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CometenkaufTja, als meine Kids und ich beim Euro Gespanntreffen in St. Andreasberg die ganzen schönen großen Familiengespanne sahen, waren wir relativ schnell auf dem Trip: Sowas müßte der Papi auch haben. Das Problem war immer, daß die Kids irgendwann beide gleichzeitig müde waren und wir dann nicht weiterfahren konnten, weil eine ja immer hinter mir auf dem Sozius der Twin Platz nehmen mußte. Außerdem ist die Africa Twin mit 60PS vollbeladen doch etwas asthmatisch, wenn es mal einen Berg ‘raufgeht. Die Bremsen sind dann auch ziemlich am Limit.

Es mußte also was Großes, was Dickes her. Die Beiwagen von Side-Bike fand ich immer schon große Klasse was das Design angeht. In meinem alten Motorradstammtisch fuhr jemand eine alte FJ-Comete und ich war immer wieder fasziniert von diesem Fahrzeug. Aber die waren auch immer irgendwie unerschwinglich, ich hatte nie mehr als umgerechnet 5.000 € für meine Motorräder ausgegeben und so ein Gespann kostet ja schon gebraucht mit vielen Kilometern locker das Doppelte. Trotzdem schlich ich dann doch immer wieder auf dem Treffen um die wunderschönen Gespanne aus der französischen Edelschmiede, und machte viele viele Fotos.

Zuhause angekommen war ich infiziert, das Projekt “Familiengespann mit Power” sollte starten. Zuerst mußte jedoch das Africa Twin Moturist Gespann verkauft werden, zwei Gespanne geht einfach platztechnisch in der Garage nicht und außerdem brauchte ich dringend den Verkaufserlös, um das neue Gespann zu finanzieren. Also ging’s ab, Verkaufsseite auf meine eigene Homepage gesetzt und im Internet nach Anzeigenmärkten gestöbert, wo man sie reinsetzen konnte. Unter einem fadenscheinigen Vorwand habe ich sie auch im Forum für Motorrad-Gespanne inseriert, ich habe da einfach gefragt, wie es denn so die anderen Gespannfahrer mit der Probefahrt halten, wenn man ein Gespann verkaufen möchte. Und so nebenbei ein Foto mit reingesetzt. ;-) Es haben sich dann auch einige gemeldet, aber der Käufer kam letztendlich von mobile.de, wo ich sie auch inseriert hatte. Wenig später wurde das kostenpflichtig und dann habe ich das da aus Geiz nicht mehr neu inseriert, aber da war sie dann auch schon verkauft.

Dem neuen Gespann stand also nichts mehr im Wege. Nun fing die Suche an, erstmal alles im Internet nach Informationen über Side-Bikes abgesucht und kaum was gefunden. Es gab keine deutsche Mailingliste, kaum deutsche Homepages, einige aus Holland und Frankreich aber das war alles nicht das Wahre. Gebrauchte? Fehlanzeige. Entweder zu Mondpreisen (GTS Mega für 28.000 Euro) oder man fand einfach nichts. Ich richtete mich auf eine lange Suche ein.

Es gab Leute, die erzählten Schlechtes über die Cometen, die sollten nicht wasserdicht sein, bei Regen kam überall die Plörre rein, zwischen Beiwagen und Mopped war’s eng und man kam kaum in den Beiwagen rein und raus, weil es keine Einstiegsklappe gab, der Kofferraum sollte zerklüftet und blöd zu beladen sein durch die kleine und hohe Klappe, angeblich ging noch nichtmal ein Bierkasten rein (was mir als Nicht-Biertrinker überhaupt nichts bedeutet ;-)). Egal. Das kompromißlose Design, die offensichtlich gute Aerodynamik und das Flair dieser schönen Gespanne hatte mich in seinen Bann gezogen und ein als Vernunft-Alternative in Betracht gezogener EML GT2001 verblaßte gegen die Cometen und ich habe nie ernsthaft danach gesucht, zumal die oft mit modernen Moppeds verschraubt sind, die die Anschaffung dann wieder über mein magisches Limit hoben, was ich mir gesetzt hatte. Und dann war da immer das Fazit der Side-Bike Fahrer, auch derer, die was zu meckern hatten: “Ich gebe sie nie wieder her” oder “ich bin völlig verrückt nach dieser Kiste” oder sowas. Ein Side-Bike fährt man nicht einfach nur, man liebt es auch ein wenig. ;-)

Side-Bike LogoMittlerweile begann ich, Probefahrten zu arrangieren. Cometen waren recht selten, aber die neueren Kyrnos-Gespanne werden immer mal wieder angeboten. Eigentlich sagte mir die weiche Form nicht so sehr zu und es handelt sich dabei ja auch nur um einen 1,5-Sitzer, ich wollte aber jetzt schon einen Fullsize-Beiwagen.

Und dann sah ich diese kleine unscheinbare Anzeige im Anzeigenmarkt von Motorrad-Online:



Ich mailte sofort hin und bekam nur die lapidare Antwort, ich solle doch bitte anrufen. OK, auch kein Problem, habe dann mal dort angerufen. Wir haben lange gequatscht und ich war recht angetan, sehr gepflegter Zustand, keine Regenfahrten, einige ordentlich gemachte Umbauten, mit blau-silber eine schöne Farbe, die letzte gebaute FJ (Typ 3YA) mit gummigelagertem Motor (da hatte man mir zu geraten, wenn es schon eine FJ sein sollte), eigentlich stimmte alles. Letztendlich habe ich dann doch keinen Termin gemacht, eigentlich war sie zu teuer. Außerdem war die Kiste schon abgemeldet und dann hätte ich entweder auf eine Probefahrt verzichten oder eine rote Nummer mitbringen müssen. Das fand ich irgendwie dämlich und nahm mir vor, erstmal die anderen mittlerweile herausgekramten Angebote unter die Lupe zu nehmen, unter anderem drei Kyrnosse.

Nachdem ich dann drei verschiedene Kyrnos gefahren hatte, war ich überzeugt: Das Ding ist zu klein, zu schmal und zu schwach, wenn schon denn schon, es mußte eine Mega Comete mit GTS oder FJ1200 sein. Die mit GTS sind sehr selten und oft auch noch teuer. Und Cometen generell gehen meist recht schnell weg, wenn jemand eins anbietet. Angeblich kaufen sich alle möglichen Leute derzeit einen Zeus und verkaufen ihre Cometen, ich habe aber in den letzten zwei Monaten selten welche gesehen, wobei natürlich auch jetzt im Oktober/November nicht gerade Gespannkauf-Saison ist, klar.

Wie auch immer, ich wollte’s dann doch wissen, was mit der Mega-Comete los ist und habe da dann nach einigen Tagen nochmal angerufen und eine Probefahrt vereinbart. Als der Tag der Probefahrt dann gekommen war, wurde ich aufgeregt. Ich hatte bei einem alten Kumpel eine rote Nummer organisiert und fuhr die 70km in die Eifel, wo das Gespann zum Verkauf stand. Irgendwie stimmte mittlerweile zuviel an der Geschichte und mir wurde mulmig zumute. Sollte ich wirklich gleich meinem zukünftigen Gespann gegenüber stehen? Ich hatte weiche Knie genau wie bei der ersten Verabredung mit einer neuen Freundin.

Ich klingelte und stand klopfenden Herzens vor dem Hoftor. “Bloß nicht zeigen, daß ich so heiß bin”, dachte ich, “das ist schlecht für die Preisverhandlung”. ;-). Nach kurzer Wartezeit öffnete Günter die Tür und war mir direkt sympathisch. Er restauriert Vorkriegs-Oldtimer Motorräder und hat eine Drehbank und eine Portalfräse in seiner Garage, überall liegen blütenweiße Tücher rum, auf denen fein säuberlich irgendwelche Teile liegen. Der ist ordentlich, dachte ich mir, da kann man beruhigt von kaufen. Und dann schob er sie aus der Garage.

Mir verschlug es den Atem. Die Kiste sah aus wie neu. Absolute Show-Room-Condition, wie jemand aus dem VG später sagte. Die Farbe war einfach phantastisch, das Design ein Hammer und alles war perfekt. Ich wollte unbedingt eine Probefahrt machen. Zuerst zierte sich Günter ein wenig, aber ich konnte ihn überzeugen, daß ich ausreichend Gespannerfahrung hatte und daß der Typ, der mir die rote Nummer geliehen hatte, dies nur getan hatte unter der Prämisse, daß ich nur selbst fahre. ;-)

von rechtsWir fuhren sehr vorsichtig die ersten Meter los und dann ein wenig auf eine Landstraße. Günter saß im Boot und die Kiste hatte ein Fahrverhalten wie ein Kart. Daß man achsschenkelgelenkte Gespanne mit zwei Fingern lenkt, ist zwar mächtig übertrieben, aber so eine Comete ist schon eine andere Liga im Vergleich zu der Africa Twin, die ich bisher gefahren hatte. Nachdem Günter mitbekam, daß ich das wohl rauszuhaben schien, wie sowas geht, forderte er mich mehrfach auf, doch mal richtig Gas zu geben. ;-) Ich traute mich aber nicht wirklich, wollte ich das unbekannte Gefährt doch auf jeden Fall ohne Kratzer wiederbringen. Nachher offenbarte er mir, daß ich lediglich 30-40% der Fähigkeiten dieses Fahrzeugs ausgenutzt hatte. Junge Junge, da ist noch ordentlich Potential, dachte ich mir. ;-)

Tja, was soll ich noch groß sagen? Ich habe noch schnell, bevor es dunkel wurde, einige Fotos geschossen, während Günter noch das Nummernschild abschraubte, dann haben wir uns zu einem leckeren Instant-Cappucino reingesetzt und dann habe ich gegen meinen Grundsatz verstoßen, mich nie sofort zu entscheiden: Der Vorvertrag war schnell auf ein leeres Papier gekritzelt und unterschrieben und ich schwebte auf Wolke Nummer sieben. Eine Mega-Comete, ich besaß endlich eine. Ich hätte platzen können vor Freude.

Die Fahrt nach Hause verlief wie im Rausch, mit phantastischer Musik am Limit meiner geilen Becker Hifi-Anlage im Auto (Mike Lindup: Changes) gondelte ich beseelt vor Glück durch die Dunkelheit nach Hause, immer der Ansage im Navi hinterher, ohne wirklich zu wissen wo ich bin und wie weit es war, es war doch ohnehin alles egal, ich hatte mir meinen Traum erfüllt. Ich hatte mein Traum Gespann, ich hatte eine Mega-Comete. Was würden die Kids sagen? Die Platzen vor Freude. Die Vorfreude darauf, was die Kids für ein Gesicht machen würden, ist fast schon das schönste daran.

Die nächsten Abende vergingen mit dem Sammeln von Informationen über die FJ und Side-Bikes generell. So nebenbei gründete ich eine deutsche Side-Bike Mailingliste und knüpfte erste Kontakte zum deutschen Side-Bike Importeur Uli Jacken, der mir auch recht unbürokratisch einige Fragen beantwortete.

So nach und nach fasse ich mein Glück: Ich besitze eine Mega-Comete. Und ich gebe sie nicht wieder her. ;-)

Ich freue mich immer über Anregungen oder Fehlerhinweise zu dieser Website und antworte auf jede nette Zuschrift. EMail:  webmaster@powerslider.de