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Rumänien als Reiseland

DorfdurchfahrtÜber Rumänien existieren mehr Gerüchte als Kenntnisse, mehr Vorurteile als Wissen. Wer seinen Urlaub nicht als Flucht vor dem Alltag ansieht, sondern aus Neugierde und Offenheit andere Länder entdecken möchte, sollte es wagen. Die überwiegende Zahl der Rumänienurlauber kehren sehr fasziniert zurück!

Auf Grund seiner wechselnder Geschichte und häufigen territorialen Veränderungen in den letzten Jahrhunderten hat sich dieses Land zu dem ethnischen, sprachlichen und soziologisch vielfältigsten Staat Europas entwickelt. Zum Beispiel ist im Siebenbürgischen Landesteil die Gründung vieler nennenswerter Städte auf die Einwirkung deutscher Siedler zurückzuführen. Diese wurden im 12. und 13. Jahrhundert von den damaligen Königen zur Verteidigung der Grenzen, vor allem zum Schutz vor den Türken, in das Land gerufen. Die bedeutendsten Städte Siebenbürgens , Klausenburg (Cluj Napoca), Kronstadt (Brasov), Hermannstadt (Sibiu) und Schäßburg (Sighisora), zeigen heute noch mittelalterliche Stadtbefestigungen und richtige Kirchenburgen.

In der Baukunst verschmolzen sich seit dem 15.Jahrhundert byzantinische und gotische Formen. Der Einfluss vom Kaukasus, den Türken, Russen sowie gewisse Beziehungen zu Bulgarien und Serbien sind nicht zu übersehen.

Das multikulturelle Erbe Rumäniens kommt auf den Wochenmärkten so richtig zum Tragen. Dort reisen die Bauern von weit her an, um die Ernte ihrer Felder zu verkaufen. Andere bringen Handwerksartikel wie Körbe, Besen, kunstvoll hergestellte Teppiche, Hemden und Blusen. Die "Modernen" handeln neben Shampoo, Schokolade und Kofferradios auch oft mit westlichen Autoteilen.

HeuwagenIn Rumänien ist alles etwas anders, das Land ist arm auf eine Art die Mitteleuropäer oft gar nicht begreifen können. Stellen Sie sich vor, mit einem Monatslohn von durchschnittlich 100,- € eine mehrköpfige Familie zu ernähren. Auf importierten Gütern aus dem Ausland, ob Gebrauchsgegenstand oder Lebensmittel, muss noch Transport und Zoll zugerechnet werden. Somit sind für uns alltägliche Güter für einen Rumänen absoluter Luxus. Der ständige Mangel weckt die Sinne für Kleinigkeiten im Umgang der Menschen. Dies bekommt der Fremde stark zu spüren, wohl kaum in einem anderen Land Europas ist die Gastfreundlichkeit so ausgeprägt wie in Rumänien.

Wenn sich Rumänien auch noch etwas schwer tut mit der Demokratie, der Westen nur zögernd Interesse zeigt wirtschaftlich einzusteigen und die herrschende Armut sich nur schleichend verbessert, sind doch einige der Auswanderer, die den Sturz des kommunistischen Regimes nutzten um endlich in Freiheit zu leben , wieder zurückgekehrt. Denn im Ausland leben die Rumänen unter der Last vieler Vorurteile. Leider kommt das Land im westlichen Europa auch meist nur bei Katastrophen und Unruhen in die Medien. Sintis und Romas, welche einen Teil der Landesbevölkerung darstellen, werden bei uns unter dem Deckname "Zigeuner" in einem zwiespältigen Licht gesehen und mit Rumänien assoziiert. Das traditionelle Erbe dieser uns so fremden Bevölkerungsschicht führt über Jahrhunderte zurück und zeigt oft faszinierende Lebensarten.

Unsere Distanz zu diesem in der Geschichte Europas so entscheidenden Land kann kaum in Kilometern gemessen werden, viel mehr setzen Begegnungen von Kultur und System die Meilensteine.

Wenn Rumänien auch derzeit nicht gerade das Paradies für Menschen ist, so sicher aber noch in weiten Teilen für die Tierwelt. Rumäniens größter Naturreichtum sind die einzigartigen dichten Wälder. Diese letzten Urwälder Europas bedecken noch fast 27% der Landesfläche. Ein einzigartiger Artenreichtum an Pflanzen findet man über das Land verteilt. Auf den Feldern wachsen noch für uns schon längst vergessene Wildblumen. Die Tierwelt in den Wäldern kann für europäische Verhältnisse als sehr artenreich bezeichnet werden. Neben vielen anderen sind mit einer Portion Glück Hirsche, Gämsen, Marderhunde, Wölfe oder sogar noch ein Bär zu sehen. In den Dörfern haben Störche die geeigneten Plattformen von Kaminen oder Strommasten zum Nestbau genutzt, in den Bergen kreisen Adler und vereinzelt an der Schwarzmeerküste sind sogar Pelikane anzutreffen. Obgleich Rumänien große Landstriche unberührter Natur besitzt ist die Umweltsituation an manchen Orten geradezu katastrophal. Das Industrielle Erbe des kommunistischen Größenwahns bläst vielerorts noch unbehelligt und ungefiltert allerhand Dreck in den Himmel. In den ländlichen Dörfern fehlt die Organisation einer Müllabfuhr oft noch gänzlich und wie vor Jahrzehnten, als es noch keinen Plastik- und Chemiemüll gab, wird alles über das Brückengeländer des Dorfbaches entsorgt!

Rumänien ist fast so groß wie die BRD ohne die Neuen Bundesländer und besteht ziemlich genau zu je einem Drittel aus Gebirge, Hügelland und Ebenen. Ganz speziell der bis zu 2500 mtr. hohe Karpaten Bergzug bietet bei kontinentalem Klima tolle Voraussetzungen für Tourismus rund um das Jahr. Die Sommer sind oft heiß und trocken und die Wintermonate oft kalt und schneereich.

Von diesem Klima ist auch die rumänische Küche geprägt, je nach Jahreszeit gibt es hervorragendes Gemüse und Obst. Auch sind die kulinarischen Einflüsse der Türken und Griechen ein sehr reizvolles Thema auf der Speisekarte. Gefüllte Paprikaschoten, Mici genannte Rindfleischwürstchen mit Knoblauch gewürzt, Krautwickel mit einer Reis-Kalbfleischmischung gefüllt und einem Klacks saurer Sahne oder der "mamaliga", ein steifer salziger Maiskuchen, um nur ein paar dieser rumänischen Leckerbissen zu nennen. Oft wird sehr herzhaft gekocht und zum Verdauen gibt es schon vor dem Essen einen hausgemachten Tuica, einen klaren Pflaumenschnaps.

Beim Reisen Überland überkommt einem manchmal das Gefühl, in einem alten Heimatfilm teilzunehmen. Gänse auf der Straße, der Bauer mit seinem Pferdefuhrwerk bringt die Ernte nach Hause, ein Schäfer Am Wegrandbeobachtet seine Herde am Waldrand, ein Schulmädchen zieht das Wasser zum Kochen aus dem Brunnen vorm Haus, Frauen und Männer in traditioneller Kleidung und nach Geschlecht getrennt sind auf dem Weg in die Kirche. Plötzlich hupt es, ein qualmender, nach Diesel stinkender Lastwagen donnert vorbei, Hühner und Gänse springen zur Seite. Der "Traum" ist zu Ende doch der mittelalterliche ländliche Alltag bleibt.

mit freundlicher Genehmigung von
Uwe Diemer

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