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Bremsen und AusweichenMit der Comete wollte ich unbedingt ein ordentliches Sicherheitstraining machen. In der Vergangenheit hatte ich das schon einige Male mit Auto und Motorrad gemacht und es hat mir jedesmal sehr viel gebracht. Man lernt besonders die theoretischen Hintergründe hinter dem kennen, was man routinemäßig schon immer richtig oder falsch gemacht hat, je nachdem. ;-) Wichtig ist auch, daß man dann die richtigen Reaktionen auf Gefahrensituationen übt, so daß man sie dann im Ernstfall vielleicht direkt automatisch richtig macht, wenn man im Allgemeinen nicht die Zeit hat, nachzudenken. Mit der Comete war mir das ein besonderes Anliegen, das bei einem sehr guten Kursanbieter zu machen, wo man auch wirklich was lernt, viel fahren kann und wo auch gespannspezifisches Know-How vorhanden ist. Außerdem wollte ich nicht bei einem Kurs für völlige Fahranfänger teilnehmen, weil ich am Anfang von 2003 doch schon ca. 10.000 km auf Gespannen hinter mir hatte und eigentlich über Übungen zum Geradeausfahren hinaus war.

Pro Side-CarDie entsprechenden Recherchen, welcher Anbieter in Frage kommt, gestalteten sich recht schwierig und wurden hauptsächlich unter Gespannfreunden im Internet und bei persönlichen Kontakten durchgeführt. Es gibt mittlerweile auch einige Webseiten von Anbietern, aber das sind oft nur eintägige Kurse, teilweise weit weg, so daß sich die Anreise und die Übernachtungen für einen Tag nicht lohnen. Nach einigem positiven Feedback, vor allem im Forum der Gespannzeitung habe ich mich dann für Pro Side-Car entschieden. Das Training ist zwar mit Abstand das teuerste, was ich finden konnte, aber es enthält drei Tage Action, Übernachtung und Halbpension in einem schönen Hotel mit feinem Wellness-Bereich und sehr kompetente Instruktoren, kleine Gruppen und das Feedback der ehemaligen Teilnehmer war nur positiv.

ElianeDie Anreise erfolgte mit Eliane, einer Teilnehmerin aus Lohmar, mit der ich mich vorher verabredet hatte, um nicht allein nach Feldstetten auf die schwäbische Alb fahren zu müssen. Sie fährt ein schönes Triumph Trident Gespann mit einem riesigen Jewell Beiwagen und war eine willkommene und nette Begleitung auf der Anreise, die wir weitgehend auf Landstraße am Rhein entlang und durch den Odenwald absolvierten, wo wir noch in dicken Regen gerieten und wodurch wir auch dann am Abend durchnäßt und viel zu spät als letzte im Gasthof ankamen. ;-) Es gab erstmal was Feines zu futtern und eine Vorstellungsrunde, wo wir Rheinländer kaum was verstanden, so schlimm wurde da geschwäbelt. Das sollte sich auch im Verlauf des Kurses nicht viel ändern. ;-)

Hier das Programm des Wochenendes:

 Donnerstag: allg. Vorstellungsrunde, Klärung wichtiger Details, Belegung der Zimmer
 Freitag: Fahrt nach Großengstingen auf die Übungsanlage, dort Einteilung in Leistungsgruppen
   und Durchführung eines Sicherheitstrainings nach DVR Richtlinien bis ca 16 Uhr.
 Samstag: Weitere Übungseinheiten in der näheren Umgebung von Lenningen / Feldstetten
   sowie der Rommelkaserne in Dornstadt.
 Sonntag: Ausfahrt auf die Schwäbische Alb oder bei Bedarf weitere Übungen bis 12 Uhr.
   Nach gemeinsamen Mittagessen in Feldstetten Verabschiedung der Teilnehmer.

Die schnelle TruppeDas Teilnehmerfeld war bunt gemischt, vom Schmid-BMW Gespann bis zum Hightech Ruko Gespann mit Zweisitzer-Shark an einer BMW R1150GS war alles dabei. Der Freitag begann regnerisch, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Nach einem ordentlichen Frühstück fuhren wir dann gemeinsam zum Übungsplatz und versammelten uns erstmal an einem Container, in dem das Material untergebracht war.
 

Wolfgang und seine SchäfchenUnser Instruktor Wolfgang Lorenz weihte uns ausführlich in die Grundlagen des Lenkens und Bremsens ein. Doch zuerst mußten alle die Kofferräume und Beiwagen ausräumen, damit dort kein Ballast mitfuhr, denn die Übungen sollten nicht dadurch unnötig erleichtert werden. Bei Eliane fanden wir vier dicke Bürgersteigplatten, der Beiwagen war fast überladen damit. ;-) Unter großem Hallo wurde auch dieser Beiwagen ausgeräumt.


Dann wurden die Gruppen eingeteilt und es ging los, erstmal mit einem ausführlichen theoretischen Teil zur Fahrphysik eines Dreirades, was ja eigentlich eine Unmöglichkeit ist und wegen der Unsicherheit verboten gehört. ;-) Trotzdem folgten wir aufmerksam den Ausführungen, denn mit einer ordentlichen theoretischen Grundlage kann man auch die aufbauenden Übungen besser begreifen.

Ganz nah an den Bordstein!Es war ziemlich regnerisch und wir absolvierten die Übungen zeitweise in Regenkombis, aber so mußten die Motorradreifen nicht so sehr leiden. ;-). Bei den Besprechungen standen wir im Helm mit Regenschirmen (die netterweise von Pro Side-Car zur Verfügung wurden, offensichtlich kannte man schon das bevorzugte Wetter Anfang Mai in “schwäbisch-Sibirien”, wie die schwäbische Alb dort auch genannt wird) ;-). Doch die Stimmung war super, wir hatten eine Menge Spaß.

Slalom, aber flott!Zuerst sollten wir möglichst nah an einer geraden Pylonenreihe mit dem Beiwagen vorbeifahren, aber trotzdem so dicht wie möglich an die Pylone ran (oben). Da merkt man erstmal, wieviel Platz noch zwischen Beiwagenrad und Bordstein ist. Dann wurden die Pylone in einer Schlangenlinie aufgestellt und man sollte wieder möglichst nah dran vorbeifahren (links). Die Übung ist schwieriger als man denkt, wenn man das reproduzierbar ordentlich hinbekommen will.

Der Beiwgen ist unbeladen! ;-)Dann ging’s weiter, ein Slalom wurde aufgebaut und man sollte möglichst zügig und flüssig durchfahren, ohne ein Tor auszulassen. Schnell merkt man, daß Gewichtsverlagerung ganz wichtig ist und daß man leichter um Linkskurven kommt, wenn man vorn kurz anbremst und in Rechtskurven alles besser geht, wenn man einen kurzen Gasstoß gibt. Absichtlich versuchte ich es mal genau falschrum und fand so heraus, wie wichtig der richtige Einsatz dieser Technik ist.

Hoppla! ;-)Bei der regennassen Fahrbahn geriet meine Comete regelmäßig in nette Drifts, so daß man das mal schön ausprobieren konnte, wie das Ding sich dann verhält. Der Vorteil bei Regen ist, daß diese Aktionen dann bei geringeren Geschwindigkeiten stattfinden und das Ganze so mit viel weniger Risiko verbunden ist, mal ganz zu schweigen vom Reifenverschleiß, auf trockenem Belag leiden die dann doch recht heftig.


Wolfgang zeigt, wie das gehtAnschließend ging’s an’s Fahren und winken mit angehobenem Beiwagen sowie das Beherrschen von Grenzbereichen beim Kurvenfahren. Dabei lernt man, daß man, wenn man in Rechtskurven mit angehobenem Beiwagen zu schnell ist, einfach voll in die Eisen langt und der Beiwagen dann sofort auf die Straße runterfällt, wie ein Stein. Auf einmal verlieren Rechtskurven ihren Schrecken! Auf der anderen Seite lernt man, daß Linkskurven viel gefährlicher sind, weil sich beim Bremsen im Grenzbereich auf einmal das Dreirad von Untersteuern auf Übersteuern wechselt und sich heftigst nach links (im Allgemeinen in den Gegenverkehr) dreht. Das haben wir dann mal ein wenig provoziert und versucht, wer sich am weitesten drehen kann, der Sieger brachte es auf mehr als eine halbe Umdrehung!

VollbremsungDer nächste Tag verging mit Bremsen und Ausweichen und verbrauchte viel Reifen, weil es da trocken war. Ich lernte eine Menge Dinge, z.B. daß man bei der Comete unbedingt erst vorn, und dann hinten dazu bremsen sollte, denn sonst passiert das, was hier links zu sehen ist: Die Beiwagenbremse zieht das Gespann brutal nach rechts, was man dann aber noch mit ein wenig Gegenlenken in den Griff kriegen kann, wenn man vorn nicht zu heftig bremst.

Hups!Das Dumme ist, daß man dann nicht ordentlich bremst. Denn wenn man auch vorn ordentlich bremst, dann kann man nicht mehr viel Gegenlenken. Und wenn man dann in Panik die Bremse löst, dann packen die Reifen plötzlich wieder und der Beiwagen steigt schneller auf, als eine Rakete beim Feuerwerk. Da liegt man Ruck Zuck auf dem Dach (siehe rechts). Ist man langsam, kann man das noch so gerade abfangen, ab 50 km/h wird das aber haarig und ab ca. 70 lebensgefährlich.

Am Start zur BremsübungEs war auch ein anderes FJ-Gespann mit Sauer Wing Beiwagen und Integralbremse da. Egal, was der machte, das Ding bremste immer einwandfrei geradeaus. Problematisch hingegen waren alle Gespanne mit getrennten Bremssystemen. Die gesamte klassische Brems-Theorie, Beiwagen mit der Hinterradbremse gekoppelt und vorne nur das Vorderrad usw., alles Quatsch! Die Side-Bike Synchroforce- Bremse (Vorderrad- und Hinterradbremse wirken jeweils mit einer eigenen Zange auch auf den Beiwagen) ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber die Hinterradbremse wirkt zu sehr am Beiwagen und zuwenig hinten und zieht die Mega-Comete deswegen bei Bremsungen nur hinten kräftig nach rechts. Optimal ist nur eine Integralbremse. Interessant ist, daß die Mega-Comete davon eigentlich nicht weit entfernt ist, man müßte lediglich eine vordere Bremszange auf die Fußbremspumpe umbauen. Entsprechende vorsichtige Anfragen bei Gespannbauern resultierten oft in Ablehnung (sowas machen wir nicht, keine Erfahrungen), bei denen, die das machen wollten, stand dem Unternehmen ein horrender Preis im Weg (ca. 1500,- Euro beim Hermeling, aber festlegen lassen darauf wollte er sich nicht). Naja, egal.

Vollbremsung mit BeladungRechts auf dem Bild sieht man eine gelungene Notbremsung. Speziell die Mega-Cometen haben durch das weit hinten liegende Beiwagenrad und das wenig nach vorn verlegte Vorderrad eine gewisse Tendenz, bei Notbremsungen, besonders mit Beladung, die Nase des Beiwagens in den Asphalt zu bohren. Da muß man sehr sorgfältig drauf achten, richtig zu bremsen, immer erst vorn und dann hinten dazu, ansonsten steigt das Hinterrad schnell auf.

Ruko BremseAußerdem empfiehlt es sich (anders als oben gezeigt), den Arsch nach hinten zu legen, damit das Hinterrad nicht so leicht wird. Die Bremswirkung ist übrigens enorm, wenn man sich nur mal wirklich traut, reinzulangen. Mit Beladung wird es übrigens schwierig, vorn und rechts nochwas zum Blockieren zu bringen. Offensichtlich ist es nicht oversized, wenn man richtig fette Bremsen in Gespannen verbaut, wie Ruko das zum Beispiel macht (siehe links).

Am Schluß des vorletzten Tages gab es noch eine nette Ausfahrt mit Besuch beim nahen Gespannbauer Ruko-Fahrzeugtechnik in Metzingen, wo wir interessante Fachgespräche mit Hauke König führten. Damals wurden gleichzeitig acht Fahrzeuge umgebaut, eins interessanter als das andere und die Werkstatt war voll bis unter’s Dach. Unter anderem bestaunten wir eine K1200RS mit Turbolader und einer Hinterradführung mit Querlenkern. Zu diesem Zweck wurde ein komplett eigener Kardan gebaut, der gleichzeitig durch eine massive Verlängerung nach hinten Platz für den Turbo schaffte und andererseits durch eine spezielle vordere Aufhängung die Führung mit Querlenkern ermöglichte. Krass.

Schade, der Kurs ist schon vorbei...Am Sonntag regnete es aus Kübeln und es gab die angekündigte Ausfahrt, die man sich jedoch meiner Meinung nach hätte schenken können bei dem Wetter, zumal einige Leute ja noch eine weitere Heimreise vor der Brust hatten. In einer abgelegenen Seitenstraße wurde dann noch eine Stunde Kurventechnik mit Einlenkpunkt, Scheitelpunkt etc. geübt, aber das war eigentlich nur ein Vorgeschmack auf weiterführende Trainings, didaktisch hat das jetzt nicht mehr viel gebracht, fand ich. Mittags gab es noch einen Snack und dann fuhren wir alle nach Hause.

Fazit: Absolut empfehlenswert, wenn man mal ein bisschen verstehen will, wie Gespannfahren wirklich funktioniert und man lernt sich selbst und seine Maschine mal richtig kennen. Aber es ist auch ein teurer Spaß, das muß man schon sagen. Trotzdem war’s eine super Erfahrung und ich kann den Kurs nur jedem engagierten Gespannfahrer empfehlen.

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