|
In den französischen Alpen hatte ich im Frühjahr 2004 nach dem
Side-Biking ein sehr unangenehmes Erlebnis. Bei der Fahrt fiel mir auf, daß das Schutzblech vorn klapperte, was es vorher noch nie getan hatte. Ein kurzer Stopp ergab, daß nicht etwa das Schutzblech
defekt war, wie ich zuerst dachte, sondern daß der obere Lenkarm der Comete neben einer Schweißnaht angerissen war und die gesamte Konstruktion begann, sich zu verbiegen. Das Vorderrad stand
schon deutlich sichtbar aus der Senkrechten und ein Bruch stand unmittelbar bevor, wenn ich weiter gefahren wäre.
Eine Diskussion mit Jean Claude Perrin, dem Entwickler des Mega-Comete (links) und Daniel Henry, dem Chef von Side-Bike auf der Rückfahrt von dem Urlaub, wo ich eine
Werksbesichtigung in Colombe machte und denen die Fotos zeigte, ergab, daß außer mir noch ein anderer Kunde den gleichen Schaden an seinem Lenkarm hatte. Dort war aber wohl ein defektes, verhärtetes
und nicht serienmäßiges Fournales Federbein der Grund. Ich solle doch auch jeden Fall den Zustand des Federbeins überprüfen lassen. Das war übrigens völlig in Ordnung, wie eine
Überprüfung bei Uli Jacken ergab, also das kann als Grund für den Bruch nicht herhalten.
Man könne sich den Schaden nicht erklären, führte Jean Claude weiter aus, beeilte sich auch darauf
hin zu weisen, daß das Gespann für sportliche Fahrweise geeignet sei und auch durch holprige Straßen solche Defekte niemals auftreten dürften. Tja, nichts Genaues weiß man nicht.
Das Gespann wurde dann jedenfalls mit einem ADAC Rückholtransport direkt zu Uli
Jacken gebracht, wo es nach sieben Tagen wohlbehalten eintraf und nach einer weiteren Woche zur Abholung bereit stand. Der Lenkarm wurde bei der Reparatur getauscht, wobei das Ersatzteil an zwei Stellen
verstärkt ist. Das Federbein wurde untersucht und es wurde kein Defekt gefunden. Bei der Gelegenheit wurde das dann auch direkt überholt und so hatte ich das dann auch erledigt.
Links das defekte Teil. Der Riß ist deutlich größer als bei der Übergabe zum Transport,
vermutlich weil sich das Gespann auf dem Transporter während der Fahrt bewegt hat und der Riß sich dadurch langsam immer weiter aufgeweitet hat. Es waren in Nizza fast 70% des Querschnittes angerissen,
gehalten hätte das nicht mehr lange. Ein Glück, daß ich das Klappern des Schutzbleches gehört hatte, nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Schweißnaht gebrochen wäre.
Ich habe den Lenkarm bei einem metallurgischen Institut untersuchen lassen, wo ein Gespannfreund arbeitet. Die Schnittstelle wurde mit einem Röntgengerät untersucht und ein Schnitt unter dem
Mirkoskop analysiert, um die Gefügestruktur des Stahls zu untersuchen. Das Ergebnis war eindeutig: Der Bruch war in der Wärmeeinflußzone neben der Schweißnaht erfolgt und eindeutig entweder
aufgrund falscher Dimension bzw. Konstruktion der verwendeten Teile oder aufgrund mangelnder Sorgfalt beim Schweißen (oder aufgrund beidem) gebrochen. Wegen des Alters der Maschine und
wegen der fehlenden Relation zwischen Streitwert und zu erwartender Vorschußkosten im Falle eines Rechtsstreits habe ich dann darauf verzichtet, das auszufechten, wenngleich es mich doch wurmt, daß
Schlamperei bei der Herstellung von den Kunden unter Umständen mit dem Leben bezahlt wird. Man stelle sich nur vor, ich hätte das Klappern nicht gehört und wäre mit der Familie sportlich unterwegs
gewesen. Bei einem Bruch wäre ein Überschlag oder ein schlimmer Crash die sichere Folge gewesen, ich darf gar nicht dran denken...
Wie auch immer, hier seht ihr das neue Teil nach dem Einbau aus verschiedenen Ansichten. Bei Side-Bike waren zwei davon auf Lager, eins davon habe ich jetzt. Vermutlich werden alle neuen
Lenkarme so gefertigt, der ist nicht extra für mich gebaut worden.
Man beachte die beiden Knotenbleche, die in die Winkel und unter die Schweißnaht gesetzt wurden
und die bei meinem Lenkarm fehlten. Komischerweise sind die hier vorhanden, obwohl der Schaden nur einmal woanders vorgekommen sein soll? Dazu kann sich dann ja jeder seinen Teil denken. :-(
 |
von vorne
 |
von vorne links
 |
von unten vorn
 |
von hinten links
 |
von unten
 |
von unten hinten
Alles in allem war die Behebung des Schadens dann doch recht teuer. Allerdings habe ich 50% Nachlaß auf den Materialpreis des Lenkarms von Side-Bike erstattet bekommen, was zwar dann nur
noch ein Viertel der Gesamtsumme ausmachte, aber immerhin. Soviel Kulanz auf ein 12 Jahre altes Fahrzeug zu bekommen ist schon in Ordnung, wenngleich mich ein solch heftiger Defekt doch
nachdenklich stimmt. Man sollte wirklich sein Gespann und alle Fahrwerksteile regelmäßig auf Defekte untersuchen, um so etwas frühzeitig zu erkennen!
|