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Nachdem ich mich in der Vergangenheit immer wieder mal über meine Vorderbremse an der Comete ärgern mußte, reifte der Gedanke an eine neue Bremspumpe. Ich hatte immer wieder Luft im Bremssystem und die Bremse war mir generell zu weich. Die aktuelle Pumpe wollte ich aus zwei prinzipiellen Erwägungen heraus ersetzen:
mit 5/8” Durchmesser des Bremskolbens (das sind ca. 15.875 mm) ist die Bremspumpe für
die serienmäßig montierte Vierkolben Doppel-Bremsanlage eigentlich zu klein dimensioniert und damit tendentiell immer ein wenig zu weich. Durch die Beiwagenbremszange ist die
Bremspumpe dann im Gespannbetrieb meiner Meinung nach definitiv überfordert.
Beim Betätigen der Bremse in flotten Linkskurven kann man Luft ansaugen und in’s
Bremssystem pumpen, da der Bremsflüssigkeitsbehälter nicht weit genug über der Pumpe sitzt und die Bremsflüssigkeit dann nach rechts schwappt und die Ansaugöffnung unter
Umständen freigibt.
Beide Probleme werden durch den Umbau auf eine Radial-Bremspumpe
mit größerem Kolben und abgesetztem Bremsflüssigkeitsbehälter vollständig behoben. Nach langen und aufwendigen Recherchen fiel meine Wahl auf eine Radial-Bremspumpe mit 19mm Kolbendurchmesser von Lucas/TRW, Typ MCZ500. Die bei den modernen Sechskolbenzahngen üblichen 21mm-Pumpen erschienen mir zu dick, da würde die Bremse
vermutlich sehr hart werden. Bei den 17mm Pumpen hingegen war mir der Abstand zur existierenden Lösung nicht groß genug.
Nach dem heutigen Umbau kann ich nur sagen: Die 19mm sind die goldrichtige Entscheidung
gewesen. Der Druckpunkt ist hart und präsent, aber nicht zu schlimm, er harmoniert gut zur Kupplungsbetätigungskraft, die bei meinem Cometen wegen einer härteren Tellerfeder auch etwas
höher ist als normal, aber immer noch im Rahmen.
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Die Lucas-Radialpumpe lag also mit 19mm genau richtig. Zweitens gibt es im Internet ein Teilegutachten herunterzuladen, welches zumindest die Yamaha FJ1200 3YA als geeignetes
Mopped klassifizierte. Damit sollten doch alle Voraussetzungen geboten sein, damit man das auch eingetragen bekommt. Mit einer Kopie des Briefes, einigen Fotos vom Mopped und dem
Teilegutachten sowie einigen Katalog-Infos über die Pumpe habe ich mich dann mal beim örtlichen TÜV gemeldet, nicht ohne auf die Problematik hinzuweisen, daß das Mopped ja keine Yamaha
FJ1200 mehr sei, sondern ein Side-Bike. Nach eingehendem Studium der Unterlagen und nach einem entsprechenden 10-minütigen Gespräch, wo ich ihm meine Beweggründe und die Ergebnisse
meiner Recherchen darlegte, meinte er nur, daß man mir anmerken würde, daß ich mich intensiv damit beschäftigt hätte und die Gründe hätten ja auch Hand und Fuß und es gäbe ja ein
Teilegutachten (das war sehr wichtig), welches das Bauteil und das verwendete Material grundsätzlich als geeignet klassifiziert. Er meinte dann, einer Eintragung würde nix im Wege stehen,
wenn der Anbau ordentlich ausgeführt würde. Eine bloße Anbaubescheinigung reicht allerdings nicht aus, da zuviele Abweichungen zum Teilegutachten dann vorliegen, beispielsweise ist dort von einer
serienmäßigen Bremsanlage die Rede, wovon aber durch den Gespannumbau keine Rede mehr sein kann. Aber wie auch immer, man sicherte mir zu, das problemlos einzutragen. Somit stand einer Bestellung nichts mehr im Wege.
Als letztes Problem blieb noch die Befestigung des
Bremsflüssigkeitsbehälters. Ich entschied mich für einen großen Brembo-Behälter mit 45ml Inhalt, damit dem vergrößerten Volumen der Bremsanlage (durch den Beiwagen und die langen
Leitungen) Rechnung getragen wurden. Das sollte sich als richtige Entscheidung herausstellen, denn das Entlüften ist mit einem großen Behälter wesentlich einfacher und man muß nicht so oft im
Laufe einer Verschleißlebensdauer der Bremsbeläge die Bremsflüssigkeit nachkippen. Die etwas klobige Optik des großen Behälters fällt nicht so in’s Gewicht, da er im Cockpit hinter der
Verkleidung sitzt und somit von außen kaum bemerkt wird. Nur: Wie mache ich den fest?
Über einen Freund hatte ich die Möglichkeit, mir ein kunststoffbeschichtetes Alu-Frästeil nach meinen Vorstellungen anfertigen zu lassen. Zuerst haben wir ein
Muster aus einem Blechwinkel gefertigt und nach diesem Muster wurde dann das Frästeil hergestellt und beschichtet. Der Halter ist links in dem Bild zu sehen, das große senkrechte Teil in der Bildmitte.
Die Bremspumpe und die zugehörigen Kleinteile bestellte ich bei einem kleinen freien Motorradhändler, der sich auf FJ-Teile spezialisiert hat und mir mit Engagement, Verständnis für
meine verschrobenen Wünsche und mit guten Preisen sehr geholfen hat, vielen Dank an der Stelle nochmal, Michael! ;-)
Der Zusammenbau erfolgte dann bei meinem Freund Walter, der eine LKW-Werkstatt (siehe rechts) besitzt und sich auf die Anfertigung von Hydraulikschläuchen spezialisiert hat und damit ideal für mein Vorhaben geeignet
schien. ;-) Das sollte sich auch bewähren, denn die Hohlschraube für den Anschluß der Bremsleitungen paßte nicht in die Lucas-Pumpe, da hier ein anderes Gewinde verbaut wurde. Glücklicherweise hatte
Walter passende Hohlschrauben am Start, und die Klippe war somit schnell umschifft.
Es verging dann doch mehr Zeit als geplant, da auch noch die Bremsbeläge vorn gewechselt werden
mußten und das nicht so flott lief, wie ich mir das so dachte...
Das übliche Drama spielte sich dann wieder beim Entlüften ab. Letztendlich haben wir’s dann doch
gut hinbekommen. Bei der Lucas Handpumpe ist es wichtig, daß man auch an der Bremspumpe selbst sauber entlüftet, wo es dafür nochmal einen separaten Entlüftungsnippel gibt. Wir haben
verschiedene Verfahren ausprobiert, zuerst haben wir Bremsflüssigkeit mit Druck von unten nach oben mit einem speziellen Gerät in das Bremssystem gedrückt. Als das dann aber nicht wirklich zum
Ergebnis führte und wir dann nicht sicher waren, daß da nicht evtl. doch Luft mit reingedrückt wird in’s System, haben wir dann nacher die klassische Methode mit zwei Mann angewandt, wo einer
oben an der Pumpe und einer unten an der Bremszange arbeitet und wechselseitig oben Druck aufgebaut und dann unten endlüftet wird. Letztendlich war ein ruhiges und koordiniertes Vorgehen dabei von Erfolg gekrönt.
Erste Fahrversuche sind sehr
vielversprechend. Die Bremse ist hart, aber nicht unbedienbar und der Druckpunkt ist schön knackig. Die Verstellung des Handhebels erlaubt eine vernünftige Einstellung des Abstands zum Lenker und man
kann trotzdem den Hebel auch mit Gewalt nicht an den Lenker ziehen. Die Bremswirkung ist derzeit wegen der neuen Bremsbeläge noch nicht so dolle, aber das wird sich noch geben, denke ich, wenn die
neuen Beläge sich richtig an die eingelaufene Scheibe angepaßt haben.
Die Eintragung der Modifikation erfolgte im April 2006 beim TÜV Moers nach kurzer Diskussion
ohne Probleme, allerdings zum stolzen Preis von über 70 Euro, 19,- Euro als Grundgebühr und der Rest nach Zeit für den Prüfungsaufwand, recht happig, aber was will man machen...
Fazit: Ich kann den Umbau nur jedem empfehlen, auch wenn er nicht ganz billig ist, aber der Aufwand lohnt sich und ist auch vom engagierten Schrauber mit ein wenig Hilfe selbst zu bewerkstelligen. |