate den ganzen Tag alleine lassen und mich mit den Jungs
vergnügen. Ich würde mit ihre einige ruhigere Sachen nur zum Spaß machen, ohne viel Streß. Auf dem Rückweg
nehme ich mir etwas Zeit, die lädierte Straße zum Staudamm hinauf zu fotografieren, wo eine Hälfte an zwei Stellen
komplett unterspült ist und nicht mehr befahren werden kann. Die Stellen liegen schön in der Morgensonne und ich freue mich schon auf die Fotos.
Einer Viertelstunde nach meiner Ankunft auf einmal Motorenlärm vor unserer Hütte. Das komplette Team ist unter Führung von Sergio zurückgekommen und Sergio
macht uns klar, daß er entweder mit allen oder mit keinem fahren wird. Er hat deswegen nicht angehalten, weil sein Hintermann immer hinter ihm her gefahren ist und nicht
auch angehalten hatte. Da wir aber alle Funk haben, nur er nicht, gab's da das Mißverständnis. Ohne Funk bleibt man halt einfach stehen, aber mit Funk sagt man sich Bescheid
und fährt erstmal weiter. Naja, dumm gelaufen.
J edenfalls ist Renate glücklich, daß das Team komplett zurückgekehrt ist und wir machen uns diesmal über die Straße auf nach Semenic. Auf dem Weg dorthin
durchqueren wir das Waldstück zwischen Teregova und Brebu Nou. Den Weg waren wir letztes Jahr schonmal gefahren, aber dieses Jahr ist er erheblich schwieriger und
schlammiger. Wir haben einige sehr interessante Passagen, mit wilden Drifts in gespurten Schlammbädern und mit coolen Schlammdurchfahrten, wo die Bugwelle über die
Verkleidung schwappt. An zwei Stellen haut es Pauly fast hin, aber irgendwie prügelt er die dicke Kuh durch den Dreck. Es sieht recht spektakulär aus. ;-)
Nach einer Stunde kommen wir aus dem Wald und finden
uns in Brebu Nou (Weidenthal) wieder. Sergio möchte uns die dortige Jugenderholungseinrichtung zeigen, die mit Mitteln der Rumänien-Förderung des Landes NRW errichtet wurde. Wir finden nach einer kurzen Auffahrt in
das Dorf eine gepflegte und schön errichtete Einrichtung mit Schlafsälen, großen Gemeinschafts- und Speiseräumen sowie einem weiträumigen Gelände drumherum zum Spielen
und zelten vor. Saubere und großzügige Sanitäranlagen runden das sehr positive Bild ab.

Nach einer kurzen Rast fahren wir weiter, wir haben ja nochwas vor. ;-) Weiter geht's über Asphalt hoch zum
Semenic Skigebiet, wo wir nach kurzer Zeit ankommen und am Hotel, wo der Kontrollpunkt ist, erstmal Pause machen. Das Spätstarter-Team kommt noch dazu und fährt direkt
wieder weiter, während wir die Sonne genießen und Sergio unentwegt am Handy telefoniert und irgendwas organisiert. ;-)
Schließlich brechen wir dann wieder auf und machen uns
auf den Weg nach Cosava. Es geht zunächst einen Weg über eine wunderschöne Hochebene, die mit kurzem Gras bewachsen ist, fast wie ein kurz geschorener Rasen sieht
das aus. Eine Kuhherde will durchquert werden und hält Renate und mich, die wir als letztes fahren, etwas auf. ;-) Nachdem wir durch sind, haben wir einen tollen Blick auf
das Feld der anderen Gruppenmitglieder vor uns, die in ca. 1km Entfernung wie Perlen auf einer Reihe vor der beeindruckenden Kulisse der umliegenden Berge über die Hochebene fahren.
Nach einigen hundert Metern kommt dann ein felsiges Stück, was wir mit etwas Schwierigkeiten (naja solche kleinen Stürze zählen wir mittlerweile nicht mehr mit. ;-)),
dann auch bewältigen und dann weiterfahren. Am Waldrand verweigert Renate erneut, denn es geht recht steil
abwärts. Wir fahren ihr Motorrad herunter auf eine kleine Lichtung und überlegen, wie es weitergeht. Der Wald ist recht dicht und ein Weg eigentlich nicht erkennbar. Wir parken ihre
Maschine auf einer Lichtung und lassen zwei Jungs da, während Sergio mit uns vor fährt und den Weg erkundet, ich nehme Renate auf den Soziussitz. Bei der Gelegenheit reißt sich Pauly im tiefen
Laub die Fußraste ein drittes Mal ab, diesmal an einem Baumstumpf, der im laub versteckt ist, eine neue Variante. ;-) Christian (der Bekannte von Frank, der mit der DT80 mitgefahren
ist), hängt einmal mit dem Hinterrad vor einem liegenden Baumstamm und versucht, mit Vollgas und viel Drehzahl darüber wegzukommen. Der Sound, den die 80er dabei abgibt, erinnert an
eine Motorsäge. ;-) Aber durchgesägt hat er den Stamm dann doch nicht.
Die Axtschläge, mit denen er den Weg vor einigen Jahren markiert hatte, sind mittlerweile verschwunden. Nach viel Fra nserei und Verfahrern im dichten Wald und einigen coolen Stunts auf dem sehr weichen Laubboden an
einer Stelle (die Sozia macht das Fahren im schwierigen Gelände nicht einfacher), wo es recht steil nach rechts zu einer Lichtung abwärts geht (ich dachte schon, da kommt
man nie mehr heil raus) kommen wir dann endlich auf einer Lichtung an, durch die ein kleiner Bach fließt. Hier müssen wir uns durch eine sehr tief gespurte Furt zwängen und
kommen dann nach einigen weiteren Bachdurchfahrten auf der anderen Seite auf eine sehr alte Industriestraße, die mit groben Steinen gepflastert und völlig zugewachsen ist,
vermutlich ist sie heute nicht mehr in Benutzung. Hier parken wir meine Twin und Renate. ;-) Chris und ich machen uns auf den Rückweg, um Renates Twin zu holen.
Der Weg durch den Wald zurück ist wieder recht lustig und irgendwie finden wir die Lichtung wieder, wo die anderen warten. Moppeds wechseln und nun wieder zurück, wieder verfahren wir uns ein wenig, finden aber dann
doch die Lichtung und die Furten, um dann wieder zu den anderen zu stoßen, die mittlerweile eine kleine Verschnaufpause hatten.
Auf die Pferde und weiter! Nach ca. einem Kilometer kommen wir dann in Cosava an, wo der Checkpoint schon abgebaut ist und wir deswegen keinen Stempel mehr bekommen. Da wir ja einen hochdekorierten Zeugen dabei
haben, ist das aber kein Problem. ;-)
Mittlerweile sind wir doch etwas erschöpft und besonders Renate will möglichst schnell zu einer Straße zurück. Wir entscheiden uns für den
Weg nach Süden, der aber auf der Karte noch recht länglich aussieht, aber offensichtlich die einfachste Variante darstellt.
Es geht einen recht holprigen Single Trail lang, der teilweise recht
zugewachsen und vor allem rutschig ist, da Moose auf den Steinen wachsen. Es geht ständig abwärts, und auf einem steilen Stück, wo ein Bach den Weg kreuzt, stürzt Renate und diesmal ist es heftiger,
weil die Kiste bergab und auf ihren Fuß gefallen ist. Die Crossstiefel haben wohl einiges abgefangen, aber ein stechender Schmerz sagt ihr, daß jetzt wohl Schluß ist. Wir vermuten eine
Verstauchung, denn sie kann auftreten, was bei einem Bruch sicher nicht mehr möglich wäre.
Wir stellen ihre Maschine, die zum Glück fast unbeschädigt ist (naja, der Blinkerhalter ist ein wenig verbogen und
er Lenker hat einen Tick abgekriegt, die Kratzer an Sturzbügel und Verkleidung erwähnen wir ja nicht mehr. ;-))
an der Seite ab und schließen sie ab. Renate steigt bei mir auf und wir fahren gemütlich die Strecke immer weiter
nach Süden, der Asphaltstraße entgegen. Nach bestimmt 10 Kilometern kommen wir an die Ausfahrt aus dem Naturschutzgebiet und halten an einem Unterstand an. Sergio rastet hier mit den anderen und mit Renate, während
Chris und ich auf der KTM den Weg zurückdonnern, um Renates Twin zu holen.
Erstaunlich, was so eine KTM alles zieht, mit zwei Mann und bergauf kommt sie nur in sehr engen Passagen an's
schwitzen, es geht doch viel müheloser, als ich erwartet hatte. Das ist schon ein Klasse Mopped. Selbst bei
heftigen Sprüngen federt sie nicht durch hinten. Erstaunlich! Unterwegs begegnen wir einer entgegenkommenden Enduromania Gruppe, die allerdings erheblich flotter unterwegs sind als wir es waren. ;-))
Nach kurzer Zeit kommen wir an der Twin an und fahren nunmehr zu zweit in wilder Hatz den Weg wieder runter. Mittlerweile kennen wir die Ecken und düsen in flottem Tempo in Formation den zugewachsenen und engen
Feldweg herunter. Die Waldkulisse ist Klasse und die Einsamkeit ist schon irre.
Endlich erreichen wir die Gruppe wieder. Der Weg sieht befestigt aus
und wir sind guten Mutes, daß es nun weitergehen kann. Leider wird die Straße aber recht schnell ordentlich schlammig. Angesichts der mittlerweile fortschreitenden Erschöpfung von Renate lassen wir ihre
Kiste nach einem erneuten Umfaller stehen und ich nehme sie wieder unter meine Fittiche, äh auf meine Rücksitzbank. Ich mache mir Vorwürfe, daß wir so einen schweren Tag angegangen sind, wo sie
doch schon am Morgen nicht so optimal drauf war und hoffe, daß sie den Tag moralisch übersteht und nicht die Lust am Crossfahren verliert. Wie sich später rausstellen sollte, ist das nicht der Fall, gottseidank.
Wir eiern weiter durch den Dreck, die Spuren sind schon teilweise recht unangenehm und alles ist sehr schlammig,
naß und weich. Zum Glück ist der Schlamm nie so tief, daß wir richtig wühlen müssen, irgendwie kann man immer noch fahren, wenn auch ziemlich langsam und recht eirig. ;-)
In Borloveni erreichen wir endlich die Asphaltstraße und wir sind zurück in der Zivilisation. Seit Cosava sind wir
bestimmt 30 km gefahren ohne ein Dorf zu sehen. Das nun folgende Procedere ist bekannt: Ich steige auf Chris'
Kiste und wir knallen zurück, um Renates Twin zu holen. Zurück geht's dann im Formationsflug, die Straße ist
recht breit und wir haben einen Haufen Spaß. Man merkt, daß es eigentlich um so besser geht, je schneller man fährt (bis zu einer gewissen Grenze... ;-)
In Borloveni trennen wir uns. Renate und ich fahren über normale Straßen zurück, während die Jungs den direkten
Weg durch den Wald über Mehadica, Luncavita und Teregova nach Wittmann nimmt. Schade, ich wäre gerne mitgefahren, aber Renate ist am Ende und ich möchte ihr nicht noch mehr zumuten. So fahren wir gemütlich über die
Landstraße in einem großen Südbogen zurück zu Wittmann. Als wir ankommen, ist die Dämmerung schon fast vorbei und wir schaffen es mit Mühe nur im Dunkeln durch die Furt. Die Jungs haben sich schon Sorgen
gemacht, aber es hat alles gut geklappt.
Die Wettbewerbstage sind damit vorbei, aber das ist auch gut so, denn wir sind allesamt völlig fertig. Die Kisten
sehen aus, als wären wir damit auf dem Mars gewesen und besonders Renates Twin hat ein wenig gelitten... Aber
das kriegen wir schon wieder hin, es ist nix Existenzielles passiert. Das Abendessen wird heute ganz besonders
genossen und wir diskutieren noch ein wenig über die vergangenen Ereignisse. Ein wenig ärgert es uns, daß die
Punkte-Ausbeute an dem Tag nicht so ergiebig war, denn eigentlich hätte man mit den Strapazen mehr als nur Semenic und Cosava machen müssen... Naja, vielleicht gibt's ja Sonderpunkte. Wer weiß? ;-)
Es war jedenfalls ein herrlicher Offroad Tag, ich hätte mir nur gewünscht, daß Renate etwas fitter gewesen wäre,
dann hätte sie den Tag sicher auch in angenehmerer Erinnerung behalten. Abends fallen wir wie die Fliegen in die Kisten und träumen von einem Sieg in der Gesamtwertung. ;-)
Freitag, 13.8.1999, 9. Tag, Erholungstag (Cozia, die zweite)
Heute wird erstmal lange gepennt. Das Wetter ist etwas mies, einige Schauer hindern uns am Starten. Chris und ich wollten eigentlich
noch ein wenig spazierenfahren, aber bei Regen haben wir keinen Bock. Alle warten auf die am Abend stattfindende Siegerehrung und wir schauen uns im Fahrerlager ein wenig um.
Etwas unangenehm ist der Anblick eines blutigen Helmes, der neben den Toiletten am Spiegel eines Busses hängt. Es muß wohl jemand schwerer verletzt sein, jedenfalls wird er im Krankenhaus von
Caransebes stationär behandelt. Nachdem wir im Laufe der Wettbewerbstage das Krankenhaus von außen gesehen haben, sind wir uns einig, daß wir da eigentlich möglichst
nie was mit zu tun haben wollen... Naja. Shit happens. Es sind aber auch zu viele Verrückte dabei, da passiert auch
schonmal was, trotz der Ermahnungen auf der Einführungsveranstaltung. Sowas scheint wohl dazu zu gehören.
Am Nachmittag klart es ein wenig auf und Chris und ich fahren los, die anderen ruhen sich ein wenig aus. ;-) Wir
beschließen, es nochmal mit der Cozia zu versuchen. Diesmal finden wir auch direkt den Einstieg auf den Weg, den wir beim ersten Versuch suchten. Er befindet sich vor
dem Dorf an einer Gabelung, wo man ziemlich auf der Paßhöhe zwischen Wittmann und Cozia Dorf links abbiegt. Der Weg ist recht naß und schlammig, vor allem durch den Regen des heutigen Tages, der noch nicht
weggesickert ist. Wir quälen uns ein wenig weiter, aber an der Stelle, wo es nach rechts den Berg 'raufgeht, kommen wir nicht mehr weiter. Die Räder drehen nur noch durch
und der nasse lehmige Erdboden auf den steilen Bergwiesen setzt die Stollen komplett zu. Nur mit Mühe halten wir
die Maschinen aufrecht und Chris schmeißt die Kati das erste Mal. ;-) Unsere Anstrengungen zerstören die Wiese
ziemlich deutlich und wir beschließen, umzukehren. Schade, dieses Jahr keine Cozia, aber wir kommen wieder! ;-)
Wir fahren einfach wieder zurück. Als wir wieder im Tal von Wittmann sind, beschließen wir, doch einfach mal
rechtsrum zu fahren um zu schauen, wo es da lang geht. Wir finden einige spektakuläre Wasserdurchfahrten und machen Fotos, nicht ohne vorher natürlich einige Male zu üben, hehe. ;-))
Mittlerweile sind die Stiefel natürlich wieder naß bis auf die Sohle, so daß wir die folgenden Pfützen selbstverständlich volle Kanne nehmen und viel Spaß dabei haben. ;-) Nach einigen Kilometern suchen wir nach
einer Furt durch den Fluß, um auf der anderen Seite wieder zurück zum Wittmann zu fahren. Wir finden auch eine,
aber die ist recht tief und das Wasser fließt doch ziemlich flott. Ich wäre nicht durchgefahren, aber Chris fährt einfach vor und schafft es auch noch. So ein Mist. Jetzt muß ich natürlich auch...
Ich nehme etwas Anlauf und fahre mit mittlerer Drehzahl
im ersten Gang in das Wasser, aber irgendwo komme ich doch mit dem Vorderrad auf einen dicken Stein und lege mich mitten im Fluß flach. ;-) Nur nicht den Tankrucksack mit der teuren Elektronik (Fotoapparat, Handy)
versenken, denke ich, aber es klappt. Der Rest der Karre versinkt im Fluß. ;-) Wir lachen uns halbtot, Chris macht einige Fotos und ich aste die Kiste aus dem Wasser. Nach
einigen weiteren Fotos machen wir uns auf den Weg zu Wittmann und kommen dort nach einigen herrlichen Drifts im angeschwemmten Kies des Flusses auch an der uns mtitlerweile bekannten Furt an.
 Dort finden wir Thor, wie er
gerade sein Mopped wäscht: Er stellt die Kiste in einem Wasserloch auf dem Seitenständer ab, kippt sie etwas nach vorne, so daß das Hinterrad frei im Wasser drehen kann und gibt im fünften Gang Vollgas. ;-) Dänische
Moppedwäsche, hehe. Logisch, daß wir das auch ausprobieren müssen. Da bei der Twin der Motor ausgeht, wenn man den Seitenständer ausgeklappt hat und einen Gang einlegt, muß die Kati herhalten. Wir
stellen die Moppeds hintereinander auf und Chris gibt Vollgas. Herrliche Fotos (hihi).
 Wir fahren noch ein wenig im Fluß herum und dabei versenke ich die Twin bis zum Schutzblech in einem
Treibsand-Stück. Das sah so harmlos aus, aber der Sand war durch das langsam fließende Wasser so weich und saugend, daß das Moped sofort darin versank. Immer wieder fotografierend und vor
lachen kaum stehen könnend zerren wir die Kiste erst auf die Seite und dann schleifen wir sie auf dem Motorschutz aus der Gefahrenzone. Jungejunge, da haben
wir heute abend aber was zu erzählen und die anderen was zum Kopfschütteln. ;-))
 
 Wir haben keinen Bock mehr und völlig durchweicht von unseren Wasserspielchen
fahren wir hoch zum Wittmann und stellen unsere Kisten ab, um zu duschen und frische Sachen anzuziehen.
Die Siegerehrung ist wie immer sehr lang und sehr schön. Fast jedes Team wird mit einer
Sonder-Ehrung und einer Urkunde bedacht, ganz sicher aber alle Teams, in denen Damen mitfahren, denn Sergio läßt es sich nicht nehmen, jede in den Arm zu schließen und einmal fest zu drücken. ;-) Unser Team
liegt mit 22500 hart erkämpften Punkten im vorderen Mittelfeld (ca. Platz 50 von 170 gemeldeten Teilnehmern) und wir erhalten den Sonderpreis für das "Heavy and
HighTech Enduro Team". ;-) Offensichtlich hat Sergio an unserer GPS- und Funk-Ausstattung Spaß gehabt. ;-))
Renate verteidigt ihren dritten Platz in der Damenwertung vom letzten Mal. Natürlich
gibt es wieder eine Miß Enduromania. Pauly hatte zwei Metallplatten gefräst mit der Aufschrift "Fahrtwind Enduro Team" und unseren Namen sowie Unterschriften darauf.
Zum
Dank für die tolle Veranstaltung schenkten wir je eine Platte an Sergio und an das Ehepaar Wittmann. Die freuten sich so sehr, daß sie das Haus am Eingang, wo wir gewohnt hatten, spontan in "das
Fahrtwindhaus" umbenennen und uns Vorrecht bei der Vermietung im nächsten Jahr einräumen. Wir freuen uns sehr darüber und versprechen, wiederzukommen. Die ersten Plätze der Wertung werden mit je einem großen
Brotkranz belohnt und wir bekommen für das Fahrtwindhaus auch einen. Da die Siegerehrung mittlerweile recht
lange dauert, futtern wir schon vor dem eigentlichen Abendessen den Kranz komplett weg. ;-) Besonders einige Kinder, die mit bei der Veranstaltung dabei sind, haben Hunger und bekommen natürlich auch was ab.
Abends wird dann noch lecker gegrillt und es gibt ein
tolles Abendessen, welches mit etlichen Runden Zuika endet, einem recht heftigen Selbstgebrannten von Nello, unserem Enduromania Schrauber. ;-)
Ziemlich betrunken verabschieden wir uns von den
anderen und torkeln durch die Dunkelheit zum Fahrtwind-Haus, während Chris noch mit Nello weiterzecht. ;-) Später erfahren wir von Pauly, daß Chris bei der Heimkehr fast das Bett umgerannt hat. Pauly döste
noch nicht ganz schlafend auf der Reling seines Oberbettes und als er sah, daß Chris offensichtlich nicht zu bremsen
beabsichtigte, rollte er sich schnell weg und Chris rammte dann das Bett, aber das schien ihn nicht zu beeindrucken, er fiel direkt auf seine Matratze und dort in einen tiefen Schlaf. ;-)
Samstag, 14.8.1999, 10. Tag, Wittmann -> Geza
Heute haben wir lange geschlafen, frühstücken noch ein letztes Mal auf der Terrasse und bezahlen unsere Zeche.
Anschließend packen wir ausführlich und schauen den anderen noch ein wenig beim Verstauen der Moppeds und der Ausrüstung zu. Irgendwie ist dieser Abschiedstag immer ein wenig wehmütig, man hat sich schon so wenig
an den Ausnahmezustand gewöhnt. ;-)

Chris will möglichst schnell zurück zu seiner großen Liebe, weswegen er sich bei Andreas auf dem Hänger
einquartiert und die DT80 in den Bus verschoben wird. Die beiden Alu-Koffer passen noch locker auf das Dach und so fahren Pauly, Renate und ich alleine weiter.
Als wir losfahren, gibt es ein großes Abschieds-Hallo. Wir begegnen noch Sergio, der mit dem Pajero noch einen Hänger durch die Furt gezogen hat und verabschieden uns
aufwendig. ;-) Dann fahren wir los, machen noch einige Fotos von dem Bus und dem Hänger und trennen uns dann auf der Hauptstraße, nachdem wir die Tanks aufgefüllt haben, um dann über Asphalt zu Geza zu fahren.
 Wir nehmen diesmal die
Route über Nadrag und Surduc, um Pauly das Basislager der letzten Enduromania zu zeigen. Nach einigen Stunden kommen wir dann ohne Zwischenfälle bei Geza an und genießen erneut die hervorragende
Gastfreundschaft bei einem köstlichen Abendmahl. Vollgefuttert fallen wir anschließend in die Kisten.
Sonntag, 15.8.1999, 11. Tag, Geza -> Siofok
Bei Geza fahren wir heute früh los, da wir ja bis nach
Siofok an den Plattensee wollen, wo wir dann am nächsten Tag den Autoreisezug erwischen wollen. Nach dem Abschied von Geza geht's direkt nach Arad, wir nehmen aber diesmal den Schlenker im Norden von
Ghioroc vorbei, um den Baggersee mit seinem Erholungsbetrieb Las Vegas zu begutachten, wo auch regelmäßig die Enduromania stattfindet. Mit den JetSkis würde ich auch gerne mal fahren aber heute fehlt uns dann
doch die Zeit dazu. ;-)
An der Grenze gibt es eine kurze Nachfrage wegen der Transitvisa, aber wir können ohne Probleme durch. Über Ungarn gibt's nicht viel zu erzählen, 360 km geradeaus
über zweitklassige Landstraßen, wir sind froh, als es vorbei ist. In Siofok finden wir das Renesse Ungarns. Viele
Proleten, Jungvolk, Mantas, tiefergelegte Kisten, Fete. Am See herrscht Strandathmosphäre und überall werden
Zimmer angeboten, allerdings nicht an Motorradfahrer für eine Nacht. Nach viel Suchen finden wir ein älteres
Ehepaar, welches ein wenig abseits wohnt und vermutlich deswegen selten Kundschaft findet, wo wir für 80,- DM ohne Frühstück ein sauberes Zimmer mit Unterstellmöglichkeit für die Moppeds klarmachen.
Ohne Gepäck fahren wir nochmal in die Stadt und gehen preiswert und lecker essen.
Montag, 16.8.1999, 12. Tag, Siofok Verladung
Wieder pennen wir lange, packen, verabschieden uns von den netten Gastegebern (wortlos, da sie kein deutsch oder
englisch und wir kein ungarisch verstehen) und fahren in die Stadt, wo wir uns erstmal umschauen, wo denn die Autoreisezug Verladung ist. Nachdem wir die gefunden
haben, verziehen wir uns in das Cafe Mölö, welches am Strand mit Seeblick liegt, wo wir die Moppeds im Blick haben, wo es leckere Lasagne gibt und wo Phil Collins und
Simply Red laufen, und verbringen hier die letzten Stunden in Ungarn.
Mit tags fahren wir zum Zug, nach vielen Verwirrungen können wir die Kisten verladen, müssen uns selbst Zurr-Riemen
organisieren und die Kisten selbst verzurren und schleppen dann das Geraffel einen ziemlich weiten Weg zum Bahnsteig, wo dann nach einer halben Stunde auch endlich
der Zug ankommt und wir uns in den erhitzten Waggons (die Klimaanlage funktioniert erst ab Budapest, weil die Waggongs irgendwie falsch aneinandergehängt worden
sind, wie wir erfahren) einrichten können. Wir haben einen Schlafwagen gewählt und erkunden erstmal das Abteil. Alles mögliche kann man klappen und umbauen und es
gibt ein Waschbecken auf dem Abteil. Wir verteilen die Betten und jeder richtet sich so gut es geht ein.
Nach einem kargen Abendbrot (Mitropa Qualität, alles aus der Folientüte) duschen wir noch und ich schreibe ein wenig an dem Tagebuch. Müde fallen wir in die Betten und in einen unruhigen Schlaf.
Dienstag, 17.8.1999, 13. Tag, Ankunft zuhause
Morgens wachen wir irgendwo bei Frankfurt auf, drehen uns nochmal um und machen uns dann doch irgendwann
frühstücksfertig. Als wir im Speisewagen sitzen, haben wir gerade einen schönen Ausblick auf die Loreley (wie angekündigt) und frühstücken erstmal ausgiebig. Ich werde
argwöhnisch beguckt, weil ich das teuerste Frühstück bestelle, welches sich von dem gewöhnlichen durch einen zusätzlichen Joghurt und einen Orangensaft unterscheidet.
Also die Mitropa sollte sich beim ICE Overnight Service mal etwas abschauen, da gibt es ein vernünftiges Frühstücksbuffet. Was da beim Autoreisezug angeboten
wird, ist wirklich etwas ärmlich. Naja. Immerhin besser als nichts.
Es regnet etwas und wir hoffen, daß das aufhört, wenn wir in die Kölner Bucht fahren. Und so war es dann auch
und ab Deutz fahren wir auf den heulenden Crossreifen (ich mit dem verbotenen Barum) nach Hause.
So geht auch diese Enduromania wieder vorbei und wir haben sie wieder sehr genossen. Nächstes Jahr werde ich
hauptsächlich eines ändern: Ich werde hoffentlich eine Digitalkamera besitzen (Anmerkung des Redakteurs:
Mittlerweile ist eine da und es wird schon fleißig damit geübt. ;-)) und viel mehr Fotos machen. Das ist doch immer wieder ein Spaß, nachher zuhause die Fotos zu schauen.
Es war ein toller Urlaub und mein ganz besonderer Dank gilt Renate für's Kopfhochhalten und natürlich Sergio für sein
Engagement und seiner Organisation, ohne die die gesamte Enduromania nicht denkbar wäre.
Ich hoffe, es hat jemand bis hier mitgelesen und etwas Spaß daran. ;-)
Über Kommentare zu diesem Bericht und Verbesserungsvorschläge würde ich mich riesig freuen, am liebsten natürlich per EMail an marcel.sieling@gmx.de. ;-) Vielen Dank.
PS: Die Zugverbindung Köln-Siofok wird im aktuellen Autoreisezugplan 2000 nicht mehr angeboten. Schade.
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