|
Als Yamaha Anno 1984 die FJ1100 auf den Markt
brachte, sollte sie die über lange Jahre bewährte XS 1100 ablösen. Der neue Motor war wesentlich leichter, als der ihrer Vorgängerin und zerrte mit damals schier unglaublichen
125 PS (in der offenen Version) an der Kupplung. Außerdem war die Maschine mit 259 kg insgesamt 41 kg leichter als die XS. Trotz des für heutige Maßstäbe hohen Gewichts ist sie erstaunlich handlich.
Der Rahmen ist aus verschiedenen Komponenten
zusammengesetzt und umfasst den Motor seitlich. Der Lenkkopf wird nach dem sog. "Lateral-Frame"- Konzept über kleinere Streben von den Hauptrahmenrohren
umschlossen. Dieses Prinzip verleiht der Konstruktion eine beachtliche Stabilität. Die Rahmenunterzüge sind abschraubbar und erleichtern somit Arbeiten am Motor bzw. dessen Ausbau (sollte er wider Erwarten denn mal
nötig sein) erheblich.
Bei ihrem Erscheinen galt die FJ noch als ausgesprochenes
Sportmotorrad, was sich aber spätestens 1986, als die FZR 1000 herauskam schlagartig änderte. Der Begriff des Supersportlers war geboren. Die FJ bekam nun einen neuen
Platz als Sporttourer in der Produktpalette. Sie war gedacht für Käufer, die bequem, aber auch mal sportlich und schnell unterwegs sein wollten. Durch die in den folgenden Jahren
eingeführten Verbesserungen wurde sie zur Mutter aller Sport-Tourer.
Konsequenterweise wurde bei der ersten Modellpflege 1986 auch darauf das Hauptaugenmerk gelegt. Der eh schon reichlich bemessene Hubraum wurde noch mal auf
1188 cm³ erweitert, was eine noch schaltfaulere Fahrweise zulies. Zudem erhöhte sich die Spitzenleistung auf 130 PS und das maximale Drehmoment von 108 Nm lag nun schon
bei 6000 U/min an. An der größeren Verkleidung mit besserem Wetterschutz wurden die Spiegel nun direkt befestigt und die Blinker wurden darin integriert. Der
Choke-Hebel wanderte in die linke Innenverkleidung und verblieb dort bis zum Ende der Produktion. Die Lufthutzen zur Motorkühlung wurden vergrößert, der Tankinhalt wuchs auf 22
Liter mit einer elektrischen 5l-Reserve. Die Übersetzung wurde geringfügig von 17/42 auf 17/41 Zähne verlängert. Außerdem tauchte eine digitale Uhr im Armaturenbrett auf.
Weitere tiefgreifende Änderungen erfuhr die FJ dann im Modelljahr 1988: Das 16 Zoll-Rad vorn wurde gegen ein
17-zölliges getauscht (wobei der Raddurchmesser wegen eines flacheren Reifens nur unwesentlich zunahm). Die Gabel erhielt bessere Dämpferelemente, und das Vorderrad
wird nun statt mit den alten Doppelkolben durch zwei Vierkolbenzangen verzögert, die auf 298 mm große Scheiben greifen. Außerdem wurde eine digitale Zündanlage montiert und die Verkleidung nochmals auf Windschutz
optimiert. Weiterhin wurde ab diesem Jahr eine Benzinpumpe mit Benzinfilter und ein herkömmlicher Benzinhahn eingesetzt, der den Unterdruck-Benzinhahn der vergangenen Jahre
ersetzte. Die Felgen wurden durch welche mit einem moderneres Dreispeichendesign ersetzt, das umstrittene Anti-Dive verschwand ersatzlos. Außerdem gab es noch einige kosmetische Änderungen, so z.B. an der Fußrasten- und an der Auspuffbefestigung, am Rammschutz
an den Lufthutzen (nur eine große Gummileiste statt der alten zwei kleinen) und eine erneute Verlängerung der Übersetzung auf 17/40 Zähne.
Die letzten Änderungen kamen dann in den 90er Jahren. Ab
dem 91er Modell war die FJ auch mit ABS zu haben, eine Revolution auf dem Motorradmarkt und lange Zeit vorbildlich, wenn auch im Vergleich zu modernen Systemen
mittlerweile nicht wirklich konkurrenzfähig. In den beiden Jahren davor wurde der Rahmen rund um den Motor geändert, damit selbiger in Gummilagern aufenommen werden konnte. Dies verringerte die
lästigen Vibrationen bei bestimmten Drehzahlen deutlich. Die Dämpfungseinstellung der Gabel mußte dem Rotstift weichen, lediglich die Vorspannung blieb einstellbar. Das Federbein wurde durch eine weichere Variante mit Vorspannungsverstellung
ersetzt. Die Schwinge war ab sofort aus Stahl und nicht mehr aus Alu wie bei den bisherigen Modellen. Die Form des Scheinwerfers rundete sich etwas ab, die Verkleidung
wuchs erneut ein wenig, um den Wetterschutz noch weiter zu verbessern. Ein größerer Kotflügel auf dem Hinterrad verbesserte den Spritzschutz und die Auspuffbefestigung
wanderte von den Fußrasten an den Rahmen, um störende Vibrationen noch besser von den Füßen fernzuhalten. Außerdem gab’s noch eine größere und ab sofort wartungsfreie Batterie.
Die Spitzenleistung der offenen FJ beträgt heute aufgrund von Geräusch- und Abgasvorschriften jedoch "nur" noch ca. 112 PS, auch wenn viele Gutachten häufig noch von nominellen 130 PS ausgehen.
Dies tut dem Fahrverhalten des Boliden aber (wenn
überhaupt) nur geringen Abbruch. Mit gewaltiger Kraft von Standgasdrehzahl an zieht der Motor unspektakulär jedoch unbeirrbar das Gefährt auf Touren. Kraft ist immer reichlich
bei jeder Drehzahl vorhanden, so dass man sich ständig dabei erwischt, mit unter 2000 Touren auf dem Wecker in der Stadt im 5.Gang dahinzugleiten. Im Zusammenhang mit
der Leistungsentfaltung hat sich mittlerweile der Begriff "Gummiband" eingebürgert, der wahrlich eine treffende Beschreibung liefert.
Links sieht man das Design der letzten Modelljahre, in dem auch mein Gespann gehalten ist.
Der Basistext zu dieser Seite wurde mit freundlicher Genehmigung von der folgenden Website verwendet: http://www.jtb-hamm.de/, email Joerg@JTB-Hamm.de. Die Fotos und viele Fakten stammen von der FJ-Resource Homepage, wobei ich ihre Autorin Lilith leider nicht erreichen kann, weil die Email-Adresse nicht mehr funktioniert und keine neuere angegeben ist. Wer sie weiß, bitte melden. Danke!
|